Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

mit dem Rhön-Zügle

Aktuelles aus dem Freilandmuseum

Laufende Projekte und Blicke hinter die Kulissen


Fladungen summt und brummt: Freilandmuseum wird zum Studienort für Wildbienen-Projekt

Frühjahr 2020

Wildbienenprojekt

Während die Menschheit wegen der Coronavirus-Pandemie herunterfährt, erwachen davon scheinbar völlig unbeeindruckt Flora und Fauna. Umso wichtiger, dass die Forschung auch in diesen Zeiten weitergeht, denn die globale Biodiversität hat in den letzten Jahrzehnten massiv gelitten. Allein in Bayern sind zum Beispiel mehr als die Hälfte der Wildbienenarten durch das Verschwinden oder eine verminderte Qualität ihrer Lebensräume gefährdet. Gerade Gemeinden im ländlichen Raum mit artenreichen Gärten, Wildgehölzen, Obstbäumen mit Totholz, Trockenmauern usw. sind wertvolle Lebensräume für Insekten und Wirbeltiere und besitzen ein großes Potential für die Förderung von Wildbienen.

Aus diesem Grund beschäftigt sich die Wissenschaftlerin Sonja Schröck von der Universität Würzburg mit der Artenvielfalt von Wildbienen in den Dörfern Mainfrankens und der Rhön. Das groß angelegte Projekt wird vom Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie gemeinsam mit dem Biodiversitätszentrum Rhön durchgeführt. In 40 ausgewählten Gemeinen mit 800 bis 3000 Einwohnern will die Doktorandin die Artenvielfalt und Häufigkeit von Wildbienen sowie deren Nahrungsressourcen und Nistplatzstrukturen erfassen.

Welchen Wert besitzen verschiedene Flächen wie Hausgärten, Bauerngärten, öffentliches Grün? Wie beeinflusst die Vernetzung dieser Lebensräume mit der umgebenden Kulturlandschaft die Vielfalt von Bienen? In jedem Lebensraum finden sogenannte Transektbegehungen statt; kleine und unauffällige Arten werden mit Farbschalen gefangen und identifiziert. Für oberirdisch nistende Arten werden Nisthilfen aufgestellt, die eine Ansiedlung und Erfassung von Bienen ermöglichen.

Außerdem sollen Maßnahmen entwickelt werden, um gemeinsam mit den Gemeinden blütenreiche und vielfältige Lebensräume zu fördern und zum Schutz einheimischer Wildbienen und anderer Insekten beizutragen. Das Freilandmuseum stellt für die Untersuchungen seine Flächen bereit. Wir sind schon sehr gespannt auf die Ergebnisse und freuen uns, Teil dieses zukunftsweisenden Forschungsprojekts zu sein.


Ausgezeichnete Edelbrände: Fünf Medaillen für unsere Obstdestillate bei fränkischer Prämierung

Herbst 2019

Museumsbrenner Michael Weber bei der Verkostung

Alle zwei Jahre zeichnet der Fränkische Klein- und Obstbrennerverband Würzburg e. V. Destillate fränkischer Brenner aus. Bei der diesjährigen Prämierungsfeier im Festsaal des Kreuzklosters Gemünden wurden auch insgesamt fünf Brände des Freilandmuseums Fladungen ausgezeichnet. Neben einer Bronzemedaille durfte Museumsbrenner Michael Weber vier Silbermedaillen für seine Destillate in Empfang nehmen. Prämiert wurden Kern- und Steinobstbrände wie Fränkische Zwetschge, Birne und Obstler, aber auch ein sortenreiner Brand des seit rund 200 Jahren bekannten Apfels rote Sternrenette. Die Jury hob besonders dessen „süße feine Apfelnote“ und „vollreife Frucht“ hervor.

Auf seinem Freigelände erhält das Freilandmuseum Fladungen nicht nur historische Gebäude, sondern bildet auch typische Kulturlandschaften Unterfrankens ab – mit der Verarbeitung von Obst zu Edelbränden tragen auch wir als Museum zum Erhalt der Streuobstwiesen bei. Wie Michael Weber die fast 100 Jahre alte Branntweinbrennerei in der Hofstelle aus Mühlfeld in Betrieb nimmt, können Sie sich in diesem Fernsehbeitrag ansehen.

Das volle Sortiment unserer Obst- und Bierbrände ist im Museumsladen erhältlich. Die frisch prämierten Brände werden ab der Saison 2020 angeboten.


 „Ist ein ungezogener, frecher Bube“: Das „Censurbuch der Schule zu Krausenbach“ aus dem Jahr 1861 ist wieder aufgetaucht

Herbst 2019

Titel-Foto-PatriciaLinsenmeier.JPG

Nur ganz selten wurden sie für die Nachwelt aufbewahrt, die dickleibigen, teilweise ledergebundenen Zensurbücher des 19. Jahrhunderts, in denen der Schulmeister in feinstem Sütterlin auf noch handgeschöpftem Papier die Noten, den Fleiß und das Betragen der Schulkinder festhielt. Groß war deshalb die Überraschung, als im Sommer 2019 der Rektor der Grundschule Dammbach - zu dieser Gemeinde gehört heute das Spessartdorf Krausenbach - im Freilandmuseum Fladungen anrief und und seinen ungewöhnlichen Fund dem Museum zur Verfügung stellte.

Die Eintragungen der Krausenbacher Lehrer beginnen im Jahr 1859, also genau vor 160 Jahren, und enden 1907. Es wurden nur die männlichen Schüler aufgelistet. Über diesen Zeitraum hinweg gibt das fast vierhundertseitige Zensurbuch Auskunft über den damaligen Fächerkanon der sechsklassigen Volksschule. Geteilt in Sommer- und Winterschule wurden der „Schulfleiß“ und der „häusliche Fleiß“ ebenso benotet wie die Fächer Religion, Lesen, Schön- und Rechtschreiben, Rechnen, gemeinnützige Kenntnisse und Gesang. Benotet wurde auch die Häufigkeit des Schulbesuchs. Recht unumwunden brachte der Lehrer unbotmäßiges Betragen seiner Schüler auf den Punkt, etwa mit den Einträgen „war ungezogen, frech u. heimtückisch“ oder „hat Neigung zum Lügen“. Auch das Betragen in der schulfreien Zeit wurde vermerkt. So wurde ein Schüler ermahnt, weil er das örtliche Wirtshaus besucht und in der Öffentlichkeit geraucht hätte.

Das „Censurbuch der Schule zu Krausenbach“ ist eine sozialgeschichtliche Primärquelle ersten Ranges und hilft, den Schulalltag im 19. Jahrhundert in Führungen und weiteren Vermittlungsangeboten des Freilandmuseums zu illustrieren und mit Leben zu erfüllen. Wer einmal selbst erfahren will, wie der Schulalltag vor 1900 ablief, ist herzlich eingeladen, an jedem ersten Samstag im Monat an unserem Unterricht in der Dorfschule teilzunehmen. Diese Schulstunde hinterlässt sicherlich einen bleibenden Eindruck, macht vor allem aber Spaß. Mehr zum Programm

Diese Seite teilen

Museumswebsite gefördert durch:

Landesstelle für die nichtstaatlichen Mussen in Bayern
Bayerische Sparkassenstiftung