Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

mit dem Rhön-Zügle

zeitlos

Paul Diestel

In den Gebäuden im Freilandmuseum Fladungen wurden an ausgewählten Stellen alte Farbschichten freigelegt. Hinter einer blumigen Tapete kommen eine marmorierte Bemalung, bloße Kalkfarbe und schließlich Lehmputz zum Vorschein.

Jeder neue Anstrich scheint verbunden mit der Motivation, den Raum zu erneuern, vielleicht um ihn neu einzurichten oder sich selbst neu auszurichten. Die Tragik: Eine Zeit lang hält dieser Zustand scheinbar an, bis erste Makel und Spuren, Staub und Vergilbung sich mehren. Zeit für einen neuen Anstrich!

Hier wird deutlich, was wir aus der Archäologie und der Geologie kennen: Die Zeit arbeitet in Schichten - und macht dabei keine Pause.

Der Bildhauer Paul Diestel fasst seine überwiegend aus Holz hergestellten Objekte in organischen Formen mit natürlichen Pigmenten wie Erde, Kalk, Asche und Sand. Schicht für Schicht lässt er das Holz hinter sich und schafft eine neue Materialität, die aus der Verdichtung und Politur des Aufgetragenen entsteht. Am Ende ist nicht mehr klar, welche Schicht wann aufgetragen wurde. Es entsteht eine Gleichzeitigkeit alles Passierten, die in einer klaren Form zu uns spricht. Paul Diestels Objekte scheinen an den natürlichen Prozessen der Veränderung zu reifen, anstatt kaputt zu gehen.

Wir erfahren, wie alles um uns herum Zeugnis einer ständigen Transformation ist.

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Zum Künstler

Paul Diestel wurde 1996 in Schweinfurt geboren und wuchs in Unsleben in der bayerischen Rhön auf. 2014 begann er ein Studium der Bildenden Kunst an der Kunsthochschule Kassel. Er studierte in der Klasse von Professor Norbert Radermacher und von 2018 bis 2020 bei Gastprofessorin Mirjam Thomann. Im Frühjahr 2019 wurde er von ihr und Professor Jens Brand zum Meisterschüler ernannt. Seit seinem Abschluss im März 2020 lebt und arbeitet er als freischaffender bildender Künstler in Unsleben.

Paul Diestel stellte unter anderem im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg, im Kulturzentrum Kloster Wechterswinkel und im Ausstellungsraum 387 in Kassel aus. Ausgezeichnet wurde seine Arbeit mit dem Stipendium des Cusanuswerks, dem Artist-in-residence-Stipendium des Rathaus für Kultur, Lichtensteig, sowie dem Georg-Meistermann-Preis des Cusanuswerks.

pas_seul_IIpas seul II, 2018
Lindenholz, Hasenleim, Asche, Kalk, Erdpigment, 109,0 x 33,0 x 6,0 cm
Foto: Janina Kürschner

Laufzeit

10.06. bis 7.11.2021

Öffnungszeiten

  • täglich 9 - 18 Uhr (im Okt., Nov. ist montags Ruhetag)
  • Der Besuch der Ausstellung ist im Eintritt zum Fränkischen Freilandmuseum Fladungen enthalten. Eintrittspreise

Broschüre zur Ausstellung 

PDF, nicht barrierefrei

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