Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

mit dem Rhön-Zügle

"Kalthaus" Nordheim vor der Eröffnung

Ein Glücksfall für das Freilandmuseum

Mit dem Tieflader kam das Kühlhaus aus Nordheim v. d. Rhön im vergangenen Jahr ins Fränkische Freilandmuseum Fladungen. Nach behutsamen Instandsetzungs- und Konservierungsarbeiten steht der Eröffnung mit Inbetriebnahme des Kühlkarussells am 19. April um 11 Uhr nichts mehr im Weg.

In den 1950er Jahren gab es Gefrieranlagen in beinahe jedem Dorf, mittlerweile findet man sie kaum noch und sie sind stark in ihrem Bestand gefährdet. So stellte das Angebot der Gemeinde Nordheim an den Zweckverband Fränkisches Freilandmuseum zur Übernahme ihres „Kalthauses“ einen besonderen Glücksfall dar. Denn es war bis zum 31.12.2009 funktionsfähig und seit seiner Erbauung kaum verändert worden. In seiner Vollständigkeit dürfte es unterfrankenweit einer der letzten Vertreter dieses Funktionstyps sein.

Die Übertragung des Kühlhauses im Ganzen auf das Museumsgelände ist eine Meisterleistung aller Beteiligten und wiederum ein Glücksfall für das Freilandmuseum. Denn durch diese Versetzungsmethode war es möglich, die Originalbausubstanz der 1950er Jahre einschließlich sämtlicher Oberflächen und Materialien zu erhalten. Alles blieb so, wie es am alten Standort war. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf rund 280.000 Euro. An der Finanzierung beteiligte sich die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern mit 35.000 Euro und die Bayerische Landesstiftung mit 30.000 Euro.

„Diese Gefrieranlagen prägten nicht nur das Ortsbild vieler Dörfer, sondern stehen für eine kurze, aber wichtige Modernisierungsphase in der Entwicklung des Dorflebens in Unterfranken. Sie sind aber auch Zeugnis des dörflichen, gemeinschaftlich ausgerichteten Wirtschaftslebens der 1950er und 1960er Jahre“, so Landrat Thomas Habermann. Daher, so der Vorsitzende des Zweckverbands weiter, verdiene das Nordheimer Kühlhaus zu Recht einen Platz in einem unterfränkischen Museum für dörfliche Kultur.

Das Nordheimer „Kalthaus“ – eine Rotofrostanlage
Die Rotofrostanlage - so der zeitgenössische Fachausdruck für diesen Kühlhaustyp - wurde Ende der 1950er Jahre in Gemeinschaftsleistung von den Nordheimer Bürgern errichtet und bis ins Jahr 2009 genutzt. Im Inneren befinden sich ein zentraler belichteter Raum, ein Technikraum mit Kältemaschine, ein Vorfroster und ein Kühlraum zur Aufbewahrung des großen Schlachtgutes.
Hauptattraktion ist das Kühlkarussell, das in einem weiteren Raum untergebracht wurde. Diese Gemeinschaftsgefrieranlage ist eine seltene, aber platzsparende Lösung der Kühltechnikfirma Ate (Alfred Teves GmbH Frankfurt a.M.): 144 Gefrierfächer mit je 60 Litern Fassungsvermögen sind in Form eines Karussells in 9 Ebenen zu 16 Fächern in einem Drehgestell angeordnet. Durch Bedienung eines Schaltbordes setzt der Nutzer das Karussell in Bewegung, um an sein Gefrierfach zu gelangen.
Aufgrund wirtschaftlicher Erwägungen kann die Kühlung im Freilandmuseum zwar nicht mehr in Betrieb genommen werden, jedoch kann der Besucher hier selbst ausprobieren, wie das Schaltbord bedient werden muss, um das Karussell in die gewünschte Position zu bringen. Neben der technischen Funktionsweise erfährt er natürlich auch etwas über die Entstehung, die Nutzung und den Betrieb des Nordheimer „Kalthauses“.

Eine praktische Erfindung für nur kurze Zeit
Schon Anfang des 20. Jahrhunderts hatten Erfinder das Tiefgefrieren entwickelt, um Lebensmittel länger haltbar zu machen. Erst in den 1950er-Jahren verbreitete sich die Technik flächendeckend und überall auf dem Land entstanden Gemeinschaftsgefrieranlagen oder -häuser. Sie boten der ländlichen Bevölkerung neue Möglichkeiten der Konservierung und ein jahreszeitlich unabhängiges Wirtschaften. Schlachtungen konnten beispielsweise nun auch in den warmen Sommermonaten durchgeführt werden. Auch Gemüse wurde auf diese Weise haltbar gemacht, so dass immer frische Produkte zur Verfügung standen. Die Kühlhäuser garantierten damit das ganze Jahr über eine hygienische Vorrats- und Frischhaltung von Lebensmitteln. Schließlich ließen der rasante technische Fortschritt in den Privathaushalten und die Entwicklung in der Landwirtschaft diese Einrichtungen schon nach kurzer Zeit funktionslos und damit überflüssig werden.

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