Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

mit dem Rhön-Zügle

Unsere Sammlung

Kleine Stücke regionale Geschichte entdecken


Monat für Monat stellen wir hier ein außergewöhnliches Objekt aus unserer Sammlung vor. Im Depot des Freilandmuseums befinden sich viele Objekte, die nicht oder nur selten in Dauer- oder Sonderausstellungen gezeigt werden können. Online können Sie nun eine Auswahl an verborgenen Museumsschätzen und ihre Geschichten entdecken.

Interaktives zum #ObjektDesMonats finden Sie auf unserem Instagram Kanal


Objekt des Monats August: Wandbarometer mit Thermometer

  • Inventarnummer: 12523
  • Herkunft: Familie Storch, Oberbernhards (Lk. Fulda)
  • Messgerät für Luftdruck und Temperatur, 2. Hälfte 19. Jahrhundert
  • Eichenholz, gesägt, gebohrt; Glas, geblasen; Porzellan, beschriftet; Eisen, gebogen
  • 97,5 cm x 8,5 cm x 4,5 cm

Gutes oder schlechtes Wetter? Diese Frage war für die Landwirtschaft seit jeher von großer Bedeutung. Vor der Verbreitung tagesaktueller Wetterprognosen stützte man sich für die Vorhersage vor allem auf die eigenen Beobachtungen und auf Kalender. Bereits im 17. Jahrhundert waren allerdings auch die physikalischen Messgeräte Barometer und Thermometer erfunden worden. Damit war erstmals eine naturwissenschaftlich fundierte Bestimmung des Luftdrucks und der Temperatur möglich. Im 19. Jahrhundert waren Wandbarometer auch in privaten Haushalten zu finden. So auch in der Stube des großen Hofes der Familie Storch aus Oberbernhards (Lk. Fulda), welches sich heute im Fränkischen Freilandmuseum Fladungen befindet.

Als Wandschmuck und Statussymbol, entsprechend dem Zeitgeschmack, präsentiert sich dieses Barometer. Die Funktionselemente sind auf einem Eichenbrett fixiert. Das lange, zylindrische Glasrohr ist u-förmig gekrümmt, am unteren Ende baucht das Quecksilber-Reservoir aus und schließt mit einem engen Hals ab. Am oberen Ende ist eine beschriftete Porzellantafel in das Eichenbrett eingesetzt. Zwei Skalen ermöglichen es den Stand der Quecksilbersäule in Millimeter bzw. Zoll abzulesen und somit den aktuellen Luftdruck zu bestimmen. Daneben finden sich die entsprechenden Wetterbeschreibungen: „Sehr trocken“, „Beständig“, „Schön Wetter“, „Veränderlich“, „Regen Wind“, „Viel Regen“ und „Sturm“. Rechts davon ist ein Zeiger angebracht, der entlang einer Führungsschiene aus Eisen verschiebbar ist. Er dient als Merkhilfe, um Veränderungen des Barometerstands zu erkennen und somit Wetterwechsel besser prognostizieren zu können.

Zusätzlich ist auf dem Eichenbrett ein kleines Thermometer montiert. Der Glasrohrkolben ist mit Quecksilber gefüllt, das je nach Temperatur unterschiedlich weit aufsteigt. Auf einer hinterlegten Porzellanplatte befindet sich in doppelter Ausführung eine Temperatur-Skala von minus 10 bis 40 Grad Réaumur. Die Buchstaben „EP“ stehen für den Eispunkt von Wasser bei 0 Grad Réaumur. Das Barometer ist nicht funktionsfähig, da sich kein Quecksilber mehr im Glaskolben befindet, das Thermometer zeigt hingegen noch immer korrekt die aktuelle Raumtemperatur an.

Die kleine Wetterstation mit Barometer und Thermometer steht beispielhaft für die Verbreitung und Verwendung von Messinstrumenten seit dem 19. Jahrhundert im häuslichen Bereich. Barometer mit giftiger Quecksilberfüllung wurden schon bald von Dosenbarometern, die mit einer Feder arbeiten, abgelöst. Die damaligen Maßeinheiten für Luftdruck und Temperatur stehen im deutlichen Kontrast zu den heute gebräuchlichen. Die 1730 veröffentlichte Temperatur-Skala des französischen Wissenschaftlers René-Antoine Ferchault de Réaumur war bis Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland weit verbreitet. Sie basierte, anders als ähnliche Maßeinheiten ihrer Zeit, auf der Ausdehnung von Ethanol. 1901 wurde sie schließlich als amtliche Skala von Grad Celsius abgelöst, da sie zu ungenau war. In den folgenden Jahrzehnten verlor die Réaumur-Skala rasch an Bedeutung und ist heute nahezu unbekannt.

Trotz seines Alters von mehr als 120 Jahren stand das historische Wandbarometer modernen Digitalmessgeräten in seiner Funktionalität kaum nach. Informationen über Luftdruck, Temperatur und das sich daraus ableitende Wetter sind bis heute täglich relevant und gewinnen im Kontext der globalen Erwärmung noch stärker an Bedeutung.


Objekt des Monats Juli: Filmprojektor 

  • Inventarnummer: 23649
  • Herkunft: Volksschule Stetten (Sondheim v. d. Rhön, Lk. Rhön-Grabfeld)
  • Stummfilmprojektor "Agfa Movector Super 16", für 16 mm Schmalfilm
  • Metallgehäuse, schwarz lackiert; Objektiv (Brennweite 50 mm), Elektromotor (100 V bis 250 V); Lampe (375 W)
  • 35 cm x 21 cm x 16,5 cm (mit eingeklappten Spulenarmen)

 Dieser Filmprojektor mit dem Namen "Movector Super 16" des Herstellers "Agfa Camerawerk München" wurde um 1935 produziert. Sein kompaktes, schwarz-lackiertes Gehäuse ist kastenförmig und wiegt ganze 13 Kilogramm. Der obere Spulenarm, der während des Betriebs die volle Filmspule bzw. die sogenannte Abwickelspule trägt, kann umgeklappt, arretiert und dann als Tragegriff verwendet werden. Der untere Spulenarm nimmt die sogenannte Aufwickelspule auf und ist zu Transportzwecken einklappbar. Verschiedene verchromte Knöpfe, Schalter und Schrauben sind, für eine Vielzahl an Funktionen, in die Seitenflächen des Gehäuses integriert. An drei verschiedenen Stellen lässt sich das Gehäuse öffnen, um Zugriff auf das optische System, den Filmkanal und die elektrische Ausstattung des Projektors zu ermöglichen.

Der Projektor kann mit Gleich- oder Wechselstrom zwischen 110 Volt und 250 Volt betrieben werden und ist für die Verwendung von 16 mm Schmalfilmen mit einer Länge von bis zu 120 Metern ausgelegt. Das Licht der 375-Watt-Lampe wird in einem geradlinigen Strahlengang von einem Hohlspiegel und Kondensor-Linsen gebündelt und fällt dann jeweils für Sekundenbruchteile auf die Bilder des Films. Die Flügelblende deckt dabei regelmäßig den Film ab, um somit eine Reihe von einzelnen Bildern zu erzeugen. Das Objektiv wirft die Bilder schließlich auf die Projektionsfläche. Die Bildgeschwindigkeit ist dabei regulierbar – im Regelfall wurden 16 oder 24 Bilder pro Sekunde abgespielt. Möglich ist allerdings auch die Darstellung von Standbildern und ein langsamer Rückwärtslauf. Bei einem Abstand des Projektors von 5 Metern zur Leinwand ist das dargestellte Bild genau einen Meter breit und etwa 75 Zentimeter hoch. Für die Wiedergabe des Tons, sofern es sich nicht um einen Stummfilm handelt, muss ein zusätzliches Gerät an den "Movector" angeschlossen werden. Gekühlt wird das Innenleben mithilfe eines elektrisch betriebenen Ventilators. Als passgenauer Transport- und Aufbewahrungscontainer für diesen Projektor diente ein speziell gefertigter, verschließbarer Koffer aus Holz und Kunstleder, der sich ebenfalls in der Sammlung des Fränkischen Freilandmuseums Fladungen befindet.

Der Filmprojektor wurde in der Volksschule Stetten (Sondheim v. d. Rhön, Lk. Rhön-Grabfeld) verwendet und ist beispielhaft für die lange Geschichte der Nutzung von Filmen als Unterrichtsmittel. Schon 1920 wurde der "Bayerische Verband zur Förderung des Lichtbildwesens in Unterricht und Erziehung" gegründet, dessen "Bayerische Lichtbildstelle" ab 1921 vom Kultusministerium unterstützt wurde. Eine flächendeckende Verwendung von Filmen als Unterrichtsmaterial wurde allerdings erst durch die Entwicklung und Verbreitung des 16-Millimeter-Schmalfilms um 1928/1929 möglich. In jedem Klassenzimmer konnte fortan ein mobiler Projektor zum Einsatz kommen, sofern die finanziellen Mittel und die benötigte Stromversorgung vorhanden waren. Ab 1934 wurden Schulen von den Landes-, Bezirks- und Kreisbildstellen mit Filmprojektoren und entsprechenden 16-Millimeter-Unterrichtsfilmen ausgestattet, um gezielt die Verwendung von bewegten Bildern als Lernmittel zu fördern. Kompakte und leistungsfähige Filmprojektoren, wie der "Agfa Movector", der "Siemens 2000" oder der "Bauer P6", kamen in den folgenden Jahrzehnten in zahlreichen Schulen zum Einsatz und bereicherten den Unterricht.

Bis Ende der 1980er Jahre stellten 16-Millimeter-Filme einen hohen Prozentsatz des in Schulen verwendeten Medienmaterials dar, bevor sie endgültig von Videokassetten und DVDs verdrängt wurden. Heute ist die Nutzung von bewegten Bildern, dank digitaler Formate und Abspielgeräte, im Lehrbetrieb einfacher als je zuvor. Doch in Zeiten der Pandemie, im Kontext von "home-schooling" und Videokonferenzen, hat möglicherweise die Wertschätzung von analogem und persönlichem Unterricht wieder zugenommen.


Objekt des Monats Juni: Daubenkrug

  • Inventarnummer: 10620
  • Herkunft: Privatbesitz, Bad Neustadt
  • Kirmes-Bierkrug aus Holz
  • Holz, gesägt, geschnitzt, bemalt; Kupfer, gebogen, genietet
  • 30 cm x 18 cm x 15,5 cm

Krüge mit Klappdeckel erfreuten sich bereits in der frühen Neuzeit großer Beliebtheit. In unterschiedlichen Größen und Materialien ausgeführt, wurde aus ihnen in der Regel Bier oder Wein getrunken. Dieser Daubenkrug aus Holz, der etwa eine Maß Bier aufnehmen konnte, war allerdings nicht nur ein Trinkgefäß, sondern vorrangig ein Erinnerungsstück - an eine unterfränkische Kirmes des Jahres 1926.

Die konische Wandung des Kruges besteht, wie bei einem Fass, aus schmalen Dauben, die von vier Kupferreifen zusammengehalten werden. Die unteren beiden Reifen bilden eine Fußzone und rahmen, ebenso wie die oberen Reifen, eine umlaufende Schrift auf grünem Grund. Die Kupferreifen sind teilweise verrutscht und an einer Stelle hat sich die Vernietung gelöst. Dadurch sind kleine Spalten zwischen den Dauben entstanden und die Funktionalität als Trinkgefäß ist somit nicht mehr gegeben. Den runden Deckel ziert ebenfalls ein grüner Rand, mit einem kleinen orangefarbenen Dreieck auf der Vorderseite. Auf der Deckelfläche ist ein unleserlicher, runder Stempel zu erkennen. Der ohrenförmige, gesägte Griff aus Holz bildet zugleich das Scharnier für den Klappdeckel.

Auf dem oberen Schriftband findet sich die Aufschrift „Körmeß [sic!] im Jahre 1926.“ Im Fußbereich steht: „Wo volle Becher und Rosenlippen / Da musst du trinken und nicht bloß nippen“. Die Wandung ist im mittleren Bereich rot-braun grundiert und mit einer farbigen, detaillierten Bemalung versehen: Ein Kirmespaar ist beim dynamischen Tanz mit flatternden Haarbändern und wehendem Rock zu erkennen. An einer Hand halten sie sich fest, der Mann hebt mit der anderen Hand seinen Hut, die Frau hält ihre Schürze. Zu beiden Seiten des Paares sitzt jeweils ein Musiker auf einem Fass. Einer der Musiker spielt eine Ziehharmonika, der andere ein Holzblasinstrument (Klarinette/Schalmei). Alle abgebildeten Personen sind in stilisierte Trachten gekleidet und verweisen auf eine idealisierte, historische Volksfesttradition.

Die Kirmes (auch Kirchweih, Kermes oder Kerwa) war in Unterfranken fast überall eines der wichtigsten Volksfeste und ist es in vielen Dörfern, Märkten und Städten bis heute geblieben. Ursprünglich aus der kirchlichen Feier des Jahrestages der Kirchenweihe hervorgegangen, standen bald vor allem Tanz, Musik, Essen und Trinken im Vordergrund. Große Krüge wurden beispielsweise auch bei den traditionellen Umzügen der Kirmesburschen durch das Dorf getragen. Auf dem "Plan" (dem geputzten und hergerichteten Tanzplatz) tanzte die Kirmesgesellschaft, dazu spielte die Musik. Trachten und alte Musikinstrumente, wie sie auf unserem Daubenkrug abgebildet sind, fand man 1926 in Unterfranken kaum. Schwarze Sonntagsanzüge und Orientierung an städtischer Mode sowie Blechblasinstrumente bestimmten zu dieser Zeit die Kirchweih-Feste in der ländlichen Rhön. Die Darstellung auf dem Krug zeigt eher ein romantisches Idealbild als historische Realität. Bis heute finden sich vergleichbare stereotype Darstellungen ländlicher Festszenen auf Erinnerungsstücken und Andenken.


Objekt des Monats Mai: Amboss

  • Inventarnummer: 34000
  • Herkunft: Eugen Hofmann, Waldberg (Landkreis Rhön-Grabfeld)
  • Schmiedeamboss, süddeutsche Form, Hersteller: Söding & Halbach (Hagen, Nordrhein-Westfalen), Modell Nr. 7
  • Eisen, geschmiedet, gehärtet, geprägt; Stahl
  • 33 cm x 74 cm x 34 cm

Einer der wichtigsten Dorfhandwerker war bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts der Schmied. Er reparierte und stellte Werkzeuge her, beschlug Pferde und Rinder und erledigte zahlreiche weitere Metallarbeiten. Eines seiner wichtigsten Hilfsmittel war der Amboss. Dieser Amboss stand viele Jahre in der Schmiede aus Waldberg (Landkreis Rhön-Grabfeld). 2019 wurde das Gebäude samt Inventar in das Fränkische Freilandmuseum transloziert.

Typologisch handelt es sich um einen (ursprünglich) zweihornigen Amboss in der sogenannten "süddeutschen Form". Der Ambosskörper ruht auf einem massiven Fuß, der durch einen sogenannten "Stauch" erweitert ist. Die abgeflachte Bahn ist aus gehärtetem Stahl gefertigt und mit zwei Löchern versehen. Ein Voramboss schließt an die dem Schmied zugewandte Seite der Bahn an. Nur noch das spitz zulaufende Rundhorn ist erhalten, das rechteckige Horn auf der gegenüberliegenden Seite ist abgebrochen.

Die meisten Schmiedearbeiten wurden auf der Bahn verrichtet, sie weist deshalb zahlreiche Spuren einer langjährigen Nutzung auf. An den Hörnern und auf dem Voramboss konnte der Schmied seine Werkstücke in die gewünschte Form biegen. Für kleinere Rundungen, besondere Formen oder das Abschlagen von Material konnte er Gesenke in das Vierkantloch einsetzen, beispielsweise sogenannte "Hörnchen" und "Abschrote". Das Rundloch in der Bahn kam beim Aufdornen oder Lochen zum Einsatz.

Auf dem Stauch findet sich die Prägung "150 Kg". Diese Gewichtsangabe ist aufgrund des fehlenden Rechteckhorns nicht mehr zutreffend, trotzdem musste der Sockel, auf dem der Amboss in der Schmiede stand, diesem hohen Gewicht standhalten können. Der massive Stammabschnitt, der als Ambossstock diente, ist auf dem Foto, das einen Ausschnitt aus der Werkstatt in situ zeigt, gut zu erkennen.

Auf einer Seite des Ambosskörpers ist an markanter Stelle eine weitere Prägung zu finden, die Aufschluss über Hersteller und Alter gibt: Die Buchstaben S und H, die Jahreszahl 1912 sowie ein Stempel mit dem umlaufenden Text "Vergiss mein nicht". In Kombination mit der Abbildung der entsprechenden Blume sind dies die Markenzeichen der Hagener Firma "Söding & Halbach". Deren hochwertige Ambosse waren seit etwa 1860 entsprechend gekennzeichnet.

Vermutlich kam unser Amboss in den 1930er Jahren in die Schmiede nach Waldberg und fand dort bis in die 1970er Jahre hinein Verwendung. Das rechteckige Horn war möglicherweise bereits vorher abgebrochen. Doch seine Geschichte ist damit nicht zu Ende – am neuen Standort der Schmiede im Museum soll er auch zukünftig zum Einsatz kommen und von so manchem Hammerschlag zum Klingen gebracht werden


Objekt des Monats April: Stations- oder Wartungstagebuch

  • Inventarnummer: 33889
  • Herkunft: Überlandwerk Rhön GmbH, Mellrichstadt
  • Heft mit Einband aus Pappe, linierten Seiten, Bindfaden zum Aufhängen, fadengeheftet, bedruckt und beschrieben
  • 20,5 cm x 17 cm x 0,5 cm

Die Elektrifizierung des ländlichen Raumes in Deutschland begann in den 1920er Jahren. Regionale Energieversorgungsunternehmen wie das Überlandwerk Rhön gründeten sich und bauten ihre Infrastruktur auf. Um Gebiete wie die Rhön mit elektrischer Energie versorgen zu können, war neben den Überlandleitungen ein weit verzweigtes Netz an Umspannstationen erforderlich. Transformatorenhäuschen fanden sich in fast jeder Gemeinde. Sie setzten die zur Fernübertragung notwendige Hoch- bzw. Mittelspannung auf die in Haus, Hof und Gewerbe gebräuchliche Niederspannung herab.

Im Fränkischen Freilandmuseum Fladungen steht seit 2003 ein Transformatorenhaus aus Brunnhartshausen, Landkreis Wartburgkreis, Thüringen. Der gut 10 Meter hohe Turm mit steilem Satteldach wurde 1927 am Ortsrand errichtet und in der Bautradition der Thüringischen Rhön mit Holzschindeln verkleidet. Die Einrichtung mit Transformator, Isolatoren, Schalttafel und Spezialwerkzeugen wurde nachträglich aus Bauteilen verschiedener Stationen rekonstruiert.

Die wichtigen technischen Anlagen wurden von den Betreibern regelmäßig gewartet. Zur Dokumentation benutzte man sogenannte „Stationsbücher“ oder „Wartungstagebücher“ wie das vorliegende Exemplar. Es stammt aus einer Umspannstation zwischen den Ortschaften Braidbach und Rödles in der Gemeinde Bastheim, Landkreis Rhön-Grabfeld. Auf 24 Seiten sind in dem Heft über einen Zeitraum von knapp 27 Jahren (1933 bis 1960) die ausgeführten Arbeiten handschriftlich von verschiedenen Personen vermerkt worden. Zur Routine gehörte das Ablesen des Zählers, die Reinigung der Station, Erdungsmessungen oder Streckenkontrollen der Freilandleitungen. Aber auch besondere Vorkommnisse fanden Eingang. Für den 26. Juni 1934 heißt es: „Gewitterstörung beseitigt, Sicherung eingesetzt.“ Gänseflug sorgte am 15. Oktober 1949 ebenfalls für einen Stromausfall. Aber auch größere Maßnahmen, wie der Ortsnetzumbau durch eine Baukolonne im Oktober 1950 oder der Austausch des Transformators am 27. November 1958, der in nur 40 Minuten vollzogen war, sind so überliefert.

Das Heft zeigt sehr starke Gebrauchsspuren und Verschmutzungen, die auf die widrigen Bedingungen mit Staub und Öl in den Trafohäuschen zurück zu führen sind. Die vier ersten Blätter fehlen, die restlichen Seiten sind an den Rändern teilweise stark eingerissen. Nichtsdestotrotz ist das Stationsbuch ein sammelwürdiges und zugleich hoch interessantes Dokument zur Geschichte der Elektrifizierung in der Region.

Übrigens: Eine Sonderausstellung zur 100-jährigen Geschichte des Überlandwerks Rhön ist in der gesamten Saison 2021 im Freilandmuseum Fladungen zu sehen. Mehr erfahren Sie auf der Seite STROM FÜR DIE RHÖN.


Objekt des Monats März: Kastenratsche

Karfreitagsklapper.jpg
  • Inventarnummer: 23148
  • Herkunft: aus Privatbesitz in Wüstensachsen (Gemeinde Ehrenberg, Landkreis Fulda)
  • Klangkörper/"Lärminstrument" aus Fichten- und Buchenholz geschnitzt, gedrechselt und genagelt
  • 29 cm x 15 cm x 30cm

"Die Glocken sind nach Rom geflogen", so lautete eine der populärsten Begründungen für den Brauch des "Klapperns" oder "Ratschens" zwischen Gründonnerstag und der Osternacht, der sich in manchen Teilen der Rhön bis heute erhalten hat. Anstelle der Kirchenglocken riefen Kinder – lange Zeit vor allem Buben/Ministranten im Alter von 7 bis 14 Jahren – mithilfe einer Vielzahl von "Instrumenten" zum Gottesdienst. Die Bezeichnungen für die Ratschen unterschieden sich oft von Ort zu Ort. Am weitesten verbreitet waren "Klapper" und "Ratsche", aber auch "Rumpel", "Klapperkasten" und "Kärre" ließen in der Rhön ihren charakteristischen Lärm erklingen.

In unserem Fall handelt es sich um eine sogenannte Kastenratsche, die aus Wüstensachsen (Lk. Fulda) stammt. Auf einem Resonanzkörper sind vier Zungen mit einem querliegenden Brettchen am unteren Ende fixiert. An ihrem losen Ende sind die Zungen mit kleinen Hammerköpfen ausgestattet. Von den Zapfen, die auf der zylindrischen Achse angebracht sind, werden die Hämmer in gewissen Abständen angehoben und schlagen dann auf dem Resonanzkörper auf. Die Achse wird durch eine seitliche Kurbel bewegt, womit sich Tempo und Rhythmus des "Klapperns" variieren lassen. Zum Spielen der Ratsche wurde diese entweder auf den Boden gelegt, mit einem Arm vor die Brust geklemmt oder mit einem Schulterriemen vor der Hüfte getragen. Diese Ratsche wurde eine Zeit lang auf letztere Weise verwendet, wie sich an Textilresten am Kastenboden erkennen lässt. Aufgrund der seltenen Nutzung kam es häufig zu Schäden bei der Lagerung. Auf diese Weise könnte auch einer der Zapfen verloren gegangen sein.

Beim "Klappern" liefen die "Klapperbuben" oft von Haus zu Haus und bekamen für das Klappern und das Aufsagen oder Singen von kurzen Reimen und Liedern eine "Entlohnung" in Form von Süßigkeiten, Trockenobst und Eiern. Der Wunsch, die lärmenden Kinder nur möglichst kurz vor der eigenen Haustür zu haben, bot sicher ausreichend Motivation, mit Eiern und Süßigkeiten nicht zu sparsam zu sein. In Corona-Zeiten ist dieser Brauch nur schwer auf traditionelle Weise umzusetzen, im letzten Jahr wurden aber bereits neue Wege gefunden, wie beispielsweise das Distanz-Klappern auf dem eigenen Grundstück oder am Fenster.


Objekt des Monats Februar: Kleegeige

  • Inventarnummer: 30993
  • Herkunft: Privatbesitz, Ostheim v. d. Rhön, Landkreis Rhön-Grabfeld
  • Gerät zum Ausstreuen von Saatgut
  • Buchen- und Kiefernholz, Metallguss, Blech (verzinkt), Garn, Leinen
  • 48 cm x 17 cm x 2,5 cm (Kasten und Streuteller)
  • 80 cm x 3 cm (Bogen), 50 cm (Länge Schulterriemen)

Die Schnur zum Drehen des Streutellers ist intakt, der Stoffriemen zum Tragen über der Schulter ist an einer Seite abgerissen. Der sechszackige Streuteller aus Gussmetall ist an manchen Stellen leicht verbogen.

Vor der flächendeckenden Verbreitung von landwirtschaftlichen Maschinen zur Aussaat wurde Saatgut über Jahrtausende hinweg vor allem mit der Hand auf dem Feld verteilt. Um die Aussaat im Ergebnis gleichmäßiger und effizienter zu gestalten, wurden ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den USA verschiedene Aussathilfen entwickelt. Die sogenannte "Kleegeige" (engl. "seed fiddle") war eines der populärsten Geräte dieser Art.

Auf einer Abbildung aus einem Katalog von 1891 (USA) lässt sich die Funktionsweise einer "Kleegeige" nachvollziehen (hier mit einem Saatbehälter aus Stoff). Das Gerät wurde mit einem Riemen über der Schulter getragen und beim langsamen Voranschreiten wurde der Stock gleichmäßig hin und her bewegt, wodurch das Saatgut in großem Bogen vom Streuteller geschleudert wurde. Das Äußere und die durchgeführte Bewegung ähnelten somit einer Geige, womit sich der Name "Kleegeige" erklären lässt. 

Vor allem zur Aussaat von Kleinsamen wie Klee, Rüben, Gras und Raps wurden "Kleegeigen" verwendet, allerdings konnte auch mineralischer Dünger damit verstreut werden.

Diese "Kleegeige" ist noch relativ gut erhalten. An einer Seite des Saatgutbehälters ist ein Blech-Schild angebracht, auf dem der Name "Mörwald's 'Kleegeige'" zu finden ist. Außerdem sind Angaben zur Aussaatmenge pro Tagwerk (ca. 0,34 Hektar) und ein Verweis auf den Hersteller "Hans Mooshammer - Maschinenbau" aus Trostberg (Lk. Traunstein, Oberbayern) ablesbar. Laut der entsprechenden Angabe wurden bei einer Ausstreubreite von 6 Metern bis zu 11 Pfund Klee pro Tagwerk ausgesät.

Für unebene und schwer zu bestellende Ackerflächen in der Rhön eignete sich diese handliche "Kleegeige" als kostengünstiges Hilfsmittel zur effizienteren Aussaat. Größere Sämaschinen wurden bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Landwirtschaft eingesetzt, waren für viele Kleinbauern allerdings unerschwinglich. Von Hobbygärtner:innen werden auch heute noch Kleinsämaschinen verwendet.


Objekt des Monats Januar: Griffelkästchen

Griffelkästchen
  • Inventarnummern: 33487, 33488
  • Herkunft: Erika Jung, Stetten (Landkreis Rhön-Grabfeld)
  • Behältnisse zum Aufbewahren von Schreibutensilien, Hartholz, mit verschiebbaren Deckeln verschließbar, Schnitzverzierungen, Inhalt: Schreibfedern (Stahl, Messing) und Federhalter

Diese zwei Kästchen sind 23 cm bis 24 cm lang, etwa 6 cm breit und 2,5 cm bzw. 6 cm hoch und aus Hartholz gefertigt. Den beiden Kästchen ist eine umfangreiche Benutzung anzusehen. Auf einem Deckel ist der Name „Erika Jung“ eingeschnitzt und mit geschnitzten Eichenblättern verziert, deren Blattstiele den Namen einrahmen. An einer Seite des Deckels ist eine kleine Stelle abgeflacht, um das Aufschieben zu erleichtern. Der Deckel des anderen Kästchens ist deutlich einfacher gestaltet. Nur zwei schmale Zierrillen und eine runde Griffmulde sind in das Holz geschnitzt. Unter den aufschiebbaren Deckelplatten befinden sich jeweils unterschiedlich große Fächer.

Die Griffelkästchen waren im Besitz von zwei Familiengenerationen. Der Mutter gehörte das schlichtere Kästchen (um 1910), die Tochter bekam ihr mit Namen und Blattmotiv verziertes Kästchen zur Einschulung 1943 in Suhl, wo einigen ihrer Mitschüler:innen ähnliche Kästchen geschenkt wurden. Noch vor dem Bau der Berliner Mauer verließ die Tochter Thüringen und wohnte lange Zeit in Niedersachsen, bis sie schließlich in die Rhön zog. Diese zwei Kästchen hatten somit eine vielgestaltige Geschichte mit drei politischen Systemwechseln hinter sich, bevor sie ihren Weg ins Museum fanden.

Schreiben lernen ist ein zentraler Bestandteil der Schulbildung, die dafür verwendeten Hilfsmittel unterlagen aber vor allem im 20. Jahrhundert einem ständigen Wandel. In diesen zwei Kästchen wurden ursprünglich höchstwahrscheinlich Schiefergriffel aufbewahrt, im Laufe der Schulzeit wurden die Kästchen dann umfunktioniert und dienten nun zur Aufbewahrung von Metallfedern und Federhaltern, wie auch an den zahlreichen Tintenflecken erkennbar wird. In den ersten Schuljahren nutzten die Schüler:innen bis in die 1960er Jahre hinein Schiefergriffel, mit denen auf Schiefertafeln geschrieben wurde. Die Griffel waren billig und das Geschriebene konnte einfach mit einem Schwamm weggewischt werden. Die älteren Schüler:innen verwendeten zum Schreiben auf Papier lange Zeit Stahlfedern mit Federhaltern und Tintenfässchen, bevor sich Füllfederhalter ab den 1950ern langsam durchsetzten. Moderne Füllfederhalter und Kugelschreiber, wie sie heute von vielen verwendet werden, sind praktisch und einfach in der Handhabung. Was die nachhaltige Nutzung von Rohstoffen angeht, waren Griffel und einfache Stahlfedern dem Kugelschreiber und dem Füllfederhalter aber um einiges voraus.


Objekt des Monats Dezember: Eisenbahn-Uniformmantel

Mantel.JPG
  • Inventarnummer: 33537
  • Herkunft: Walter Rücker, Schweinfurt
  • Schwarzer Wollstoff, blau eingefärbter Kragen, 12 Messingknöpfe in 2 parallelen Reihen

Im Winter waren ein warmer Mantel oder eine warme Jacke schon immer etwas Tolles. Ganz besonders dann, wenn man viele Stunden an kalten und windigen Bahngleisen arbeiten musste, wie der ehemalige Besitzer dieses Eisenbahn-Uniformmantels, Walter Rücker (geb. 1911). In Folge des 2. Weltkrieges kam er aus dem heutigen Tschechien ins unterfränkische Lülsfeld und begann am Bahnhof im benachbarten Gerolzhofen für die Deutsche Reichsbahn (später Deutsche Bundesbahn) zu arbeiten. 1951 wurde er an den Bahnhof nach Schweinfurt versetzt und vermutlich um 1960 wurde er mit diesem Mantel ausgestattet. Fast 35 Jahre arbeitete Walter Rücker an unterfränkischen Bahnhöfen. Nach seinem Tod übergab seine Tochter den Mantel an das Freilandmuseum.

In seiner Ausführung ist der Mantel vor allem praktisch. Der schwere, schwarze Wollstoff schützte vor Wind, Kälte und leichtem Regen und wies den Träger eindeutig als Bahn-Beamten aus.  Stilistisch ist er an Militäruniformen des späten 19. Jahrhunderts angelehnt.

Die Abnutzungsspuren am Kragen und den Ärmeln lassen klar erkennen, dass der Mantel regelmäßig getragen wurde. Sein insgesamt guter Erhaltungszustand lässt sich aber nur durch eine gewissenhafte Pflege erklären.

Die Verwendung von Kunststoffen in der Herstellung von funktionaler Arbeitskleidung hat heute die Verwendung von Wolle und Baumwolle hierfür nahezu vollständig verdrängt. So lange wie dieser Mantel getragen wurde, wird heute kaum noch ein Kleidungsstück genutzt und gepflegt.


Objekt des Monats November: Kinder-Skistiefel

Kinder-Skistiefel
  • Inventarnummer: 26730
  • Herkunft: Schuhgeschäft Schäflein, Fladungen
  • Zweifarbiges Leder (rahmengenäht), Ösen und Schnallen aus Metall, Sohle im vorderen Bereich metallverstärkt

Dieses Objekt ist eng mit der jüngsten Geschichte Fladungens verbunden. Es stammt aus dem Bestand des Traditionshauses „Schuhhaus Schäflein“. 1905 gegründet vom Fladunger Sattlermeister Franz Leutbecher, bestand es für mehr als 100 Jahre, bis zur Auflösung im März 2018. In dieser Zeit lag die Geschäftsführung in der Hand von vier Generationen aus Fladungen.

Bei diesen Schuhen handelt es sich um „nagelneue“ und unbenutzte Kinder-Skistiefel der Größe 27 aus den 50er Jahren. Sie sind in ihrer Gestaltung relativ aufwändig und waren bei einem Preis von 54,90 D-Mark keineswegs günstig. Hochwertiges Leder in verschiedenen Brauntönen, gelb-schwarze Schnürsenkel und teilweise gelbe Nähte sind hübsch anzusehen und noch sehr gut erhalten. Die festen Sohlen sind am vorderen Ende mit einer Metallversteifung versehen, um einen festen Halt in der Skibindung zu gewährleisten. Zum selben Zweck findet sich auch in der Sohle an der Ferse eine Kerbe, die das Wegrutschen der hinteren Bindungsteile verhindern sollte.

Skifahren wurde nach dem zweiten Weltkrieg in der Rhön immer populärer. An der Wasserkuppe und am Kreuzberg wurden 1954 bzw. 1958 die ersten Lifte eröffnet und in den folgenden Jahrzehnten kamen noch eine Reihe weiterer Lifte in der Region dazu. Vielleicht erlaubt es die Schneesituation in diesem Winter in der Rhön auf Skiern über den Schnee zu gleiten, die Skisaison in den Alpen steht diesen Winter aufgrund der aktuellen Pandemie allerdings unter keinem guten Stern. Skischuhe sehen heute völlig anders aus als unser „Objekt des Monats“, doch die Freude über einen schönen Tag auf Skiern war vor 70 Jahren vermutlich genauso groß wie heute.


Diese Seite teilen