Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

mit dem Rhön-Zügle

Unsere Sammlung

Regionale Geschichte in Dingen

Das Fränkische Freilandmuseum Fladungen besitzt mit über 40.000 Objekten eine sehr umfangreiche historische Sachgutsammlung der Region. Sie spiegelt im Wesentlichen die Zeit der letzten 200 Jahre wider. In den Depots finden sich Möbel, Hausrat, Haushaltsgegenstände, landwirtschaftliche Geräte, Maschinen, Werkzeuge und vieles mehr. Die Sammlung ist der zentrale Ausgangspunkt unserer Museumsarbeit: Sie ist Wissensspeicher für kommende Generationen und dient der Forschung sowie der musealen Vermittlung. Grundlage bilden die von ICOM und dem Deutschen Museumsbund definierten Standards.


Objekt des Monats - Museumsschätze entdecken

Monat für Monat stellen wir hier ein außergewöhnliches Objekt aus unserer Sammlung vor. Im Depot des Freilandmuseums befinden sich viele Objekte, die nicht oder nur selten in Dauer- oder Sonderausstellungen gezeigt werden können. Online können Sie nun eine Auswahl an verborgenen Museumsschätzen und ihre Geschichten entdecken.

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Weihnachtsbaumschmuck

  • Reflexkugeln, verschiedene Formen, zwischen 1900 – 1960
  •  Inventarnummer: 17365
  • Herkunft: Privatbesitz, Ostheim v. d. Rhön (Lk. Rhön-Grabfeld)
  • Material: Glas, Blech, Papier, Glasstaub
  • Maße: alle Kugeln ca. 7 cm im Durchmesser, maximale Länge 12 cm

In der Winterzeit war es üblich, Haus und Hof mit immergrünen Pflanzen zu verzieren. Weihnachts- oder Christbäume kamen im 15. Jahrhundert in Mode. Damals stellte man ganze Tannen – ohne jeglichen Schmuck – in die Stuben der Häuser. Ein dekorierter Christbaum wird erstmals 1597 in Rechnungsbüchern der elsässischen Reichsstadt Türkheim genannt. Diese „Gabenbäume“ der Ratsherren, Zünfte oder Kaufleute waren mit Papierrosen, Äpfeln, Oblaten und Zuckerwerk geschmückt. In den folgenden Jahrhunderten verbreitete sich die Tradition des Weihnachtsbaumaufstellens weiter in der bürgerlichen Oberschicht und an den europäischen Höfen. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde das Aufstellen eines Tannenbaums, unabhängig von der Konfession, in der Bevölkerung allgemein üblich. Klassischer Baumschmuck waren Figuren aus Papier, aber auch Essbares wie Gebäck, Früchte und Nüsse. Zeitgleich entstand eine Christbaumschmuckindustrie, die neuartigen Baumbehang aus Glas, Papier, Pappe oder Metall produzierte. Die Geschichte des gläsernen Baumschmucks ist fest mit der Stadt Lauscha (Lk. Sonneberg) verbunden. 1848 erfand man dort die ersten Christbaumkugeln der Welt. Die frühen Exemplare waren noch sehr dick, mit Blei verspiegelt, und deutlich schwerer als heutige. Erst durch den technischen Fortschritt in den 1870er Jahren konnten dünnwandige Baumkugeln vor der Lampe geblasen werden. Neben der Produktion in Glashütten stellte man gläsernen Baumschmuck häufig in Heimarbeit her. Bis heute erzeugen viele Lauschaer Werkstätten filigrane Glaskugeln.

Auch diese sechs mundgeblasenen Christbaumkugeln wurden vermutlich im Raum Lauscha zwischen 1900 und 1960 hergestellt. Sie zeigen eine interessante Formenvielfalt: Klassisch als Kugel oder als Zapfen, kombiniert mit tropfenförmigen Elementen. In die dünnwandigen, wieder erwärmten, Glashohlkörper wurden mit Gipsstempeln sogenannte „Reflexe“ eingedrückt. Die geometrischen Formen spiegeln das Kerzenlicht besonders gut und erzeugen so eine festliche Stimmung. Die Innenseiten sind mit Silbernitrat verspiegelt. Anschließend fasste man die Kugeln außen mit Gelatinefarben oder rotem bzw. pinkem Lack. Die eingedrückten Reflexe wurden zusätzlich farbig gehöht. Eine Kugel erhielt zudem eine Beklebung mit Engelsköpfen aus Papieroblaten. Die weiteren Ornamente in Weiß oder Gelb zeigen florale und geometrische Formen. Zwei Kugeln sind außerdem mit weißem Glasstaub dekoriert, der an einen Schneeüberzug erinnern soll.
Der Erhaltungszustand ist trotz des fragilen Materials noch recht gut. Lediglich die verwendete Farbe auf Gelatinebasis zeigt Alterungsspuren und blättert teilweise ab. Außerdem weisen die Verspiegelung sowie die Ösen der Aufhängung Oxidationserscheinungen auf.

Christbaumkugeln werden mittlerweile maschinell in großen Stückzahlen, häufig sogar aus Kunststoff, in vielen Ländern der Welt produziert. Nichtsdestotrotz erfreuen sie sich noch immer großer Popularität und sind ein fester Bestandteil der Weihnachtszeit geworden.

 

Objekt des Monats November: Spielzeugpferd

  • Inventarnummer: 33540
  • Herkunft: Privatbesitz, Bischofsheim (Lk. Rhön-Grabfeld)
  • Spielzeugpferd aus Holz, um 1930
  • Material: Holz, Leder, Rosshaar, Eisen, Textil
  • Maße (gesamte Konstruktion): 92 cm (Höhe) x 42 cm (Breite) x 133 cm (Länge)

„Der Mensch (…) ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ So hatte bereits Friedrich Schiller seine Einschätzung zur existenziellen Bedeutung des Spielens für unsere Entwicklung und unsere Kultur formuliert. Spielzeug hingegen wurde meist auf besondere Weise mit dem Kindesalter verknüpft. Schon in der Antike fanden Puppen aus Naturmaterialien und einfaches Spielzeug aus Ton und Bein den Weg in Kinderhände. Eines der beliebtesten Vorbilder für Spielzeug war über Jahrhunderte hinweg das Pferd, welches sich als Steckenpferd, Rollpferd, Pferdefigur oder Schaukelpferd in zahlreichen Haushalten Europas wiederfand.

Der Körper des schreitenden Pferdes ist aus Holz geschnitzt. Beine und Hals (mitsamt Kopf) sind am Rumpf angesetzt. Die großflächige, weiß-graue Fassung imitiert die Fellfarbe eines sogenannten "Apfelschimmels". Ohren, Nüstern, Zunge und Augen sind farblich abgesetzt und verleihen dem erhobenen Kopf Ausdruck. Mähne und Schweif wurden aus hellem Rosshaar gefertigt. Durch Zaumzeug und Sattel aus Rindsleder ist das Pferd als Reittier charakterisiert. Zwei eiserne Steigbügel, die einst am Sattel befestigt waren, sind als Einzelteile überliefert. Von der urspünglich vorhandenen roten Satteldecke haben sich nur noch spärliche Reste erhalten. Dem Pferd ist deutlich seine langjährige Nutzung anzusehen. So weist die Fassung zahlreiche Gebrauchsspuren auf und die Haare des Schweifs fehlen fast gänzlich.

Die braun gefasste Unterkonstruktion besteht aus zwei Elementen: Auf der länglichen Holzplatte ist das Pferd befestigt, das darunter befindliche Gestell mit geschwungenen Kufen ermöglicht ein Wippen bzw. Schaukeln des Pferdes. Durch das Lösen zweier Schrauben lassen sich diese beiden Elemente voneinander trennen. Möglicherweise konnte so das Pferd von einem Schaukelpferd zu einem Rollpferd umfunktioniert werden - sofern man die hierfür notwendigen Räder zur Hand hatte.

Dieses Spielzeugpferd wurde vermutlich vor dem zweiten Weltkrieg im Raum Bischofsheim hergestellt. Seit 1862 existierte in Bischofsheim eine Schnitzschule, die eine bis heute lebendige Schnitztradition in der Region begründete. Noch immer ist die Gemeinde am Fuß des Kreuzbergs mit der Staatlichen Berufsfachschule für Holzbildhauer ein Ausbildungszentrum für angehende Künstler in Deutschland.

Früher war die Herstellung von geschnitzten Spielsachen, Holzschuhen, später auch Souvenirs, vor allem im Winter, wenn in der Landwirtschaft weniger Arbeit anfiel, eine wichtige Einnahmequelle.

Mehrere Generationen von Kindern hatten bis in die 1970er Jahre mit unserem Pferd gespielt. Die rote Satteldecke hatte allerdings auch der letzte Nutzer und Spender schon nicht mehr gekannt. Die Freude am Spielen war dadurch aber nicht getrübt worden. Heute ist das Angebot an Spielsachen unermesslich und die meisten Produkte haben einen weiten Weg hinter sich, bevor sie bei uns in den Regalen landen. Geblieben ist die Faszination für Pferde in unterschiedlichen Ausführungen, heute meist aus Kunststoff oder Plüsch.


Objekt des Monats Oktober: Grabschmuck

  • Inventarnummer: 32866
  • Herkunft: Privatbesitz, Bad Brückenau
  • Perlkranz, 1. Hälfte 20. Jahrhundert
  • Draht, Glasperlen, Papier, Blech, Glas, Gips, Garn
  • 66 cm x 58 cm x 10 cm

Die Tage um Allerheiligen und Allerseelen sind traditionell dem Gedenken an die Verstorbenen gewidmet. Aus diesem Anlass werden bis heute vielerorts auf den Friedhöfen die Gräber besonders geschmückt. Noch bis in die 1950er Jahre waren als Grabschmuck sogenannte "Perlkränze" besonders beliebt.

Bei unserem Beispiel aus Bad Brückenau (Lk. Bad Kissingen) handelt es sich um ein besonders aufwändig gearbeitetes Objekt, das in Form und Erscheinungsbild an einen geflochtenen und mit Blüten verzierten Korb erinnert. Zentrales Element ist ein ovales Medaillon mit figürlichem Relief und Blumenkranz, geschützt durch eine gewölbte Glasabdeckung. Die Bodenplatte des Medaillons besteht aus einem Stück Blech, abgedeckt mit schwarzer Pappe. Auf diesem "Bildträger" ist eine Passionsdarstellung, der unter dem Kreuz gestürzte Christus, appliziert. Derartige Reliefs aus Gips wurden als Massenware industriell produziert und dann in handgefertigten Einzelstücken wie unserem weiterverarbeitet.

Gerahmt wird das Medaillon von mehreren Lagen kunstvoll geflochtener Drähte. Auf wabenartige Strukturen mit Stabperlen folgen mit kleinen Rundperlen verzierte Bögen sowie ein wellenförmiger Dekor, der sich "laufender Hund" nennt. Oben und unten (vom Bildfeld aus gesehen) veredeln je zwei kunstvolle, üppige Blüten und kleine grüne Blätter den Grabschmuck. Gerade diese farbigen Komponenten machen die Besonderheit des hier vorgestellten Perlkranzes aus.

Grabschmuck in Form von Perlkränzen kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts, von Frankreich ausgehend, in Deutschland in Mode. Produktionszentren befanden sich im südwestdeutschen Raum, in Walldürn (Neckar-Odenwald-Kreis), Hettingen (Lk. Sigmaringen) sowie in Oberreifenberg (Hochtaunuskreis). Die verwendeten Glasperlen kamen meist aus Venedig oder Frankreich. In Heimarbeit wurden dann die verschiedenen Komponenten und Materialien vor allem von Frauen und Kindern zum Endprodukt verarbeitet. Dabei konnte die Fertigung eines Kranzes bis zu 20 Arbeitsstunden erfordern.

Die filigranen Gebilde waren empfindlich, zerbrechlich und teuer. Deshalb ging man vorsichtig und behutsam damit um und legte sie nur zu Beerdigungen und an Totengedenktagen an den Grabstein oder hängte sie an das Grabkreuz. Bei Regen holte man sie oft sofort ins Haus oder brachte sie erst gar nicht zum Friedhof. Konnten sich Angehörige keinen eigenen Kranz leisten, bekamen sie nicht selten von Freunden oder Verwandten ein Exemplar ausgeliehen.

Flächendeckende Verbote der Perlkränze in den 1950er Jahren ließen diese Form des Grabschmucks schließlich von deutschen Friedhöfen verschwinden. 


Objekt des Monats September: Kaffeemaschine Perkolator

  • Inventarnummer: 16787
  • Herkunft: Privatbesitz, Gersfeld (Lk. Fulda)
  • Perkolator "EHA", um 1930
  • Blech, Edelstahl, Aluminium, Glas, Kunststoff
  • 30 cm x 18 cm x 15,5 cm

Wohlschmeckender und wachmachender Kaffee war bis ins 20 Jahrhundert ein Luxusartikel. Seine Wurzeln hat der Kaffeekonsum im arabischen Raum. Seit dem 17. Jahrhundert verbreitete sich die Praxis auch in Europa. Heute ist Kaffee ein Alltagsgetränk, Kaffeekultur findet man inzwischen auf allen Erdteilen. Im Laufe der Zeit wurden verschiedene Zubereitungsmethoden entwickelt, die oft regional und historisch unterschiedliche Verbreitung fanden. Eine im frühen 19. Jahrhundert entwickelte Art der Zubereitung ist das Kochen mithilfe eines sogenannten Perkolators.

Dieser Perkolator der Firma "EHA" zeichnet sich durch einen versilberten Metallkörper aus, der auf drei geschwungen Beinen ruht. Am bauchigen Mittelteil sind zwei Griffe aus Edelstahl und schwarzem Kunststoff montiert. Ein Ablasshahn, aus den gleichen Materialien gefertigt, ist am unteren Ende des Gefäßkörpers angebracht. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich der Stromanschluss für die Heizspirale im geschlossenen Bodensegment. An dessen Unterseite ist das Logo des Herstellers, eine Seriennummer und die benötigte Netzspannung eingeprägt. Im Inneren des Gefäßkörpers ist ein Siebgefäß aus Aluminium eingesetzt, am oberen Ende eines Aluminiumrohrs mit Flachkegelfuß platziert.

In seiner Form entspricht dieser Perkolator dem Stil der 1920er und 1930er Jahre. Bis in die 1960er wurden diese und ähnliche Modelle von verschiedenen Herstellern vertrieben.

Vom lateinischen percolare (bed. durchsickern) lässt sich das Funktionsprinzip des Perkolators ableiten: Wasser sickert kontinuierlich durch das Kaffeepulver hindurch. Das Wasser wird hierzu im unteren Gefäßbereich erhitzt und durch das Aluminiumrohr nach oben gedrückt. Von dort tropft es auf den gemahlenen Kaffee im Siebgefäß herab und vermischt sich anschließend wieder mit dem restlichen Wasser. Diese Zirkulation wird so lange aufrechterhalten, bis der fertige Kaffee die gewünschte Geschmacksintensität erreicht hat. Durch das Glas am Deckel lässt sich dieser Prozess beobachten. Über den Ablasshahn lässt sich der heiße Kaffee schließlich direkt in eine Tasse einschenken.

Der im Perkolator gekochte Kaffee kann schnell bitter werden und enthält dabei eine hohe Menge an Koffein. In Deutschland sind Perkolatoren heute deshalb kaum noch in Gebrauch. In anderen Ländern, wie beispielsweise USA, Großbritannien und Dänemark findet man sie hingegen noch häufiger.

"Echter Bohnenkaffee" wurde in diesem Perkolator allerdings vermutlich selten gekocht. Kaffeebohnen müssen einen weiten Weg nach Europa zurücklegen, weshalb Kaffee lange Zeit für die unteren Einkommensschichten nur selten erschwinglich war. Stattdessen verwendete man bis in die 1960er Jahre regelmäßig Ersatzprodukte. Besonders häufig trank man Zichorie- und Malzkaffee, der teure Bohnenkaffee kam nur bei besonderen Anlässen auf den Tisch oder wurde in kleinen Mengen dem billigeren Surrogat beigemischt.

In der heutigen globalisierten Welt stellen die Transportwege kein logistisches Problem mehr dar. Kaffee unterschiedlichster Qualitäten ist so preisgünstig wie noch nie zuvor. Filtermaschinen, Kaffeeautomaten und große Franchiseunternehmen prägen heute unsere Vorstellung von Kaffeekonsum, doch historische Methoden und Geräte zeigen uns noch immer vielfältige und nachhaltige Alternativen auf.


Objekt des Monats August: Wandbarometer mit Thermometer

  • Inventarnummer: 12523
  • Herkunft: Familie Storch, Oberbernhards (Lk. Fulda)
  • Messgerät für Luftdruck und Temperatur, 2. Hälfte 19. Jahrhundert
  • Eichenholz, gesägt, gebohrt; Glas, geblasen; Porzellan, beschriftet; Eisen, gebogen
  • 97,5 cm x 8,5 cm x 4,5 cm

Gutes oder schlechtes Wetter? Diese Frage war für die Landwirtschaft seit jeher von großer Bedeutung. Vor der Verbreitung tagesaktueller Wetterprognosen stützte man sich für die Vorhersage vor allem auf die eigenen Beobachtungen und auf Kalender. Bereits im 17. Jahrhundert waren allerdings auch die physikalischen Messgeräte Barometer und Thermometer erfunden worden. Damit war erstmals eine naturwissenschaftlich fundierte Bestimmung des Luftdrucks und der Temperatur möglich. Im 19. Jahrhundert waren Wandbarometer auch in privaten Haushalten zu finden. So auch in der Stube des großen Hofes der Familie Storch aus Oberbernhards (Lk. Fulda), welches sich heute im Fränkischen Freilandmuseum Fladungen befindet.

Als Wandschmuck und Statussymbol, entsprechend dem Zeitgeschmack, präsentiert sich dieses Barometer. Die Funktionselemente sind auf einem Eichenbrett fixiert. Das lange, zylindrische Glasrohr ist u-förmig gekrümmt, am unteren Ende baucht das Quecksilber-Reservoir aus und schließt mit einem engen Hals ab. Am oberen Ende ist eine beschriftete Porzellantafel in das Eichenbrett eingesetzt. Zwei Skalen ermöglichen es den Stand der Quecksilbersäule in Millimeter bzw. Zoll abzulesen und somit den aktuellen Luftdruck zu bestimmen. Daneben finden sich die entsprechenden Wetterbeschreibungen: „Sehr trocken“, „Beständig“, „Schön Wetter“, „Veränderlich“, „Regen Wind“, „Viel Regen“ und „Sturm“. Rechts davon ist ein Zeiger angebracht, der entlang einer Führungsschiene aus Eisen verschiebbar ist. Er dient als Merkhilfe, um Veränderungen des Barometerstands zu erkennen und somit Wetterwechsel besser prognostizieren zu können.

Zusätzlich ist auf dem Eichenbrett ein kleines Thermometer montiert. Der Glasrohrkolben ist mit Quecksilber gefüllt, das je nach Temperatur unterschiedlich weit aufsteigt. Auf einer hinterlegten Porzellanplatte befindet sich in doppelter Ausführung eine Temperatur-Skala von minus 10 bis 40 Grad Réaumur. Die Buchstaben „EP“ stehen für den Eispunkt von Wasser bei 0 Grad Réaumur. Das Barometer ist nicht funktionsfähig, da sich kein Quecksilber mehr im Glaskolben befindet, das Thermometer zeigt hingegen noch immer korrekt die aktuelle Raumtemperatur an.

Die kleine Wetterstation mit Barometer und Thermometer steht beispielhaft für die Verbreitung und Verwendung von Messinstrumenten seit dem 19. Jahrhundert im häuslichen Bereich. Barometer mit giftiger Quecksilberfüllung wurden schon bald von Dosenbarometern, die mit einer Feder arbeiten, abgelöst. Die damaligen Maßeinheiten für Luftdruck und Temperatur stehen im deutlichen Kontrast zu den heute gebräuchlichen. Die 1730 veröffentlichte Temperatur-Skala des französischen Wissenschaftlers René-Antoine Ferchault de Réaumur war bis Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland weit verbreitet. Sie basierte, anders als ähnliche Maßeinheiten ihrer Zeit, auf der Ausdehnung von Ethanol. 1901 wurde sie schließlich als amtliche Skala von Grad Celsius abgelöst, da sie zu ungenau war. In den folgenden Jahrzehnten verlor die Réaumur-Skala rasch an Bedeutung und ist heute nahezu unbekannt.

Trotz seines Alters von mehr als 120 Jahren stand das historische Wandbarometer modernen Digitalmessgeräten in seiner Funktionalität kaum nach. Informationen über Luftdruck, Temperatur und das sich daraus ableitende Wetter sind bis heute täglich relevant und gewinnen im Kontext der globalen Erwärmung noch stärker an Bedeutung.


Objekt des Monats Juli: Filmprojektor 

  • Inventarnummer: 23649
  • Herkunft: Volksschule Stetten (Sondheim v. d. Rhön, Lk. Rhön-Grabfeld)
  • Stummfilmprojektor "Agfa Movector Super 16", für 16 mm Schmalfilm
  • Metallgehäuse, schwarz lackiert; Objektiv (Brennweite 50 mm), Elektromotor (100 V bis 250 V); Lampe (375 W)
  • 35 cm x 21 cm x 16,5 cm (mit eingeklappten Spulenarmen)

 Dieser Filmprojektor mit dem Namen "Movector Super 16" des Herstellers "Agfa Camerawerk München" wurde um 1935 produziert. Sein kompaktes, schwarz-lackiertes Gehäuse ist kastenförmig und wiegt ganze 13 Kilogramm. Der obere Spulenarm, der während des Betriebs die volle Filmspule bzw. die sogenannte Abwickelspule trägt, kann umgeklappt, arretiert und dann als Tragegriff verwendet werden. Der untere Spulenarm nimmt die sogenannte Aufwickelspule auf und ist zu Transportzwecken einklappbar. Verschiedene verchromte Knöpfe, Schalter und Schrauben sind, für eine Vielzahl an Funktionen, in die Seitenflächen des Gehäuses integriert. An drei verschiedenen Stellen lässt sich das Gehäuse öffnen, um Zugriff auf das optische System, den Filmkanal und die elektrische Ausstattung des Projektors zu ermöglichen.

Der Projektor kann mit Gleich- oder Wechselstrom zwischen 110 Volt und 250 Volt betrieben werden und ist für die Verwendung von 16 mm Schmalfilmen mit einer Länge von bis zu 120 Metern ausgelegt. Das Licht der 375-Watt-Lampe wird in einem geradlinigen Strahlengang von einem Hohlspiegel und Kondensor-Linsen gebündelt und fällt dann jeweils für Sekundenbruchteile auf die Bilder des Films. Die Flügelblende deckt dabei regelmäßig den Film ab, um somit eine Reihe von einzelnen Bildern zu erzeugen. Das Objektiv wirft die Bilder schließlich auf die Projektionsfläche. Die Bildgeschwindigkeit ist dabei regulierbar – im Regelfall wurden 16 oder 24 Bilder pro Sekunde abgespielt. Möglich ist allerdings auch die Darstellung von Standbildern und ein langsamer Rückwärtslauf. Bei einem Abstand des Projektors von 5 Metern zur Leinwand ist das dargestellte Bild genau einen Meter breit und etwa 75 Zentimeter hoch. Für die Wiedergabe des Tons, sofern es sich nicht um einen Stummfilm handelt, muss ein zusätzliches Gerät an den "Movector" angeschlossen werden. Gekühlt wird das Innenleben mithilfe eines elektrisch betriebenen Ventilators. Als passgenauer Transport- und Aufbewahrungscontainer für diesen Projektor diente ein speziell gefertigter, verschließbarer Koffer aus Holz und Kunstleder, der sich ebenfalls in der Sammlung des Fränkischen Freilandmuseums Fladungen befindet.

Der Filmprojektor wurde in der Volksschule Stetten (Sondheim v. d. Rhön, Lk. Rhön-Grabfeld) verwendet und ist beispielhaft für die lange Geschichte der Nutzung von Filmen als Unterrichtsmittel. Schon 1920 wurde der "Bayerische Verband zur Förderung des Lichtbildwesens in Unterricht und Erziehung" gegründet, dessen "Bayerische Lichtbildstelle" ab 1921 vom Kultusministerium unterstützt wurde. Eine flächendeckende Verwendung von Filmen als Unterrichtsmaterial wurde allerdings erst durch die Entwicklung und Verbreitung des 16-Millimeter-Schmalfilms um 1928/1929 möglich. In jedem Klassenzimmer konnte fortan ein mobiler Projektor zum Einsatz kommen, sofern die finanziellen Mittel und die benötigte Stromversorgung vorhanden waren. Ab 1934 wurden Schulen von den Landes-, Bezirks- und Kreisbildstellen mit Filmprojektoren und entsprechenden 16-Millimeter-Unterrichtsfilmen ausgestattet, um gezielt die Verwendung von bewegten Bildern als Lernmittel zu fördern. Kompakte und leistungsfähige Filmprojektoren, wie der "Agfa Movector", der "Siemens 2000" oder der "Bauer P6", kamen in den folgenden Jahrzehnten in zahlreichen Schulen zum Einsatz und bereicherten den Unterricht.

Bis Ende der 1980er Jahre stellten 16-Millimeter-Filme einen hohen Prozentsatz des in Schulen verwendeten Medienmaterials dar, bevor sie endgültig von Videokassetten und DVDs verdrängt wurden. Heute ist die Nutzung von bewegten Bildern, dank digitaler Formate und Abspielgeräte, im Lehrbetrieb einfacher als je zuvor. Doch in Zeiten der Pandemie, im Kontext von "home-schooling" und Videokonferenzen, hat möglicherweise die Wertschätzung von analogem und persönlichem Unterricht wieder zugenommen.


Objekt des Monats Juni: Daubenkrug

  • Inventarnummer: 10620
  • Herkunft: Privatbesitz, Bad Neustadt
  • Kirmes-Bierkrug aus Holz
  • Holz, gesägt, geschnitzt, bemalt; Kupfer, gebogen, genietet
  • 30 cm x 18 cm x 15,5 cm

Krüge mit Klappdeckel erfreuten sich bereits in der frühen Neuzeit großer Beliebtheit. In unterschiedlichen Größen und Materialien ausgeführt, wurde aus ihnen in der Regel Bier oder Wein getrunken. Dieser Daubenkrug aus Holz, der etwa eine Maß Bier aufnehmen konnte, war allerdings nicht nur ein Trinkgefäß, sondern vorrangig ein Erinnerungsstück - an eine unterfränkische Kirmes des Jahres 1926.

Die konische Wandung des Kruges besteht, wie bei einem Fass, aus schmalen Dauben, die von vier Kupferreifen zusammengehalten werden. Die unteren beiden Reifen bilden eine Fußzone und rahmen, ebenso wie die oberen Reifen, eine umlaufende Schrift auf grünem Grund. Die Kupferreifen sind teilweise verrutscht und an einer Stelle hat sich die Vernietung gelöst. Dadurch sind kleine Spalten zwischen den Dauben entstanden und die Funktionalität als Trinkgefäß ist somit nicht mehr gegeben. Den runden Deckel ziert ebenfalls ein grüner Rand, mit einem kleinen orangefarbenen Dreieck auf der Vorderseite. Auf der Deckelfläche ist ein unleserlicher, runder Stempel zu erkennen. Der ohrenförmige, gesägte Griff aus Holz bildet zugleich das Scharnier für den Klappdeckel.

Auf dem oberen Schriftband findet sich die Aufschrift „Körmeß [sic!] im Jahre 1926.“ Im Fußbereich steht: „Wo volle Becher und Rosenlippen / Da musst du trinken und nicht bloß nippen“. Die Wandung ist im mittleren Bereich rot-braun grundiert und mit einer farbigen, detaillierten Bemalung versehen: Ein Kirmespaar ist beim dynamischen Tanz mit flatternden Haarbändern und wehendem Rock zu erkennen. An einer Hand halten sie sich fest, der Mann hebt mit der anderen Hand seinen Hut, die Frau hält ihre Schürze. Zu beiden Seiten des Paares sitzt jeweils ein Musiker auf einem Fass. Einer der Musiker spielt eine Ziehharmonika, der andere ein Holzblasinstrument (Klarinette/Schalmei). Alle abgebildeten Personen sind in stilisierte Trachten gekleidet und verweisen auf eine idealisierte, historische Volksfesttradition.

Die Kirmes (auch Kirchweih, Kermes oder Kerwa) war in Unterfranken fast überall eines der wichtigsten Volksfeste und ist es in vielen Dörfern, Märkten und Städten bis heute geblieben. Ursprünglich aus der kirchlichen Feier des Jahrestages der Kirchenweihe hervorgegangen, standen bald vor allem Tanz, Musik, Essen und Trinken im Vordergrund. Große Krüge wurden beispielsweise auch bei den traditionellen Umzügen der Kirmesburschen durch das Dorf getragen. Auf dem "Plan" (dem geputzten und hergerichteten Tanzplatz) tanzte die Kirmesgesellschaft, dazu spielte die Musik. Trachten und alte Musikinstrumente, wie sie auf unserem Daubenkrug abgebildet sind, fand man 1926 in Unterfranken kaum. Schwarze Sonntagsanzüge und Orientierung an städtischer Mode sowie Blechblasinstrumente bestimmten zu dieser Zeit die Kirchweih-Feste in der ländlichen Rhön. Die Darstellung auf dem Krug zeigt eher ein romantisches Idealbild als historische Realität. Bis heute finden sich vergleichbare stereotype Darstellungen ländlicher Festszenen auf Erinnerungsstücken und Andenken.


Objekt des Monats Mai: Amboss

  • Inventarnummer: 34000
  • Herkunft: Eugen Hofmann, Waldberg (Landkreis Rhön-Grabfeld)
  • Schmiedeamboss, süddeutsche Form, Hersteller: Söding & Halbach (Hagen, Nordrhein-Westfalen), Modell Nr. 7
  • Eisen, geschmiedet, gehärtet, geprägt; Stahl
  • 33 cm x 74 cm x 34 cm

Einer der wichtigsten Dorfhandwerker war bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts der Schmied. Er reparierte und stellte Werkzeuge her, beschlug Pferde und Rinder und erledigte zahlreiche weitere Metallarbeiten. Eines seiner wichtigsten Hilfsmittel war der Amboss. Dieser Amboss stand viele Jahre in der Schmiede aus Waldberg (Landkreis Rhön-Grabfeld). 2019 wurde das Gebäude samt Inventar in das Fränkische Freilandmuseum transloziert.

Typologisch handelt es sich um einen (ursprünglich) zweihornigen Amboss in der sogenannten "süddeutschen Form". Der Ambosskörper ruht auf einem massiven Fuß, der durch einen sogenannten "Stauch" erweitert ist. Die abgeflachte Bahn ist aus gehärtetem Stahl gefertigt und mit zwei Löchern versehen. Ein Voramboss schließt an die dem Schmied zugewandte Seite der Bahn an. Nur noch das spitz zulaufende Rundhorn ist erhalten, das rechteckige Horn auf der gegenüberliegenden Seite ist abgebrochen.

Die meisten Schmiedearbeiten wurden auf der Bahn verrichtet, sie weist deshalb zahlreiche Spuren einer langjährigen Nutzung auf. An den Hörnern und auf dem Voramboss konnte der Schmied seine Werkstücke in die gewünschte Form biegen. Für kleinere Rundungen, besondere Formen oder das Abschlagen von Material konnte er Gesenke in das Vierkantloch einsetzen, beispielsweise sogenannte "Hörnchen" und "Abschrote". Das Rundloch in der Bahn kam beim Aufdornen oder Lochen zum Einsatz.

Auf dem Stauch findet sich die Prägung "150 Kg". Diese Gewichtsangabe ist aufgrund des fehlenden Rechteckhorns nicht mehr zutreffend, trotzdem musste der Sockel, auf dem der Amboss in der Schmiede stand, diesem hohen Gewicht standhalten können. Der massive Stammabschnitt, der als Ambossstock diente, ist auf dem Foto, das einen Ausschnitt aus der Werkstatt in situ zeigt, gut zu erkennen.

Auf einer Seite des Ambosskörpers ist an markanter Stelle eine weitere Prägung zu finden, die Aufschluss über Hersteller und Alter gibt: Die Buchstaben S und H, die Jahreszahl 1912 sowie ein Stempel mit dem umlaufenden Text "Vergiss mein nicht". In Kombination mit der Abbildung der entsprechenden Blume sind dies die Markenzeichen der Hagener Firma "Söding & Halbach". Deren hochwertige Ambosse waren seit etwa 1860 entsprechend gekennzeichnet.

Vermutlich kam unser Amboss in den 1930er Jahren in die Schmiede nach Waldberg und fand dort bis in die 1970er Jahre hinein Verwendung. Das rechteckige Horn war möglicherweise bereits vorher abgebrochen. Doch seine Geschichte ist damit nicht zu Ende – am neuen Standort der Schmiede im Museum soll er auch zukünftig zum Einsatz kommen und von so manchem Hammerschlag zum Klingen gebracht werden


Objekt des Monats April: Stations- oder Wartungstagebuch

  • Inventarnummer: 33889
  • Herkunft: Überlandwerk Rhön GmbH, Mellrichstadt
  • Heft mit Einband aus Pappe, linierten Seiten, Bindfaden zum Aufhängen, fadengeheftet, bedruckt und beschrieben
  • 20,5 cm x 17 cm x 0,5 cm

Die Elektrifizierung des ländlichen Raumes in Deutschland begann in den 1920er Jahren. Regionale Energieversorgungsunternehmen wie das Überlandwerk Rhön gründeten sich und bauten ihre Infrastruktur auf. Um Gebiete wie die Rhön mit elektrischer Energie versorgen zu können, war neben den Überlandleitungen ein weit verzweigtes Netz an Umspannstationen erforderlich. Transformatorenhäuschen fanden sich in fast jeder Gemeinde. Sie setzten die zur Fernübertragung notwendige Hoch- bzw. Mittelspannung auf die in Haus, Hof und Gewerbe gebräuchliche Niederspannung herab.

Im Fränkischen Freilandmuseum Fladungen steht seit 2003 ein Transformatorenhaus aus Brunnhartshausen, Landkreis Wartburgkreis, Thüringen. Der gut 10 Meter hohe Turm mit steilem Satteldach wurde 1927 am Ortsrand errichtet und in der Bautradition der Thüringischen Rhön mit Holzschindeln verkleidet. Die Einrichtung mit Transformator, Isolatoren, Schalttafel und Spezialwerkzeugen wurde nachträglich aus Bauteilen verschiedener Stationen rekonstruiert.

Die wichtigen technischen Anlagen wurden von den Betreibern regelmäßig gewartet. Zur Dokumentation benutzte man sogenannte "Stationsbücher" oder "Wartungstagebücher" wie das vorliegende Exemplar. Es stammt aus einer Umspannstation zwischen den Ortschaften Braidbach und Rödles in der Gemeinde Bastheim, Landkreis Rhön-Grabfeld. Auf 24 Seiten sind in dem Heft über einen Zeitraum von knapp 27 Jahren (1933 bis 1960) die ausgeführten Arbeiten handschriftlich von verschiedenen Personen vermerkt worden. Zur Routine gehörte das Ablesen des Zählers, die Reinigung der Station, Erdungsmessungen oder Streckenkontrollen der Freilandleitungen. Aber auch besondere Vorkommnisse fanden Eingang. Für den 26. Juni 1934 heißt es: "Gewitterstörung beseitigt, Sicherung eingesetzt." Gänseflug sorgte am 15. Oktober 1949 ebenfalls für einen Stromausfall. Aber auch größere Maßnahmen, wie der Ortsnetzumbau durch eine Baukolonne im Oktober 1950 oder der Austausch des Transformators am 27. November 1958, der in nur 40 Minuten vollzogen war, sind so überliefert.

Das Heft zeigt sehr starke Gebrauchsspuren und Verschmutzungen, die auf die widrigen Bedingungen mit Staub und Öl in den Trafohäuschen zurück zu führen sind. Die vier ersten Blätter fehlen, die restlichen Seiten sind an den Rändern teilweise stark eingerissen. Nichtsdestotrotz ist das Stationsbuch ein sammelwürdiges und zugleich hoch interessantes Dokument zur Geschichte der Elektrifizierung in der Region.

Übrigens: Eine Sonderausstellung zur 100-jährigen Geschichte des Überlandwerks Rhön ist in der gesamten Saison 2021 im Freilandmuseum Fladungen zu sehen. Mehr erfahren Sie auf der Seite STROM FÜR DIE RHÖN.


Objekt des Monats März: Kastenratsche

  • Inventarnummer: 23148
  • Herkunft: aus Privatbesitz in Wüstensachsen (Gemeinde Ehrenberg, Landkreis Fulda)
  • Klangkörper/"Lärminstrument" aus Fichten- und Buchenholz geschnitzt, gedrechselt und genagelt
  • 29 cm x 15 cm x 30cm

"Die Glocken sind nach Rom geflogen", so lautete eine der populärsten Begründungen für den Brauch des "Klapperns" oder "Ratschens" zwischen Gründonnerstag und der Osternacht, der sich in manchen Teilen der Rhön bis heute erhalten hat. Anstelle der Kirchenglocken riefen Kinder – lange Zeit vor allem Buben/Ministranten im Alter von 7 bis 14 Jahren – mithilfe einer Vielzahl von "Instrumenten" zum Gottesdienst. Die Bezeichnungen für die Ratschen unterschieden sich oft von Ort zu Ort. Am weitesten verbreitet waren "Klapper" und "Ratsche", aber auch "Rumpel", "Klapperkasten" und "Kärre" ließen in der Rhön ihren charakteristischen Lärm erklingen.

In unserem Fall handelt es sich um eine sogenannte Kastenratsche, die aus Wüstensachsen (Lk. Fulda) stammt. Auf einem Resonanzkörper sind vier Zungen mit einem querliegenden Brettchen am unteren Ende fixiert. An ihrem losen Ende sind die Zungen mit kleinen Hammerköpfen ausgestattet. Von den Zapfen, die auf der zylindrischen Achse angebracht sind, werden die Hämmer in gewissen Abständen angehoben und schlagen dann auf dem Resonanzkörper auf. Die Achse wird durch eine seitliche Kurbel bewegt, womit sich Tempo und Rhythmus des "Klapperns" variieren lassen. Zum Spielen der Ratsche wurde diese entweder auf den Boden gelegt, mit einem Arm vor die Brust geklemmt oder mit einem Schulterriemen vor der Hüfte getragen. Diese Ratsche wurde eine Zeit lang auf letztere Weise verwendet, wie sich an Textilresten am Kastenboden erkennen lässt. Aufgrund der seltenen Nutzung kam es häufig zu Schäden bei der Lagerung. Auf diese Weise könnte auch einer der Zapfen verloren gegangen sein.

Beim "Klappern" liefen die "Klapperbuben" oft von Haus zu Haus und bekamen für das Klappern und das Aufsagen oder Singen von kurzen Reimen und Liedern eine "Entlohnung" in Form von Süßigkeiten, Trockenobst und Eiern. Der Wunsch, die lärmenden Kinder nur möglichst kurz vor der eigenen Haustür zu haben, bot sicher ausreichend Motivation, mit Eiern und Süßigkeiten nicht zu sparsam zu sein. In Corona-Zeiten ist dieser Brauch nur schwer auf traditionelle Weise umzusetzen, im letzten Jahr wurden aber bereits neue Wege gefunden, wie beispielsweise das Distanz-Klappern auf dem eigenen Grundstück oder am Fenster.


Objekt des Monats Februar: Kleegeige

  • Inventarnummer: 30993
  • Herkunft: Privatbesitz, Ostheim v. d. Rhön, Landkreis Rhön-Grabfeld
  • Gerät zum Ausstreuen von Saatgut
  • Buchen- und Kiefernholz, Metallguss, Blech (verzinkt), Garn, Leinen
  • 48 cm x 17 cm x 2,5 cm (Kasten und Streuteller)
  • 80 cm x 3 cm (Bogen), 50 cm (Länge Schulterriemen)

Die Schnur zum Drehen des Streutellers ist intakt, der Stoffriemen zum Tragen über der Schulter ist an einer Seite abgerissen. Der sechszackige Streuteller aus Gussmetall ist an manchen Stellen leicht verbogen.

Vor der flächendeckenden Verbreitung von landwirtschaftlichen Maschinen zur Aussaat wurde Saatgut über Jahrtausende hinweg vor allem mit der Hand auf dem Feld verteilt. Um die Aussaat im Ergebnis gleichmäßiger und effizienter zu gestalten, wurden ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den USA verschiedene Aussathilfen entwickelt. Die sogenannte "Kleegeige" (engl. "seed fiddle") war eines der populärsten Geräte dieser Art.

Auf einer Abbildung aus einem Katalog von 1891 (USA) lässt sich die Funktionsweise einer "Kleegeige" nachvollziehen (hier mit einem Saatbehälter aus Stoff). Das Gerät wurde mit einem Riemen über der Schulter getragen und beim langsamen Voranschreiten wurde der Stock gleichmäßig hin und her bewegt, wodurch das Saatgut in großem Bogen vom Streuteller geschleudert wurde. Das Äußere und die durchgeführte Bewegung ähnelten somit einer Geige, womit sich der Name "Kleegeige" erklären lässt. 

Vor allem zur Aussaat von Kleinsamen wie Klee, Rüben, Gras und Raps wurden "Kleegeigen" verwendet, allerdings konnte auch mineralischer Dünger damit verstreut werden.

Diese "Kleegeige" ist noch relativ gut erhalten. An einer Seite des Saatgutbehälters ist ein Blech-Schild angebracht, auf dem der Name "Mörwald's 'Kleegeige'" zu finden ist. Außerdem sind Angaben zur Aussaatmenge pro Tagwerk (ca. 0,34 Hektar) und ein Verweis auf den Hersteller "Hans Mooshammer - Maschinenbau" aus Trostberg (Lk. Traunstein, Oberbayern) ablesbar. Laut der entsprechenden Angabe wurden bei einer Ausstreubreite von 6 Metern bis zu 11 Pfund Klee pro Tagwerk ausgesät.

Für unebene und schwer zu bestellende Ackerflächen in der Rhön eignete sich diese handliche "Kleegeige" als kostengünstiges Hilfsmittel zur effizienteren Aussaat. Größere Sämaschinen wurden bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Landwirtschaft eingesetzt, waren für viele Kleinbauern allerdings unerschwinglich. Von Hobbygärtner:innen werden auch heute noch Kleinsämaschinen verwendet.


Objekt des Monats Januar: Griffelkästchen

  • Inventarnummern: 33487, 33488
  • Herkunft: Erika Jung, Stetten (Landkreis Rhön-Grabfeld)
  • Behältnisse zum Aufbewahren von Schreibutensilien, Hartholz, mit verschiebbaren Deckeln verschließbar, Schnitzverzierungen, Inhalt: Schreibfedern (Stahl, Messing) und Federhalter

Diese zwei Kästchen sind 23 cm bis 24 cm lang, etwa 6 cm breit und 2,5 cm bzw. 6 cm hoch und aus Hartholz gefertigt. Den beiden Kästchen ist eine umfangreiche Benutzung anzusehen. Auf einem Deckel ist der Name „Erika Jung“ eingeschnitzt und mit geschnitzten Eichenblättern verziert, deren Blattstiele den Namen einrahmen. An einer Seite des Deckels ist eine kleine Stelle abgeflacht, um das Aufschieben zu erleichtern. Der Deckel des anderen Kästchens ist deutlich einfacher gestaltet. Nur zwei schmale Zierrillen und eine runde Griffmulde sind in das Holz geschnitzt. Unter den aufschiebbaren Deckelplatten befinden sich jeweils unterschiedlich große Fächer.

Die Griffelkästchen waren im Besitz von zwei Familiengenerationen. Der Mutter gehörte das schlichtere Kästchen (um 1910), die Tochter bekam ihr mit Namen und Blattmotiv verziertes Kästchen zur Einschulung 1943 in Suhl, wo einigen ihrer Mitschüler:innen ähnliche Kästchen geschenkt wurden. Noch vor dem Bau der Berliner Mauer verließ die Tochter Thüringen und wohnte lange Zeit in Niedersachsen, bis sie schließlich in die Rhön zog. Diese zwei Kästchen hatten somit eine vielgestaltige Geschichte mit drei politischen Systemwechseln hinter sich, bevor sie ihren Weg ins Museum fanden.

Schreiben lernen ist ein zentraler Bestandteil der Schulbildung, die dafür verwendeten Hilfsmittel unterlagen aber vor allem im 20. Jahrhundert einem ständigen Wandel. In diesen zwei Kästchen wurden ursprünglich höchstwahrscheinlich Schiefergriffel aufbewahrt, im Laufe der Schulzeit wurden die Kästchen dann umfunktioniert und dienten nun zur Aufbewahrung von Metallfedern und Federhaltern, wie auch an den zahlreichen Tintenflecken erkennbar wird. In den ersten Schuljahren nutzten die Schüler:innen bis in die 1960er Jahre hinein Schiefergriffel, mit denen auf Schiefertafeln geschrieben wurde. Die Griffel waren billig und das Geschriebene konnte einfach mit einem Schwamm weggewischt werden. Die älteren Schüler:innen verwendeten zum Schreiben auf Papier lange Zeit Stahlfedern mit Federhaltern und Tintenfässchen, bevor sich Füllfederhalter ab den 1950ern langsam durchsetzten. Moderne Füllfederhalter und Kugelschreiber, wie sie heute von vielen verwendet werden, sind praktisch und einfach in der Handhabung. Was die nachhaltige Nutzung von Rohstoffen angeht, waren Griffel und einfache Stahlfedern dem Kugelschreiber und dem Füllfederhalter aber um einiges voraus.


Objekt des Monats Dezember: Eisenbahn-Uniformmantel

  • Inventarnummer: 33537
  • Herkunft: Walter Rücker, Schweinfurt
  • Schwarzer Wollstoff, blau eingefärbter Kragen, 12 Messingknöpfe in 2 parallelen Reihen

Im Winter waren ein warmer Mantel oder eine warme Jacke schon immer etwas Tolles. Ganz besonders dann, wenn man viele Stunden an kalten und windigen Bahngleisen arbeiten musste, wie der ehemalige Besitzer dieses Eisenbahn-Uniformmantels, Walter Rücker (geb. 1911). In Folge des 2. Weltkrieges kam er aus dem heutigen Tschechien ins unterfränkische Lülsfeld und begann am Bahnhof im benachbarten Gerolzhofen für die Deutsche Reichsbahn (später Deutsche Bundesbahn) zu arbeiten. 1951 wurde er an den Bahnhof nach Schweinfurt versetzt und vermutlich um 1960 wurde er mit diesem Mantel ausgestattet. Fast 35 Jahre arbeitete Walter Rücker an unterfränkischen Bahnhöfen. Nach seinem Tod übergab seine Tochter den Mantel an das Freilandmuseum.

In seiner Ausführung ist der Mantel vor allem praktisch. Der schwere, schwarze Wollstoff schützte vor Wind, Kälte und leichtem Regen und wies den Träger eindeutig als Bahn-Beamten aus.  Stilistisch ist er an Militäruniformen des späten 19. Jahrhunderts angelehnt.

Die Abnutzungsspuren am Kragen und den Ärmeln lassen klar erkennen, dass der Mantel regelmäßig getragen wurde. Sein insgesamt guter Erhaltungszustand lässt sich aber nur durch eine gewissenhafte Pflege erklären.

Die Verwendung von Kunststoffen in der Herstellung von funktionaler Arbeitskleidung hat heute die Verwendung von Wolle und Baumwolle hierfür nahezu vollständig verdrängt. So lange wie dieser Mantel getragen wurde, wird heute kaum noch ein Kleidungsstück genutzt und gepflegt.


Objekt des Monats November: Kinder-Skistiefel

  • Inventarnummer: 26730
  • Herkunft: Schuhgeschäft Schäflein, Fladungen
  • Zweifarbiges Leder (rahmengenäht), Ösen und Schnallen aus Metall, Sohle im vorderen Bereich metallverstärkt

Dieses Objekt ist eng mit der jüngsten Geschichte Fladungens verbunden. Es stammt aus dem Bestand des Traditionshauses „Schuhhaus Schäflein“. 1905 gegründet vom Fladunger Sattlermeister Franz Leutbecher, bestand es für mehr als 100 Jahre, bis zur Auflösung im März 2018. In dieser Zeit lag die Geschäftsführung in der Hand von vier Generationen aus Fladungen.

Bei diesen Schuhen handelt es sich um „nagelneue“ und unbenutzte Kinder-Skistiefel der Größe 27 aus den 50er Jahren. Sie sind in ihrer Gestaltung relativ aufwändig und waren bei einem Preis von 54,90 D-Mark keineswegs günstig. Hochwertiges Leder in verschiedenen Brauntönen, gelb-schwarze Schnürsenkel und teilweise gelbe Nähte sind hübsch anzusehen und noch sehr gut erhalten. Die festen Sohlen sind am vorderen Ende mit einer Metallversteifung versehen, um einen festen Halt in der Skibindung zu gewährleisten. Zum selben Zweck findet sich auch in der Sohle an der Ferse eine Kerbe, die das Wegrutschen der hinteren Bindungsteile verhindern sollte.

Skifahren wurde nach dem zweiten Weltkrieg in der Rhön immer populärer. An der Wasserkuppe und am Kreuzberg wurden 1954 bzw. 1958 die ersten Lifte eröffnet und in den folgenden Jahrzehnten kamen noch eine Reihe weiterer Lifte in der Region dazu. Vielleicht erlaubt es die Schneesituation in diesem Winter in der Rhön auf Skiern über den Schnee zu gleiten, die Skisaison in den Alpen steht diesen Winter aufgrund der aktuellen Pandemie allerdings unter keinem guten Stern. Skischuhe sehen heute völlig anders aus als unser „Objekt des Monats“, doch die Freude über einen schönen Tag auf Skiern war vor 70 Jahren vermutlich genauso groß wie heute.