Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

mit dem Rhön-Zügle

Unsere Sammlung

Regionale Geschichte in Dingen

Das Fränkische Freilandmuseum Fladungen besitzt mit über 40.000 Objekten eine sehr umfangreiche historische Sachgutsammlung der Region. Sie spiegelt im Wesentlichen die Zeit der letzten 200 Jahre wider. In den Depots finden sich Möbel, Hausrat, Haushaltsgegenstände, landwirtschaftliche Geräte, Maschinen, Werkzeuge und vieles mehr. Die Sammlung ist der zentrale Ausgangspunkt unserer Museumsarbeit: Sie ist Wissensspeicher für kommende Generationen und dient der Forschung sowie der musealen Vermittlung. Grundlage bilden die von ICOM und dem Deutschen Museumsbund definierten Standards.


Objekt des Monats - Museumsschätze entdecken

Monat für Monat stellen wir hier ein außergewöhnliches Objekt aus unserer Sammlung vor. Im Depot des Freilandmuseums befinden sich viele Objekte, die nicht oder nur selten in Dauer- oder Sonderausstellungen gezeigt werden können. Online können Sie nun eine Auswahl an verborgenen Museumsschätzen und ihre Geschichten entdecken.


Objekt des Monats November: Tisch-Petroleumlampe

  • Inventarnummer: 35132
  • Petroleumlampe, zwischen 1880 und 1900
  • Herkunft: Landkreis Main-Spessart
  • Material: Zinkguss, Messing, Glas, Baumwolle; gegossen, formgeblasen, gewebt
  • Maße: 52,5 cm (Höhe maximal) x 25 cm (Durchmesser maximal)

Mit der Uhrumstellung am letzten Oktoberwochenende wird es uns wieder besonders bewusst: Die Tage werden bis zur Wintersonnenwende am 21. Dezember deutlich kürzer. Im Durchschnitt ist es nur noch gut acht Stunden täglich hell. Doch heutzutage ist die Dunkelheit für uns überhaupt kein Problem. Wir knipsen einfach den Lichtschalter an und schon sind Zimmer und Räume erleuchtet.

Doch das war vor gut 100 Jahren noch grundlegend anders. Welche Beleuchtungsmöglichkeiten hatten die Menschen in der Rhön vor der Einführung der Elektrizität? Eine Antwort darauf gibt unser neues Objekt des Monats: eine Tisch-Petroleumlampe. Sie kam 2021 in die Museumsbestände und stammt von einem Arzt aus dem Altlandkreis Marktheidenfeld.

Die repräsentative Lampe im Zeitgeschmack des ausgehenden 19. Jahrhunderts besteht aus einem Metallfuß gefertigt aus Zinkguss mit Kupferüberzug, einem eingesetzten Brenner, einem Glaszylinder und einem Milchglasschirm. Vom Typus erinnert das Lampenunterteil an einen Kelch, wie er auch in der Kirche für die Liturgie Verwendung findet. Der ausladende Fuß mit runder Grundfläche zeigt florale Zierelemente, es folgt ein kurzer Schaft, der mittig deutlich gewulstet ist. Darauf ruht die sogenannte „Kuppa“, die an den Außenseiten die floralen Motive des Fußes aufgreift und hier an einen Schmetterling in der Formensprache des Jugendstils erinnert. Darin eingesetzt ist ein gläserner Vorratsbehälter für den Brennstoff, auf den der eigentliche Brenner mit einem Gewinde aufgeschraubt ist. Am Rand des Behälters finden sich noch unleserliche Beschriftungsspuren in schwarzer Tinte, die wohl Hinweise auf den Ölstand oder dessen Zusammensetzung gaben. Insgesamt ist die Lampe gut erhalten, die Metalloberflächen sind teilweise stärker berieben und oxidiert.

Das Herzstück der Lampe bildet ein sogenannter „Kosmosbrenner“, ein von der Berliner Firma Wild & Wessel entwickelter Rundbrenner. Er verfügt seitlich über ein Dochtrad mit einem Zahnradmechanismus. Es sorgt dafür, dass der Docht höhenverstellbar ist und nach dem Abbrennen nachgeschoben werden kann. Ein auf dem Brenner sitzender schmaler abnehmbarer Glaszylinder reguliert die Luftzufuhr. Interessanterweise befindet sich auf dem Kosmosbrenner ein für ihn untypischer „Matador-Zylinder“. Dieser zeichnete sich durch einen „Bauch“ am unteren Ende aus. Wahrscheinlich wurde das originale Glas später einmal ersetzt. Auf dem mit drei Armen am Brenner befestigten Schirmreif ruht ein großer Lampenschirm aus weißem Milchglas, der am oberen Ende konvex gewölbt ist. Er dimmt das grelle Petroleumlicht und sorgt für eine angenehme Lichtstimmung im Raum.

Die Erfindung der Petroleumlampe war ein Meilenstein in der Geschichte der Beleuchtungsmittel. Öl- und Talglichter, die mit pflanzlichen Ölen oder tierischen Fetten befüllt waren, gelten als die ältesten Lichtquellen. Diese rußten allerdings sehr stark und verbreiteten einen strengen Geruch. Kostengünstig selbst herzustellen, insbesondere in waldreichen Regionen, waren Kienspäne aus harzhaltigem Holz. Nachteilig war das sehr schnelle Abbrennen der Späne und die hohe Brandgefahr, die von herabfallender Glut ausging. Kerzen aus Bienenwachs waren Luxusprodukte und vor allem der Kirche vorbehalten. Anfang des 19. Jahrhundert entdeckten Chemiker dann Stearin und Paraffin, zwei neue Rohstoffe zur Massenproduktion von Kerzen. Mit den Fortschritten der Erdöldestillation zur Mitte des 19. Jahrhunderts und den vorausgegangenen Erfindungen des Lampenzylinders, des Runddochts sowie des Rundbrenners war die Neuentwicklung der Petroleumlampe schließlich möglich. Sie verdrängte ab 1856 in Deutschland, Europa und den USA kontinuierlich Kerzen und Öllampen aus den Stuben. Das raffinierte Öl roch nur wenig und die neue Lampe entwickelte eine hohe Leuchtkraft. Erstmals war der Betrieb einer Lichtquelle von bis zu 20 Stunden ohne Unterbrechung möglich.

Mit der Weiterentwicklung der Kohlenfadenlampe durch Thomas Alvar Edison zum Ende der 1870er Jahre begann letztlich das Zeitalter des elektrischen Lichts. Doch um 1900 war vor allem im ländlichen Raum noch nicht an Glühlampen zu denken. Viele Dörfer der Rhön erhielten erst ab den 1920er Jahren durch das Überlandwerk einen Stromanschluss. Bis dahin bewährten sich Petroleumlampen – egal ob als Laterne, Tisch- oder Deckenlampe.

Nach der Elektrifizierung verschwanden sie bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs allerdings fast gänzlich aus den Haushalten. Ein Beispiel dafür, wie eine lange gebräuchliche Technik durch eine Innovation dauerhaft verdrängt wurde. Das gleiche Schicksal ereilte in den letzten Jahren auch die Glühfadenlampe, die mittlerweile fast vollständig von LEDs abgelöst wurde.


Objekt des Monats Oktober: Dechentreiter Dreschmaschine, Modell JD 51

  • Inventarnummer: 7522
  • mobiler Dreschkasten, um 1950
  • Herkunft: Rhön-Grabfeld
  • Material: Holz, Eisen; gegossen, gesägt, geschraubt
  • Maße: 3,8 m (Länge) x 2,3 m (Breite) x 2,3 m (Höhe)

Fortschrittlich, modern und geradezu revolutionär wirkten Dreschmaschinen auf die bäuerliche Bevölkerung seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie vereinfachten den arbeitsintensiven Handdrusch nach der Getreideernte enorm. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren geschätzt 650.000 solcher Maschinen in Deutschland im Einsatz.

Exemplarisch für den Höhepunkt dieser Maschinengattung steht die Dechentreiter, Modell „JD 51“ aus der Sammlung des Fränkischen Freilandmuseums Fladungen.

Josef Dechentreiter gründete 1912 eine Maschinenfabrik in Asbach-Bäumenheim bei Donauwörth, die sich speziell auf Dreschapparate konzentrierte. Die Firma stellte beispielsweise 1922 die erste elektrisch angetriebene Maschine dieser Art vor.
Das Fladunger Exponat ist ein mobiler, d.h. fahrbarer Dreschkasten, der in den 1950er Jahren gebaut wurde. Im Holzgehäuse sind verschiedene Arbeitsschritte vereint. Die getrockneten Garben werden oben eingelegt und gelangen in das „Herz“ der Maschine, eine Trommel, die vom sogenannten „Dreschkorb“ umschlossen ist. Der Zylinder mit Schlagleisten rotiert während des Betriebs mit hoher Drehzahl. Er schlägt die Körner aus den Ähren heraus, diese fallen durch den Dreschkorb. Das Stroh gelangt auf einen Schüttler, der es zum Auswurf transportiert. Im Anschluss trennt die Maschine mit Hilfe einer aufwändigen Reinigungstechnik durch weitere Schüttler, Siebe und eine Windreinigung die Spreu, Steine, Sand und Unkräuter vom eigentlichen Getreidekorn. Die Dechentreiter erreichte so eine Körnerleistung von beachtlichen 550 bis 750 kg in der Stunde. Der Kraftbedarf lag bei fünf bis sechs PS. Besonders in der kleinbäuerlich geprägten Rhön kamen bis zum Ende der 1950er Jahre wegen der einfachen Betriebsbedingungen viele dieser Maschinen zum Einsatz.

Der Getreidedrusch war ursprünglich ein langwieriger und mühsamer Prozess. Mit Dreschflegeln oder -stöcken ausgerüstet, arbeitete eine ganze Bauernfamilie, einschließlich Mägden und Knechten, von Oktober bis zum Mai des Folgejahres daran Stroh, Spreu und Körner manuell zu trennen.

Die Erfindungen der Schlagleistendreschmaschine 1786 und des Stiftendreschers 1831 reduzierten den hohen Arbeits- und Personenaufwand erstmals. Diese frühen Dreschapparate lösten aber nur das Korn aus der Ähre. Stroh, Spreu, Unkrautsaaten und Getreidekörner fielen ungetrennt aus der Maschine. Das bedeutete weiterhin eine enorme Nacharbeit. Um die Reinigungs- und Sortierarbeiten zusätzlich zu vereinfachen, ergänzte man die Dreschmaschinen mit den zeitgleich erfolgten Innovationen aus der Mühlentechnik, wie dem Trieur, Gebläsen, Siebkästen aber auch Strohschüttlern.
So entwickelte sich aus einer einfachen händisch betriebenen Maschine ein technisch komplexer Dreschkasten, der nun aber eine weitaus höhere Antriebsleistung erforderte. Die populärste Kraftquelle waren seit den 1860er Jahren Göpel, die von Pferden oder Rindern angetrieben wurden. Doch bereits ein Jahrzehnt später lösten bewegliche Dampfmaschinen, sogenannte „Lokomobile“, den tierischen Antrieb ab. Doch Lokomobile waren sehr teuer. Nur Eigentümer wirtschaftlich erfolgreicher Höfe konnten sich solch eine Motorisierung leisten. Im kleinbäuerlichen Bereich bildeten sich entweder Gemeinschaften, die zusammen eine Dreschgarnitur aus Maschine und Kraftantrieb erwarben und im Anschluss nacheinander das Getreide ausdroschen. Oder ein Lohndruschunternehmen übernahm die Getreidebearbeitung. Diese zogen mit ihren mobilen Dreschkolonnen und Arbeitern in den Herbstmonaten über das Land und konnten von den Landwirten „angemietet“ werden.

Mit der zunehmenden Elektrifizierung auf dem Land setzte sich seit den 1930er Jahren der elektrische Kraftantrieb in der Landwirtschaft allgemein durch. Somit stellte auch der Betrieb größerer und leistungsstärkerer Dreschwägen kein Hindernis mehr dar. In der Folgezeit stiegen die Absatzzahlen von Dreschmaschinen stark an. Apparate in allen Größen und Leistungsklassen waren verfügbar. Firmen wie Dechentreiter, Ködel & Böhm oder Lanz profitierten von dieser Entwicklung.
Doch schon seit den 1930er Jahren erfolgte die Integration eines weiteren Arbeitsschrittes – nämlich der Ernte – in die Dreschmaschine.
Der zunächst noch von einem Schlepper gezogene Mähdrescher sollte ab den 1950er Jahren als Selbstfahrer die Dreschwägen endgültig verdrängen.
Die zugrunde liegende Technik des Schlagleistendreschers blieb jedoch identisch.

Viele historische Dreschkästen sind aufgrund der enormen produzierten Stückzahlen erhalten geblieben und auch heute noch betriebsfähig. So auch die Fladunger Dechenreiter, die jedes Jahr zum Drusch der eigenen Museumsgetreideernte zum Einsatz kommt. Ihr charakteristisches Betriebsgeräusch, ein Summen und Brummen, je nachdem wie viele Garben eingeworfen werden, zieht die Besucher magisch in ihren Bann.


Objekt des Monats September: Schultüten aus Gaubüttelbrunn

  • Inventarnummer: 7424, 7434
  • Schultüten, auch „Zuckertüten“ genannt, 1960er Jahre
  • Herkunft: Privatbesitz, Gaubüttelbrunn (Lkr. Würzburg)
  • Material: Karton, Papier; bedruckt, geprägt
  • Maße: 59 cm (Länge)x 17 cm (Durchmesser maximal)

Für viele ABC-Schützen beginnt bald der „Ernst des Lebens“: Die Schule startet und damit auch ein neuer Lebensabschnitt. Doch so ernst ist die Schulzeit meist gar nicht. Im Gegenteil, sie weckt die Begeisterung am Lernen, Wissbegierde und jungen Entdeckergeist. Häufig überwiegt die Freude über die Einschulung, denn endlich ist man kein Kindergartenkind mehr, sondern gehört zu den Großen und lernt lesen, schreiben und rechnen.

Vor allem die Vorfreude auf eine Sache ist besonders groß: die Schultüte. Im besten Fall ist sie größer als der Erstklässler und randgefüllt mit leckeren Süßigkeiten, neuen Spielzeugen, aber auch praktischen Dingen, wie Mäppchen, Stifte und Lineal. Dazu glitzernd und bunt verziert mit Prinzessinnen, Feen, Pferden oder Rittern, Piraten und Autos. 

Passend zum Schulanfang in Bayern sind deshalb zwei Zuckertüten unser Objekt des Monats September. Sie bestehen aus einem kegelförmig aufgerollten rot- bzw. blaugrundigem Glanzkarton, der zusätzlich mit einem weißen rautenförmigen Muster bedruckt ist.  Der obere Rand und die Kegelspitze sind zusätzlich mit goldenem Prägepapier beklebt. Mittig ziert ein Glanzbild jede Tüte. Es zeigt jeweils einen Jungen und ein Mädchen auf einer Bank sitzend. Die beiden Kinder schauen in ein Bilderbuch oder in eine Landschaft. Diese naiv wirkenden Kindermotive waren seit den 1930er Jahren auf Oblaten sehr beliebt. Die Innenseiten der Zuckertüten sind bis zur Hälfte mit gelbem Krepppapier versehen, das über das Tütenende hinaussteht und mit einem Band verschlossen werden kann. So ist der Inhalt nicht sofort zu erkennen.

Die präsentierten Zuckertüten entstanden in den 1960er Jahren. Die Kegelrohlinge wurden industriell gefertigt. Kleine Ungenauigkeiten beim Ausschneiden und Kleben der Bilder und Papiere deuten darauf hin, dass sie später eventuell in Heimarbeit fertiggestellt wurden. Zum Verkauf standen sie letztlich in einem Lebensmittelgeschäft in Gaubüttelbrunn (Lkr. Würzburg). Nach der Schließung und Auflösung des Ladens kamen die beiden Schultüten 1994 zusammen mit weiteren Exemplaren in die Fladunger Museumsbestände.

Der Brauch, eine Schultüte zum Schulanfang zu überreichen, ist noch relativ jung. Früheste Belege einer „Zuggodühde“, also einer Zuckertüte, datieren ins ausgehende 18. und frühe 19. Jahrhundert. Von Sachsen und Thüringen aus verbreitete sich der Brauch allmählich. Zunächst beschenkten reiche Eltern des gehobenen städtischen Bürgertums ihre Kinder mit Schultüten, besonders in den protestantisch geprägten Regionen Deutschlands. Das Präsent verdeutlichte die Wertschätzung des Schulbesuchs und war somit auch ein Statussymbol. Mit dem Beginn der industriellen Schultütenproduktion zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Sachsen erfasste der Brauch immer mehr deutsche Regionen. Trotzdem erhielt auf dem Land, bis in die 1960er Jahre, nicht jedes Kind eine Zuckertüte. Dort wurde der Schulbesuch teilweise immer noch als überflüssig angesehen, weswegen ihn die Eltern auch nicht honorierten. Statt zur Schule zu gehen mussten die Kinder in der Regel bei den anfallenden Arbeiten auf Hof und Acker mithelfen. Und für manche Familien war eine Schultüte schlichtweg zu teuer.

Auch der Inhalt der Zuckertüte unterschied sich vom heutigen. Wie der Name vermuten lässt, waren auch damals süße Leckereien darin verpackt. Aber anstelle von Schokolade und Bonbons enthielt sie Kekse, Gebäck, Konfekt, Obst oder sogar Gemüse. Besonders nach den beiden Weltkriegen waren die Schultüten oft nur spärlich bestückt. Um mehr Fülle vorzutäuschen, stopften die Eltern den unteren Teil mit Holzwolle, Zeitungspapier oder Kartoffeln aus. Heute sind Schultüten in ganz Deutschland untrennbar mit der Einschulung verbunden.

 Wir wünschen allen ABC-Schützen einen guten Schulstart, viel Freude am Lernen und natürlich eine prall gefüllte Zuckertüte!


Objekt des Monats August: Muschelschalen aus der Schmiede Waldberg

  • Inventarnummer: 34371
  • Muschelschalen, Verwendungszeit 1930-1950er Jahre
  • Herkunft: Privatbesitz, Waldberg (Lkr. Bad Kissingen)
  • Material: Kalzit; Pappe
  • Maße: Muscheln Muschelschalen verschiedene Größen, Pappkarton 32 cm (Länge) x 25,5 cm (Breite) x 9,5 cm (Höhe)

Dem letzten Objekt des Monats Juli folgt nun „Schlag auf Schlag“ das für den August. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn es sind Muschelschalen aus einer Schmiede. Genauer gesagt, aus der Schmiede aus Waldberg, die am 28. August 2022 als neues Exponatgebäude im Fränkischen Freilandmuseum Fladungen eröffnet wurde.

Der Schmied, Eugen Hofmann, wurde 1901 als Sohn eines Schneiders in Reichmannshausen (Lkr. Schweinfurt) geboren. 1918 legte er nach dreijähriger Lehre bei einem Meister in Schweinfurt die Gesellenprüfung zum Schmied mit „gutem Erfolg“ ab. Während seiner Ausbildung lernte er die Herstellung von Hufeisen und Werkzeugen sowie die Durchführung von Reparaturen und Arbeitsschritten im Wagenbau. Auch kunstgewerbliche Arbeiten, wie die Anfertigung eines Leuchters und Zierstäben für Zäune, gehörten dazu. Nach der Lehre verließ Hofmann seine unterfränkische Heimat und arbeitete als Geselle in verschiedenen Betrieben, ehe er im Rhein-Main-Gebiet zunächst als Maschinist für Dreschkolonnen und später auch als Chauffeur tätig war.

Im September 1930 übersiedelte Eugen Hofmann nach Waldberg. Im damals schmiedelosen Ort nahm er seine Arbeit zunächst ohne feste Werkstatt auf. Er erledigte alle anfallenden Arbeiten der Landbevölkerung: Er schärfte Pickel und Pflugscharen, reparierte Geräte und Maschinen, zudem beschlug er das Vieh. Gut ein halbes Jahr später erwarb er das Anwesen der Tagelöhnereheleute Max und Antonia Schuster. Die Hofstelle bestand aus einem Wohnhaus mit kleinem Stall, einem landwirtschaftlichen Nebengebäude, einem Hofraum, einem Garten und Gemüsegarten. 1934 baute Eugen Hofmann das vorhandene Nebengebäude schließlich zur eigenen Schmiedewerkstatt um.

Schon in den 1930er Jahren erweiterte er sein berufliches Repertoire um Spengler- und Installationsarbeiten. Er führte nun auch die Verlegung von Wasserleitungen sowie die Einrichtung von ganzen Badezimmern aus. Nebenbei handelte er außerdem mit Landmaschinen und kümmerte sich um deren Reparatur und Wartung.

 45 Jahre nach Eugen Hofmanns Tod ist seine Schmiede nun ein Museumsgebäude. Bereits im Herbst 2019 fand der Abbau in Waldberg statt. Bei der Bergung des vollständigen Inventars  stießen die Museumsmitarbeiter unter anderem auf unser Objekt des Monats: Eine Pappkiste mit 34 Miesmuschel- und 51 Austernschalen sowie fünf Schneckenhäusern. Wozu Eugen Hofmann die Muscheln in der Schmiede verwendete, ist nicht abschließend geklärt. Muschelschalen bestehen aus Kalzit, auch Calciumcarbonat CaCo3 genannt, allgemein als Kalk bekannt. Wie etwa auch Quarzsand oder andere chemische Hilfsmittel könnten zerkleinerte Schalen in Verbindung mit Zunder und Holzkohlestaub als Flussmittel beim Feuerschweißen verwendet worden sein. Ohne eine solche Zugabe würde die Oberfläche des zu verschweißenden Materials bei großer Hitze zu stark ausgebrannt werden. Auch bei Ausbesserungen von Rissen und Brüchen an der Esse könnten Muschelschalen eventuell hilfreich gewesen sein, nämlich in Form einer „Spachtelmasse“.

 Ob die Muschelschalen letztlich aber wirklich in Zusammenhang mit Eugen Hofmanns Schmiedearbeit stehen oder ob sie nur ein schönes Souvenir eines Strandurlaubs sind, bleibt bislang ungeklärt.

 Habt Ihr eine Idee, wozu die Muscheln beim Schmieden gedient haben könnten oder in welchem Verwendungszusammenhang sie mit dem Schmiedehandwerk stehen? Schreibt uns gerne eine Mail bzw. eine DM bei Facebook oder Instagram. Wir freuen uns auf Eure Hinweise!


Objekt des Monats Juli: Dienstfahrrad der Deutschen Bundesbahn

  • Inventarnummer: 35131
  • Dienstfahrrad, Präsentationszeit 1950er Jahre, Produktion vor 1945
  • Herkunft: Privatbesitz, Urspringen (Lk. Rhön-Grabfeld)
  • Material: Eisen, Gummi, Leder; geschweißt, lackiert, verchromt
  • Maße: 109 cm (Höhe) x 40 cm (Breite) x 192 cm (Tiefe)

Egal ob E-Bike, Roller oder Lastenfahrrad - Zweiräder erfreuen sich heute großer Beliebtheit. 1817 stellte der badische Forstbeamte Karl von Drais seine „Laufmaschine“ vor, den Vorgänger unserer heutigen Fahrräder mit Pedalantrieb. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich das Fahrrad zum ersten Massenverkehrsmittel aller Bevölkerungsschichten.

In den Beständen des Fränkischen Freilandmuseums Fladungen befindet sich ein außergewöhnliches Zweirad: Ein Dienstfahrrad der Deutschen Bundesbahn aus der Bahnmeisterei Mellrichstadt. Es gelangte im Jahr 2015 über einen eisenbahnbegeisterten Sammler aus der Region in die Museumsbestände.

Hersteller war die bekannte Nürnberger Firma „Hercules“, wie eine an der Frontseite des Steuerrohrs angebrachte Plakette verrät. Die Firma wurde 1886 vom jüdischen Unternehmer Carl Marschütz gegründet. Marschütz begeisterte sich schon als junger Mann für das damals neue „Veloziped“. Sein Unternehmen wuchs im ausgehenden 19. Jahrhundert rasant und produzierte im Jahr 1896 bereits 6.500 Fahrräder. 1905 bewarb die – nun als „Nürnberger Fahrradwerke Hercules“ firmierende – Fabrik Transporträder in verschiedenen Ausführungen, darunter auch Krankenbahren und Ambulanzwagen. Um ein solches Spezialfahrrad handelt es sich auch bei diesem Dienstrad der Deutschen Bundesbahn, das vor 1945 produziert wurde. Diese Vermutung stützt die hintere Radnabe. Es handelt sich um eine sogenannte „Torpedo-Nabe“ des Schweinfurter Wälzlagerproduzenten Fichtel & Sachs. Diese ist mit einem sogenannten Jubiläumsstempel auf der Nabenhülse gemarkt; er besagt: „Jubiläum 50 Millionen 1904-1940“ und bezieht sich auf die hergestellten Stückzahlen der Nabe. Der Stempel war von 1941 bis 1943 und 1945 in Verwendung.

Der massive schwere Eisenrahmen ist schwarz lackiert. Der eingesetzte Lenker ist nach oben und zugleich nach hinten gebogen. Er erinnert an ein Hollandrad. Zwei schwarz-weiß marmorierte Gummischutzgriffe überziehen die Rohrenden. Interessant ist die verchromte Klingel, deren Schlägel leider fehlt. Sie stammt laut umlaufender Bezeichnung von der dänischen Firma „J. P. Pedersen Ugerløse Tlf. Aarby 193“. Wobei die Abkürzung „Tlf.“ für Telefon steht, d. h. der einstige Anschluss Nummer 193 in der Ortschaft Årby bei Kalundborg auf der dänischen Insel Seeland. Die einfache Bremse wirkt direkt auf das Vorderrad. Mittels eines Bremshebels wird ein Gummiklotz direkt auf die Lauffläche des Reifens gedrückt. Dieser Bremsentyp heißt deshalb auch „Stempel-“ oder „Klotzbremse“. Zusätzlich besitzt das Rad auch eine Rücktrittbremse. Für einen gewissen Komfort sorgte der braune Ledersattel mit zwei verchromten Federn und dem Herstellerschild „Rappold“. Das Fahrrad ist außerdem mit Beleuchtung ausgestattet: Der große Frontscheinwerfer trägt das Markenzeichen „Impex“ der Süddeutschen Metallwerke GmbH in Walldorf/Baden. Die rote Rückleuchte ist zusätzlich mit einem Reflektor ausgerüstet. Der zur Stromerzeugung notwendige Dynamo fehlt jedoch. Zur besseren Sichtbarkeit in der Dunkelheit besitzen die beiden Pedale nachleuchtende gelbe bzw. weiße Reflektoren. Der robuste Gepäckträger, der zusätzlich mit einer Flügelschraube am Rahmen fixiert ist, ermöglichte die Mitnahme von Lasten oder Werkzeug. 

Mit der Bahnreform 1994 wurde die Infrastruktur in der Fläche zunehmend zurück gebaut. Bahnhöfe, Güteranlagen und Werkstätten geschlossen. 1995 wurde die Bahnmeisterei in Mellrichstadt geräumt, dabei fand man im dortigen Keller das besondere Zweirad.

Bahnmeister, auch Bahnaufseher oder Oberbahnwärter genannt, waren Bedienstete der Eisenbahn, die für die technische Überwachung der Strecke und der Bahnanlagen in ihrem Bezirk zuständig waren. Sie führten entsprechende Unterhaltsarbeiten am Oberbau mit Schienen und Schwellen aus. Die Inspektionsarbeiten konnten je nach Ausstattung der jeweiligen Bahnmeisterei mit einer Draisine, motorisierten Fahrzeugen, zu Fuß, dazu gab es den eigenen Beruf des „Streckengehers“, oder auch mit dem Fahrrad bewerkstelligt werden. Bedauerlicherweise ist nicht überliefert, wer das Mellrichstädter Dienstrad zuletzt verwendete.

Seit 2016 steht das Zweirad in der Präsentation zur Geschichte der Streutalbahn im Erdgeschoss des Bahnhofsgebäudes Fladungen. Dort kann das interessante Exponat der regionalen Verkehrsgeschichte während der Öffnungszeiten der Museumsverwaltung besichtigt werden.


Objekt des Monats Juni: Eisschrank

  • Inventarnummer: 23456
  • Eisschrank zur Lebensmittelkühlung, um 1930
  • Herkunft: Region Rhön-Grabfeld
  • Material: Holz, Zinkblech, Eisen (verchromt)
  • Maße: 84 cm (Höhe) x 42 cm (Breite) x 40 cm (Tiefe) 

Endlich Sommer! Gerade an heißen Tagen ist ein Kühlschrank in der eigenen Küche sehr praktisch. So lassen sich Lebensmittel lange aufbewahren und erfrischende Getränke bereithalten. Bevor elektrische Kompressor-Kühlschränke die privaten Haushalte in Deutschland eroberten, gab es bereits Vorgänger, die ohne Strom auskamen. Seit den 1870er Jahren waren sogenannte „Eisschränke“ essentielle Küchenmöbel zur Aufbewahrung von leichtverderblichen Lebensmitteln, wie Milchprodukten oder Fleisch. Blöcke oder Stangen aus Eis sorgten für die notwendige Kälte. Aufgrund ihres Preises waren solche Geräte vorerst wohlhabenden bürgerlichen oder adeligen Familien vorbehalten, kamen aber bereits zahlreich in der Gastronomie als Schank- und Zapfanlagen zum Einsatz. Einen solchen Eisschrank aus den 1930er Jahren, der in seinem Design schon große Ähnlichkeiten mit einem modernen Kühlgerät aufweist, ist unser Objekt des Sommermonats Juni.
Der Korpus des schmalen eintürigen Schranks der Firma „Eschebach-Werke AG“ ist aus Holz gefertigt und außen beige-weiß gefasst. Alle Ecken sind abgerundet. Das Signet des Herstellers ist gut sichtbar auf der Frontseite platziert. Auf der Rückseite findet sich die Modellbezeichnung „851 Z“. Die Eschebach-Werke waren ein bekannter sächsischer Hersteller von Haushaltsgeräten, insbesondere von Eisschränken.  Der Schrank ruht auf vier kurzen Beinen. Das herausnehmbare Eisfach lässt sich über einen Deckel von oben befüllen und ist durch ein Blech vom restlichen Innenraum abgetrennt. Das Schmelzwasser wird eine Rinne geleitet und fließt von dort über ein Rohr an der Rückseite der Innenwand in das Auffangbecken an der Unterseite des Schrankes. Das Schmelzwasser-Auffangbecken ist zum Entleeren als herausziehbares Schubfach gestaltet. Der Kühlraum lässt sich frontseitig mithilfe eines verchromten Griffs öffnen und ist mit einem Holzgitter horizontal in zwei Fächer unterteilt. Der komplette Innenraum ist mit Zinkblech ausgekleidet, ebenso wie das Eisfach und das Schmelzwasserbecken. Als Isoliermaterial kamen Schaf- oder Baumwolle, Kälberhaare, Torf, Schlacke oder auch Kieselgur zum Einsatz. Der Eisschrank ist größtenteils gut erhalten, allerdings sind durch das Schmelz- und Kondenswasser Feuchtigkeitsschäden im Innenraum und am Schubfach entstanden. Ein interessanter Hinweis findet sich auf der Schranktür:  Sie ziert prominent ein dreieckiger farbiger Aufkleber aus den 1950er Jahren. Er zeigt die malerisch gelegene Feinstrumpf-Fabrik „ARWA“ von Hans Thierfelder in Bischofswiesen-Berchtesgaden – 1951 errichtet und zu diesem Zeitpunkt eine der modernsten Strumpffabriken Europas. Eine Nutzung dieses Eisschranks bis in die 1950er Jahre ist somit wahrscheinlich.

Mit der Verwendung von Eis zur Kühlung von Lebensmitteln steht unser Objekt des Monats in einer langen Tradition. Bereits in der Antike kühlte man Speisen und Getränke mit Natureis. Große Blöcke wurden dafür beispielsweise aus den Alpen und den Apenninen nach Rom gebracht. Im 19. Jahrhundert hatten vor allem Brauereien einen großen Eis-Bedarf. Für die ganzjährige konstante Kühlung des Bieres in Lagerkellern wurden im Winter große Mengen an Natureis, das z. B. aus gefrorenen Seen und Flüssen geschnitten wurde, eingelagert. Mit der Erfindung einer Kompressionskältemaschine durch Carl von Linde 1876 waren es wiederum Brauereien, die zur rasanten Verbreitung der neuen Technologie beitrugen. Sie stellten fortan künstlich Stangeneis in großen Mengen her, das mit Kühlwagen, auch per Eisenbahn, über größere Entfernungen zu den privaten Abnehmern transportiert werden konnte. Elektrische Kompressor-Kühlschränke kamen in den 1910er Jahren in den Vereinigten Staaten von Amerika auf den Markt und waren dort bereits seit den 1930er Jahren weit verbreitet. In Deutschland waren klassische Eisschränke und auch alternative Kühlmöglichkeiten wesentlich länger im Einsatz. Im Fränkischen Freilandmuseum Fladungen können Besucher eine Gemeinschaftsgefrieranlage, das „Kalthaus“ aus Nordheim v. d. R. (Lk. Rhön-Grabfeld) besichtigten. Es ermöglichte den Einwohnern ihre Lebensmittel einzufrieren, bevor private Gefriertruhen für sie erschwinglich wurden.  Erst Anfang der 1960er Jahre hatte mehr als die Hälfte der privaten Haushalte in Deutschland einen eigenen Kühlschrank und in den ländlichen Regionen verlief dieser Modernisierungsprozess verhältnismäßig langsam. Heute sind Kühl- und Gefrierschränke ein Haushaltsgerät, das selbstverständlich und unentbehrlich im Alltag ist. 


Objekt des Monats Mai: Königinnenkäfige

  • Inventarnummern: 35126, 35127
  • Käfige für Bienenköniginnen, sogenannte „Weiselkäfige“, zweite Hälfte 20. Jahrhundert
  • Herkunft: Privatbesitz, Fladungen (Lk. Rhön-Grabfeld)
  • Material: Holz, Kunststoff, Wachs, Draht
  • Maße: 2 cm (Höhe) x 7,5 cm (Länge) x 4 cm (Breite)
                 7,5 cm (Länge) x 2,2 cm (Durchmesser)

Heute sind weltweit über 20.000 Bienenarten bekannt. In vielen Ökosystemen bestäuben sie jährlich Millionen von Wild- und Nutzpflanzen. Die domestizierte Honigbiene spielt für den Menschen schon seit Jahrtausenden eine besondere Rolle und gilt, auch wegen ihrer Bestäubungsleistung, als eines der wichtigsten „Nutztiere“ in der Landwirtschaft. Bereits in der Antike war sie ein geschätzter Lieferant von Honig und Wachs.
Im 19. Jahrhundert machte die wissenschaftliche Erforschung von Bienen große Fortschritte und zahlreiche Neuerungen, wie beispielsweise die Erfindung von beweglichen Holzrähmchen und neuer Bienenbehausungen, den sogenannten „Hinterbehandlungsbeuten“, veränderten die Imkerei maßgeblich.
Diese Innovationen lassen sich im Bienenhäuschen des Fränkischen Freilandmuseums Fladungen nachvollziehen. Dort sind auch diese zwei Königinnenkäfige aus der Museumssammlung ausgestellt. Sie werden zu verschiedenen Zwecken verwendet, z. B. um Bienenköniginnen zu Zuchtzwecken in andere Bienenstöcke umzusiedeln, sie zu entnehmen oder sie per Post zu versenden.

Der rechteckige Königinnenkäfig aus Holz, auch Schlupfkäfig genannt, zeichnet sich durch eine ovale Kammer aus, die auf einer Seite mit einer durchsichtigen Kunststoffscheibe und auf der gegenüberliegenden Seite mit einem feinmaschigen Drahtgitter verschlossen ist. Ein hölzerner Stopfen dient als Verschluss des kleinen Rundlochs, das den Ein- und Ausgang des Käfigs bildet.
Der zweite Käfig basiert auf einem Lockenwickler, der durch den Imker modifiziert und umfunktioniert wurde. Das zylindrisch geformte Drahtgewebe ist mit rotem bzw. grünem Kunststoff ummantelt. Die Verschlusskappe lässt sich mit einem elastischen Gummiband fixieren.
Schlupfkäfige werden im Bienenstock auf die Weiselzellen mit einer sich entwickelnden Königin gesteckt, damit diese nach dem Ausschlüpfen die umliegenden Zellen nicht zerstört. Außerdem kann die Königin mit Hilfe des Käfigs zum Schlüpfen in einen Brutschrank gegeben werden.
Dieser Käfigtyp verfügt über kleine Vertiefungen, die mit Futter gefüllt werden, damit die beigegebenen Begleitbienen, die junge Königin sofort mit Futter versorgen können. Zudem lassen sich Schlupfkäfige auch als Zusetzkäfige verwenden, um ein Volk an eine neue Königin zu gewöhnen.
Für den Versand waren die preisgünstigen „Lockenwickler-Käfige“ gut geeignet. Das belegt auch ein Katalog der Imkerschlosserei Carl Fritz aus Mellrichstadt aus dem Jahr 1981. Darin werden 100 Käfige dieser Art als „Königinversandkäfig“ für 25 DM angeboten. Im selben Katalog findet sich auch ein „Weiselkäfig“, der in seiner Form nahezu identisch mit unserem Objekt aus Holz ist.

Errichtet wurde das Fladunger Bienenhaus 1960 vom Imker Otto Memmel. Dazu verwendete er unter anderem Bretter, die von der Holzverschalung der Umkleide des alten Fladunger Freibads stammten. Bis 1983 betrieb er seine Imkerei auf dem jetzigen Museumsgelände. Heute lassen sich in und um das Bienenhäuschen viele historische Werkzeuge und Hilfsmittel entdecken. Eine kleine Ausstellung liefert interessante Informationen über die Insekten und die Bienenzucht allgemein.


Objekt des Monats April: Osterhasenform

  • Inventarnummer: 19714
  • Schokoladenformteil, vor 1870, später als Wandschmuck verwendet
  • Herkunft: Privatbesitz, Irmelshausen (Lk. Rhön-Grabfeld)
  • Material: Kupfer, verzinnt, genietet
  • Maße: 13 cm (Höhe) x 12 cm (Breite) x 2,5 cm (Tiefe)

Mit dem Ende der Fastenzeit am Ostersonntag dürfen wieder Süßigkeiten verzehrt werden. Traditionell sind Schokoladenhasen besonders beliebt. Der Hase ist heute, neben dem Ei, zum Sinnbild für das Osterfest geworden. Dabei wurde er ursprünglich, neben seiner Bedeutung als Fruchtbarkeitssymbol, auch mit Ausschweifung und Unzucht in Verbindung gebracht. Erst seit dem 17. Jahrhundert entwickelte er sich allmählich zum eierbringenden Gabenboten.

Zur Herstellung von Hasenfiguren aus Schokolade verwendete man bis in die 1870er Jahre Gussformen aus Kupfer. Sie wurden im Anschluss von kostengünstigeren Weißblechformen abgelöst. Ein besonders schönes Exemplar befindet sich in den Beständen des Fladunger Freilandmuseums. Die rechteckige Kupferplatte ist an den oberen Kanten abgeschrägt, die Innenseite ist mit einer dünnen Schicht Zinn als Korrosionsschutz überzogen. Eingeprägt ist ein Hase, der auf einem ovalen gekehlten Sockel sitzt. Das Tier ist sehr detailliert ausgearbeitet: die Fellstrukturen, die Läufe, der Kopf mit Augen und Ohren sind deutlich hervorgehoben. Am Hinterteil, der sogenannten „Blume“ - die aber unsichtbar ist - sind zwei Zapfen als dekorative Elemente platziert. In die Form ist die Zahl „7“, offenbar eine Größenangabe, und der Buchstabe „B“ eingeschlagen. Die zweite Seite der Gussform ist nicht überliefert. Mit einem Gestell oder Klammern wurden die zwei Formteile zusammengehalten und über die dadurch entstandene Sockelöffnung befüllt. Davon zeugen die Abnutzungsspuren am Rand der Form und das Fehlen von Scharnieren, die bei Eisengussformen üblich waren. Später wurde nachträglich eine kleine Öse mit einem Ring an den oberen Rand angenietet, um die Form als Wandschmuck zu benutzen. Kupferformen waren in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert beliebte Antiquitäten und erfuhren häufig eine Zweitverwendung dieser Art. Die Form ist in gutem Zustand, allerdings weist das Metall altersbedingte Korrosionserscheinungen auf. Zudem sind die Ränder durch den Gebrauch leicht verformt bzw. beschädigt. Der Zinnspiegel der Innenseite ist stark berieben und fehlt teilweise.

Schokoladenhasen gehören heute zum Osterfest wie keine andere Süßigkeit. Zwar war Schokolade bereits ab dem 16. Jahrhundert in Europa bekannt, doch blieb sie lange Zeit ein Luxusprodukt und wurde überwiegend als Getränk konsumiert. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts konnte sie, begünstigt durch maschinelle Herstellungsverfahren sowie der Verwendung von preiswertem Rübenzucker, in größerer Menge produziert werden. Doch erst seit den 1950er Jahren verdrängte der Schokoladen-Osterhase seine Gefährten aus gegossenem Zucker oder Teig.


Objekt des Monats März: Bierflasche "Haustrunk"

  • Inventarnummer: 35123
  • Bierflasche, 1950/1960er Jahre
  • Herkunft: Privatbesitz, Nordheim v. d. Rhön (Lk. Rhön-Grabfeld)
  • Materialien: Farbglas braun, Porzellan, Eisendraht
  • Maße: 27 cm (Höhe) x 7 cm (Durchmesser)

Auf den ersten Blick kommt die braune Bierflasche Vielen von uns vertraut vor. Kleine Brauereien und Craft-Beer-Hersteller benutzen heute noch klassische Bügelverschlussflaschen in unterschiedlichen Größen und Formen zum Abfüllen ihrer Biere. Doch das vorgestellte Exemplar aus der Sammlung des Fränkischen Freilandmuseums Fladungen ist mittlerweile mehr als 60 Jahre alt. Die Flasche wurde für das Brauhaus Schweinfurt maschinell aus braun gefärbtem Glas hergestellt.

Die Form der Flasche ist schlicht. Der zylindrische Körper, der sogenannte „Bauch“ verjüngt sich zum schmaleren „Flaschenhals“. Das obere Ende, der „Kopf“, zeigt zwei gegenüberliegende Seitennähte. Ein charakteristisches Merkmal der industriellen Produktion. Zwei seitliche Vertiefungen am Flaschenkopf nehmen den gebogenen Draht des Bügelverschlusses - in der Fachsprache auch „Lochmundverschluss“ genannt - auf. Er besteht außerdem aus einem weißen Porzellanstopfen mit einer umlaufenden Nut zur Aufnahme des charakteristischen roten Gummirings. Dieser fehlt bei der präsentierten Flasche. Am Flaschenboden verweist ein Markenzeichen, ein erhabenes stilisiertes „G“ mit einer Krone, auf den Hersteller: die Gerresheimer Glashütte AG in Düsseldorf. Damals einer der größten Flaschenhersteller Deutschlands. Zudem ist dort die Nennfüllmenge „0,5 l“ und darüber der Schriftzug „DIN“, der auf die Einhaltung der entsprechenden Normvorschiften hinweist, zu finden.
Auffällig ist die weiße Bedruckung auf der Vorder- und Rückseite: Am Bauch das Firmenzeichen des Brauhauses Schweinfurt, ein Kreisornament mit rundbogigen Zierformen am Außenrand. Mittig darin ein Adler, der seine Schwingen ausbreitet. Am Übergang zum Flaschenhals befindet sich ein Spruchband mit der Inschrift „Haustrunk“ und darunter der Hinweis „unverkäuflich“.

Naturalien waren lange Zeit fester Bestandteil der Entlohnung. In Brauereien erhielten Mitarbeiter*innen traditionell Bier, das unversteuert abgegeben wurde.
Um den Weiterverkauf zu unterbinden, war es vorgeschrieben das Getränk in eindeutig gekennzeichnete Flaschen zu füllen.
1880 bot man den Brauereiarbeitern noch 10 Liter am Tag an. Heute sieht der Tarifvertrag im Braugewerbe für Bayern einen steuerfreien Mindestanspruch von 36 Litern pro Woche vor. Anstelle von Bier können mittlerweile auch alkoholfreie Getränke bezogen werden.
Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war der Haustrunk allerdings häufig ein Dünnbier - auch Scheps genannt - mit lediglich zwei Volumenprozent Alkohol. Dazu setze man den bereits ausgekochten Treber ein zweites Mal zu einem Sud an. Dünnbiere waren preiswert und wurden deshalb vom Gesinde und von Handwerkern gerne konsumiert.
Im Fränkischen Freilandmuseum Fladungen steht am 13. April 2022 wieder das traditionelle Einbrauen des Museumsbieres an. Im historischen Gemeindebrauhaus aus Alsleben entsteht das süffige Hausbrau, das ab Anfang Juni in Literflaschen mit Bügelverschluss im Museumsladen zum Verkauf angeboten wird.


Objekt des Monats Februar: Hyazinthenglas

  • Inventarnummer: 742
  • Farbglas, grün, mundgeblasen, 2. Hälfte 19. Jahrhundert
  • Herkunft: Elisabetha-Spital, Bad Königshofen (Lk. Rhön-Grabfeld)
  • Maße: 20 cm (Höhe) x 9,2 cm (Durchmesser)

Wenn im Winter die Natur ruht, sind farbenfrohe Blumen ein willkommener Raumschmuck im Haus. Hyazinthen, Tulpen und Narzissen zählen zu den Zwiebelpflanzen, die seit dem 16. Jahrhundert aus Asien Einzug in die europäischen Gärten hielten. Sie alle lassen sich gut vortreiben und machen mit ihren Blüten Lust auf das Frühjahr. Von der einstigen Popularität der „Zwiebeltreiberei“ zeugt dieses gut erhaltene Hyazinthenglas, das bereits 1989 in die Sammlung des Fränkischen Freilandmuseums Fladungen kam. Es stammte aus dem Elisabetha-Spital, einem Alten- und Pflegeheim, in Bad Königshofen (Lk. Rhön Grabfeld).

Das Pflanzgefäß aus grün gefärbtem Glas ist mundgeblasen unter Verwendung einer Form. Kleine Lufteinschlüsse und eine eingedrückte Rosette am Boden geben Aufschluss über den Herstellungszeitraum, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts liegt. Der konische Korpus zeigt eine gerippte Wandung. Der obere Rand ist 12-fach gelippt ausgebildet und weitet sich deutlich. Der verengte Hals gibt der Hyazinthen-Zwiebel einen sicheren Halt oberhalb des Wassersspiegels. So ist sie vor Fäulnis geschützt. Die Rippen ermöglichen eine stetige Wasserverdunstung. Das üppige Wurzelwachstum der Hyazinthe lässt sich durch das dünnwandige Glas sehr gut beobachten.Mit der Anzucht begann man zwischen Oktober und Dezember. Die Pflanzen mögen es zunächst dunkel und kühl. Der Zwischenraum eines Doppelfensters bot deshalb ein ideales Klima. Zusätzlich deckte man die ersten Triebe mit Papierhütchen als Lichtschutz ab. Im Verlauf von sechs bis acht Wochen treibt die Pflanze eine Traube glockenförmiger Blüten in Weiß, Violett oder Rosa aus.

Die früheste Abbildung eines Hyazinthenglases ist für das Jahr 1731 belegt.Johann August Grotjan beschrieb in seinem 1750 erschienenen wissenschaftlichen Werk „Physikalische Winter-Belustigung mit Hyazinthen, Jonquillen, Tazzeten, Tullipanen, Nelken und Levcojen“ erstmalig detailliert das Wassertreiben von Blumenzwiebeln und die dazu verwendeten Gefäße. In der Folgezeit erreichte die „Hyazinthen-Begeisterung“ ihren Höhepunkt an den Fürstenhäusern und in der wohlhabenden Oberschicht. Eine große Bandbreite an Hyazinthengläsern entwickelte sich. Farben, Formen und Dekore wurden dem jeweiligen Zeitgeschmack entsprechend angepasst. Die aufwändig hergestellten Gläser blieben aber zunächst ein Luxusgegenstand. Im Lauf des 19. Jahrhunderts wurde industriell hergestelltes Glas kostengünstiger und für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich. Bis ins 20. Jahrhundert entstanden neue, moderne Glas-Designs, wie z. B. von Wilhelm Wagenfeld 1936 für die „Vereinigten Lausitzer Glaswerke“. In den 1950er und 1960er Jahren kamen schließlich Kunststoffgläser hinzu. Heute praktizieren nur noch wenige Pflanzenliebhaber die Wassertreiberei von Zwiebeln. Beheizte Gewächshäuser und ein global vernetzter Handel, ermöglichen es jederzeit die unterschiedlichsten Blumen aus aller Welt zu erwerben. Allerdings finden die formschönen Hyazinthengläser noch Verwendung als Blumenvasen, deren ursprüngliche Funktion ihren Besitzer*innen häufig unbekannt ist.

 

Objekt des Monats Januar: Ski

  • Inventarnummer: 16592, 16593
  • Paar Holz-Ski, um 1950
  • Herkunft: Privatbesitz, Leubach (Lk. Rhön-Grabfeld)
  • Material: Hickory-Holz, Eisenblech, Leder, Gummi
  • Maße: 183 cm (Länge) x 11 cm (Breite) x 6 cm (Höhe)

Skilaufen im Winter hat in der Rhön eine lange Tradition. Auch aktuell sind Pisten geöffnet und Loipen gespurt. Dazu passt unser Objekt des Monats, ein paar Ski der Firma Otto Stürmer, einer Wagnerei in Mellrichstadt (Lk. Rhön-Grabfeld). 1954 beschloss der Firmeninhaber seinen Handwerksbetrieb mit Ski- und Schlitten-Fabrikation in ein Einzelhandelsgeschäft umzuwandeln, das bis heute als Sportwarengeschäft besteht.

Die Ski sind in ihrer Form ein typischer Vertreter ihrer Zeit. Die Laufsohle ist in der Mitte leicht tailliert und zu den Enden hin abgeflacht. Der vordere Teil, die sogenannte „Schaufel“, ist nach oben gebogen und an der Spitze abgerundet. Bis auf die Bindung sind die Ski ausschließlich aus hartem, stabilem Hickory-Holz gefertigt, worauf auch ein Schriftzug hinweist. Die Seitenflächen sind rot gefasst, die Sohlenfläche auf der Unterseite dunkelblau. Beide Ski ziert das Logo der Firma „Stürmer“, ein großes „S“ mit Darstellung eines Skispringers. Bei der Bindung handelt es sich um eine so genannte Kabel- oder „Kandahar“-Bindung, wie sie ab 1932 bis in die frühen 1960er Jahre üblich war. Ein Lederriemen fixiert den vorderen Teil des Schuhs in der Bindung. Im Bereich der Ferse wird der Schuh von einem Metallkabel gehalten, das sich mittels eines Hebels und einer Feder spannen lässt. Zwei kleine Haken ermöglichen ein Anpassen der Bindung. Ging es eine Abfahrt hinunter, spannte man das Kabel unter die Haken und sorgte somit für einen festen Halt auf dem Ski. Zum Langlaufen oder Aufsteigen lief das Kabel über den Haken hinweg und ließ so mehr Spielraum für vertikale Bewegungen.
Auf den ersten Blick sind die Ski gut erhalten. Deutliche Abnutzungsspuren an Sohle und Fassung belegen allerdings einen intensiven Gebrauch.

Das Wort „Ski“ ist aus dem Norwegischen entlehnt und bedeutet „Holzscheit“. Die Geschichte des Skifahrens begann in Norwegen. Es ist dort seit mindestens 4.500 Jahren bekannt. 2021 fanden Archäologen einen 1.300 Jahre alten Ski im Gletschereis, der bereits über eine Bindung mit Lederriemen und Seilen verfügte. In Skandinavien verwendete man gegen Ende des 18. Jahrhunderts Ski erstmalig als Sportgeräte in der Armee. Mitte des 19. Jahrhunderts fand das erste Skirennen in Oslo statt. Mit seinem 1891 in Deutschland erschienenen Buch „Auf Schneeschuhen durch Grönland“ löste der bekannte Polarforscher Fridtjof Nansen den ersten Ski-Boom in Europa aus. Junge Menschen wollten die neue Sportart erlernen. Ski-Clubs gründeten sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Um 1900 entwickelten sich im Schwarzwald und im Alpenraum die ersten Skigebiete. Gleichzeitig nahm der Wintersporttourismus seinen Anfang. Nach dem Ersten Weltkrieg etablierte sich das Skifahren als Sport auch in den deutschen Mittelgebirgen wie der Rhön. Auf Holzski mit einfachen Bindungen schob man sich durch den Schnee oder glitt einen unpräparierten Hang hinunter. Zur Unterscheidung der Disziplinen Abfahrt und Langlauf im Freizeitsport kam es erst in den 1950er Jahren. In dieser Zeit nahmen auch die ersten Liftanlagen in der Rhön ihren Betrieb auf und Skifahren entwickelte sich endgültig zum Massensport, der bis heute große Popularität genießt.


Objekt des Monats Dezember: Weihnachtsbaumschmuck

  •  Inventarnummer: 17365
  • Reflexkugeln, verschiedene Formen, zwischen 1900 – 1960
  • Herkunft: Privatbesitz, Ostheim v. d. Rhön (Lk. Rhön-Grabfeld)
  • Material: Glas, Blech, Papier, Glasstaub
  • Maße: alle Kugeln ca. 7 cm im Durchmesser, maximale Länge 12 cm

In der Winterzeit war es üblich, Haus und Hof mit immergrünen Pflanzen zu verzieren. Weihnachts- oder Christbäume kamen im 15. Jahrhundert in Mode. Damals stellte man ganze Tannen – ohne jeglichen Schmuck – in die Stuben der Häuser. Ein dekorierter Christbaum wird erstmals 1597 in Rechnungsbüchern der elsässischen Reichsstadt Türkheim genannt. Diese „Gabenbäume“ der Ratsherren, Zünfte oder Kaufleute waren mit Papierrosen, Äpfeln, Oblaten und Zuckerwerk geschmückt. In den folgenden Jahrhunderten verbreitete sich die Tradition des Weihnachtsbaumaufstellens weiter in der bürgerlichen Oberschicht und an den europäischen Höfen. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde das Aufstellen eines Tannenbaums, unabhängig von der Konfession, in der Bevölkerung allgemein üblich. Klassischer Baumschmuck waren Figuren aus Papier, aber auch Essbares wie Gebäck, Früchte und Nüsse. Zeitgleich entstand eine Christbaumschmuckindustrie, die neuartigen Baumbehang aus Glas, Papier, Pappe oder Metall produzierte. Die Geschichte des gläsernen Baumschmucks ist fest mit der Stadt Lauscha (Lk. Sonneberg) verbunden. 1848 erfand man dort die ersten Christbaumkugeln der Welt. Die frühen Exemplare waren noch sehr dick, mit Blei verspiegelt, und deutlich schwerer als heutige. Erst durch den technischen Fortschritt in den 1870er Jahren konnten dünnwandige Baumkugeln vor der Lampe geblasen werden. Neben der Produktion in Glashütten stellte man gläsernen Baumschmuck häufig in Heimarbeit her. Bis heute erzeugen viele Lauschaer Werkstätten filigrane Glaskugeln.

Auch diese sechs mundgeblasenen Christbaumkugeln wurden vermutlich im Raum Lauscha zwischen 1900 und 1960 hergestellt. Sie zeigen eine interessante Formenvielfalt: Klassisch als Kugel oder als Zapfen, kombiniert mit tropfenförmigen Elementen. In die dünnwandigen, wieder erwärmten, Glashohlkörper wurden mit Gipsstempeln sogenannte „Reflexe“ eingedrückt. Die geometrischen Formen spiegeln das Kerzenlicht besonders gut und erzeugen so eine festliche Stimmung. Die Innenseiten sind mit Silbernitrat verspiegelt. Anschließend fasste man die Kugeln außen mit Gelatinefarben oder rotem bzw. pinkem Lack. Die eingedrückten Reflexe wurden zusätzlich farbig gehöht. Eine Kugel erhielt zudem eine Beklebung mit Engelsköpfen aus Papieroblaten. Die weiteren Ornamente in Weiß oder Gelb zeigen florale und geometrische Formen. Zwei Kugeln sind außerdem mit weißem Glasstaub dekoriert, der an einen Schneeüberzug erinnern soll.
Der Erhaltungszustand ist trotz des fragilen Materials noch recht gut. Lediglich die verwendete Farbe auf Gelatinebasis zeigt Alterungsspuren und blättert teilweise ab. Außerdem weisen die Verspiegelung sowie die Ösen der Aufhängung Oxidationserscheinungen auf.

Christbaumkugeln werden mittlerweile maschinell in großen Stückzahlen, häufig sogar aus Kunststoff, in vielen Ländern der Welt produziert. Nichtsdestotrotz erfreuen sie sich noch immer großer Popularität und sind ein fester Bestandteil der Weihnachtszeit geworden.

 

Objekt des Monats November: Spielzeugpferd

  • Inventarnummer: 33540
  • Herkunft: Privatbesitz, Bischofsheim (Lk. Rhön-Grabfeld)
  • Spielzeugpferd aus Holz, um 1930
  • Material: Holz, Leder, Rosshaar, Eisen, Textil
  • Maße (gesamte Konstruktion): 92 cm (Höhe) x 42 cm (Breite) x 133 cm (Länge)

„Der Mensch (…) ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ So hatte bereits Friedrich Schiller seine Einschätzung zur existenziellen Bedeutung des Spielens für unsere Entwicklung und unsere Kultur formuliert. Spielzeug hingegen wurde meist auf besondere Weise mit dem Kindesalter verknüpft. Schon in der Antike fanden Puppen aus Naturmaterialien und einfaches Spielzeug aus Ton und Bein den Weg in Kinderhände. Eines der beliebtesten Vorbilder für Spielzeug war über Jahrhunderte hinweg das Pferd, welches sich als Steckenpferd, Rollpferd, Pferdefigur oder Schaukelpferd in zahlreichen Haushalten Europas wiederfand.

Der Körper des schreitenden Pferdes ist aus Holz geschnitzt. Beine und Hals (mitsamt Kopf) sind am Rumpf angesetzt. Die großflächige, weiß-graue Fassung imitiert die Fellfarbe eines sogenannten "Apfelschimmels". Ohren, Nüstern, Zunge und Augen sind farblich abgesetzt und verleihen dem erhobenen Kopf Ausdruck. Mähne und Schweif wurden aus hellem Rosshaar gefertigt. Durch Zaumzeug und Sattel aus Rindsleder ist das Pferd als Reittier charakterisiert. Zwei eiserne Steigbügel, die einst am Sattel befestigt waren, sind als Einzelteile überliefert. Von der urspünglich vorhandenen roten Satteldecke haben sich nur noch spärliche Reste erhalten. Dem Pferd ist deutlich seine langjährige Nutzung anzusehen. So weist die Fassung zahlreiche Gebrauchsspuren auf und die Haare des Schweifs fehlen fast gänzlich.

Die braun gefasste Unterkonstruktion besteht aus zwei Elementen: Auf der länglichen Holzplatte ist das Pferd befestigt, das darunter befindliche Gestell mit geschwungenen Kufen ermöglicht ein Wippen bzw. Schaukeln des Pferdes. Durch das Lösen zweier Schrauben lassen sich diese beiden Elemente voneinander trennen. Möglicherweise konnte so das Pferd von einem Schaukelpferd zu einem Rollpferd umfunktioniert werden - sofern man die hierfür notwendigen Räder zur Hand hatte.

Dieses Spielzeugpferd wurde vermutlich vor dem zweiten Weltkrieg im Raum Bischofsheim hergestellt. Seit 1862 existierte in Bischofsheim eine Schnitzschule, die eine bis heute lebendige Schnitztradition in der Region begründete. Noch immer ist die Gemeinde am Fuß des Kreuzbergs mit der Staatlichen Berufsfachschule für Holzbildhauer ein Ausbildungszentrum für angehende Künstler in Deutschland.

Früher war die Herstellung von geschnitzten Spielsachen, Holzschuhen, später auch Souvenirs, vor allem im Winter, wenn in der Landwirtschaft weniger Arbeit anfiel, eine wichtige Einnahmequelle.

Mehrere Generationen von Kindern hatten bis in die 1970er Jahre mit unserem Pferd gespielt. Die rote Satteldecke hatte allerdings auch der letzte Nutzer und Spender schon nicht mehr gekannt. Die Freude am Spielen war dadurch aber nicht getrübt worden. Heute ist das Angebot an Spielsachen unermesslich und die meisten Produkte haben einen weiten Weg hinter sich, bevor sie bei uns in den Regalen landen. Geblieben ist die Faszination für Pferde in unterschiedlichen Ausführungen, heute meist aus Kunststoff oder Plüsch.


Objekt des Monats Oktober: Grabschmuck

  • Inventarnummer: 32866
  • Herkunft: Privatbesitz, Bad Brückenau
  • Perlkranz, 1. Hälfte 20. Jahrhundert
  • Draht, Glasperlen, Papier, Blech, Glas, Gips, Garn
  • 66 cm x 58 cm x 10 cm

Die Tage um Allerheiligen und Allerseelen sind traditionell dem Gedenken an die Verstorbenen gewidmet. Aus diesem Anlass werden bis heute vielerorts auf den Friedhöfen die Gräber besonders geschmückt. Noch bis in die 1950er Jahre waren als Grabschmuck sogenannte "Perlkränze" besonders beliebt.

Bei unserem Beispiel aus Bad Brückenau (Lk. Bad Kissingen) handelt es sich um ein besonders aufwändig gearbeitetes Objekt, das in Form und Erscheinungsbild an einen geflochtenen und mit Blüten verzierten Korb erinnert. Zentrales Element ist ein ovales Medaillon mit figürlichem Relief und Blumenkranz, geschützt durch eine gewölbte Glasabdeckung. Die Bodenplatte des Medaillons besteht aus einem Stück Blech, abgedeckt mit schwarzer Pappe. Auf diesem "Bildträger" ist eine Passionsdarstellung, der unter dem Kreuz gestürzte Christus, appliziert. Derartige Reliefs aus Gips wurden als Massenware industriell produziert und dann in handgefertigten Einzelstücken wie unserem weiterverarbeitet.

Gerahmt wird das Medaillon von mehreren Lagen kunstvoll geflochtener Drähte. Auf wabenartige Strukturen mit Stabperlen folgen mit kleinen Rundperlen verzierte Bögen sowie ein wellenförmiger Dekor, der sich "laufender Hund" nennt. Oben und unten (vom Bildfeld aus gesehen) veredeln je zwei kunstvolle, üppige Blüten und kleine grüne Blätter den Grabschmuck. Gerade diese farbigen Komponenten machen die Besonderheit des hier vorgestellten Perlkranzes aus.

Grabschmuck in Form von Perlkränzen kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts, von Frankreich ausgehend, in Deutschland in Mode. Produktionszentren befanden sich im südwestdeutschen Raum, in Walldürn (Neckar-Odenwald-Kreis), Hettingen (Lk. Sigmaringen) sowie in Oberreifenberg (Hochtaunuskreis). Die verwendeten Glasperlen kamen meist aus Venedig oder Frankreich. In Heimarbeit wurden dann die verschiedenen Komponenten und Materialien vor allem von Frauen und Kindern zum Endprodukt verarbeitet. Dabei konnte die Fertigung eines Kranzes bis zu 20 Arbeitsstunden erfordern.

Die filigranen Gebilde waren empfindlich, zerbrechlich und teuer. Deshalb ging man vorsichtig und behutsam damit um und legte sie nur zu Beerdigungen und an Totengedenktagen an den Grabstein oder hängte sie an das Grabkreuz. Bei Regen holte man sie oft sofort ins Haus oder brachte sie erst gar nicht zum Friedhof. Konnten sich Angehörige keinen eigenen Kranz leisten, bekamen sie nicht selten von Freunden oder Verwandten ein Exemplar ausgeliehen.

Flächendeckende Verbote der Perlkränze in den 1950er Jahren ließen diese Form des Grabschmucks schließlich von deutschen Friedhöfen verschwinden. 


Objekt des Monats September: Kaffeemaschine Perkolator

  • Inventarnummer: 16787
  • Herkunft: Privatbesitz, Gersfeld (Lk. Fulda)
  • Perkolator "EHA", um 1930
  • Blech, Edelstahl, Aluminium, Glas, Kunststoff
  • 30 cm x 18 cm x 15,5 cm

Wohlschmeckender und wachmachender Kaffee war bis ins 20 Jahrhundert ein Luxusartikel. Seine Wurzeln hat der Kaffeekonsum im arabischen Raum. Seit dem 17. Jahrhundert verbreitete sich die Praxis auch in Europa. Heute ist Kaffee ein Alltagsgetränk, Kaffeekultur findet man inzwischen auf allen Erdteilen. Im Laufe der Zeit wurden verschiedene Zubereitungsmethoden entwickelt, die oft regional und historisch unterschiedliche Verbreitung fanden. Eine im frühen 19. Jahrhundert entwickelte Art der Zubereitung ist das Kochen mithilfe eines sogenannten Perkolators.

Dieser Perkolator der Firma "EHA" zeichnet sich durch einen versilberten Metallkörper aus, der auf drei geschwungen Beinen ruht. Am bauchigen Mittelteil sind zwei Griffe aus Edelstahl und schwarzem Kunststoff montiert. Ein Ablasshahn, aus den gleichen Materialien gefertigt, ist am unteren Ende des Gefäßkörpers angebracht. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich der Stromanschluss für die Heizspirale im geschlossenen Bodensegment. An dessen Unterseite ist das Logo des Herstellers, eine Seriennummer und die benötigte Netzspannung eingeprägt. Im Inneren des Gefäßkörpers ist ein Siebgefäß aus Aluminium eingesetzt, am oberen Ende eines Aluminiumrohrs mit Flachkegelfuß platziert.

In seiner Form entspricht dieser Perkolator dem Stil der 1920er und 1930er Jahre. Bis in die 1960er wurden diese und ähnliche Modelle von verschiedenen Herstellern vertrieben.

Vom lateinischen percolare (bed. durchsickern) lässt sich das Funktionsprinzip des Perkolators ableiten: Wasser sickert kontinuierlich durch das Kaffeepulver hindurch. Das Wasser wird hierzu im unteren Gefäßbereich erhitzt und durch das Aluminiumrohr nach oben gedrückt. Von dort tropft es auf den gemahlenen Kaffee im Siebgefäß herab und vermischt sich anschließend wieder mit dem restlichen Wasser. Diese Zirkulation wird so lange aufrechterhalten, bis der fertige Kaffee die gewünschte Geschmacksintensität erreicht hat. Durch das Glas am Deckel lässt sich dieser Prozess beobachten. Über den Ablasshahn lässt sich der heiße Kaffee schließlich direkt in eine Tasse einschenken.

Der im Perkolator gekochte Kaffee kann schnell bitter werden und enthält dabei eine hohe Menge an Koffein. In Deutschland sind Perkolatoren heute deshalb kaum noch in Gebrauch. In anderen Ländern, wie beispielsweise USA, Großbritannien und Dänemark findet man sie hingegen noch häufiger.

"Echter Bohnenkaffee" wurde in diesem Perkolator allerdings vermutlich selten gekocht. Kaffeebohnen müssen einen weiten Weg nach Europa zurücklegen, weshalb Kaffee lange Zeit für die unteren Einkommensschichten nur selten erschwinglich war. Stattdessen verwendete man bis in die 1960er Jahre regelmäßig Ersatzprodukte. Besonders häufig trank man Zichorie- und Malzkaffee, der teure Bohnenkaffee kam nur bei besonderen Anlässen auf den Tisch oder wurde in kleinen Mengen dem billigeren Surrogat beigemischt.

In der heutigen globalisierten Welt stellen die Transportwege kein logistisches Problem mehr dar. Kaffee unterschiedlichster Qualitäten ist so preisgünstig wie noch nie zuvor. Filtermaschinen, Kaffeeautomaten und große Franchiseunternehmen prägen heute unsere Vorstellung von Kaffeekonsum, doch historische Methoden und Geräte zeigen uns noch immer vielfältige und nachhaltige Alternativen auf.


Objekt des Monats August: Wandbarometer mit Thermometer

  • Inventarnummer: 12523
  • Herkunft: Familie Storch, Oberbernhards (Lk. Fulda)
  • Messgerät für Luftdruck und Temperatur, 2. Hälfte 19. Jahrhundert
  • Eichenholz, gesägt, gebohrt; Glas, geblasen; Porzellan, beschriftet; Eisen, gebogen
  • 97,5 cm x 8,5 cm x 4,5 cm

Gutes oder schlechtes Wetter? Diese Frage war für die Landwirtschaft seit jeher von großer Bedeutung. Vor der Verbreitung tagesaktueller Wetterprognosen stützte man sich für die Vorhersage vor allem auf die eigenen Beobachtungen und auf Kalender. Bereits im 17. Jahrhundert waren allerdings auch die physikalischen Messgeräte Barometer und Thermometer erfunden worden. Damit war erstmals eine naturwissenschaftlich fundierte Bestimmung des Luftdrucks und der Temperatur möglich. Im 19. Jahrhundert waren Wandbarometer auch in privaten Haushalten zu finden. So auch in der Stube des großen Hofes der Familie Storch aus Oberbernhards (Lk. Fulda), welches sich heute im Fränkischen Freilandmuseum Fladungen befindet.

Als Wandschmuck und Statussymbol, entsprechend dem Zeitgeschmack, präsentiert sich dieses Barometer. Die Funktionselemente sind auf einem Eichenbrett fixiert. Das lange, zylindrische Glasrohr ist u-förmig gekrümmt, am unteren Ende baucht das Quecksilber-Reservoir aus und schließt mit einem engen Hals ab. Am oberen Ende ist eine beschriftete Porzellantafel in das Eichenbrett eingesetzt. Zwei Skalen ermöglichen es den Stand der Quecksilbersäule in Millimeter bzw. Zoll abzulesen und somit den aktuellen Luftdruck zu bestimmen. Daneben finden sich die entsprechenden Wetterbeschreibungen: „Sehr trocken“, „Beständig“, „Schön Wetter“, „Veränderlich“, „Regen Wind“, „Viel Regen“ und „Sturm“. Rechts davon ist ein Zeiger angebracht, der entlang einer Führungsschiene aus Eisen verschiebbar ist. Er dient als Merkhilfe, um Veränderungen des Barometerstands zu erkennen und somit Wetterwechsel besser prognostizieren zu können.

Zusätzlich ist auf dem Eichenbrett ein kleines Thermometer montiert. Der Glasrohrkolben ist mit Quecksilber gefüllt, das je nach Temperatur unterschiedlich weit aufsteigt. Auf einer hinterlegten Porzellanplatte befindet sich in doppelter Ausführung eine Temperatur-Skala von minus 10 bis 40 Grad Réaumur. Die Buchstaben „EP“ stehen für den Eispunkt von Wasser bei 0 Grad Réaumur. Das Barometer ist nicht funktionsfähig, da sich kein Quecksilber mehr im Glaskolben befindet, das Thermometer zeigt hingegen noch immer korrekt die aktuelle Raumtemperatur an.

Die kleine Wetterstation mit Barometer und Thermometer steht beispielhaft für die Verbreitung und Verwendung von Messinstrumenten seit dem 19. Jahrhundert im häuslichen Bereich. Barometer mit giftiger Quecksilberfüllung wurden schon bald von Dosenbarometern, die mit einer Feder arbeiten, abgelöst. Die damaligen Maßeinheiten für Luftdruck und Temperatur stehen im deutlichen Kontrast zu den heute gebräuchlichen. Die 1730 veröffentlichte Temperatur-Skala des französischen Wissenschaftlers René-Antoine Ferchault de Réaumur war bis Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland weit verbreitet. Sie basierte, anders als ähnliche Maßeinheiten ihrer Zeit, auf der Ausdehnung von Ethanol. 1901 wurde sie schließlich als amtliche Skala von Grad Celsius abgelöst, da sie zu ungenau war. In den folgenden Jahrzehnten verlor die Réaumur-Skala rasch an Bedeutung und ist heute nahezu unbekannt.

Trotz seines Alters von mehr als 120 Jahren stand das historische Wandbarometer modernen Digitalmessgeräten in seiner Funktionalität kaum nach. Informationen über Luftdruck, Temperatur und das sich daraus ableitende Wetter sind bis heute täglich relevant und gewinnen im Kontext der globalen Erwärmung noch stärker an Bedeutung.


Objekt des Monats Juli: Filmprojektor 

  • Inventarnummer: 23649
  • Herkunft: Volksschule Stetten (Sondheim v. d. Rhön, Lk. Rhön-Grabfeld)
  • Stummfilmprojektor "Agfa Movector Super 16", für 16 mm Schmalfilm
  • Metallgehäuse, schwarz lackiert; Objektiv (Brennweite 50 mm), Elektromotor (100 V bis 250 V); Lampe (375 W)
  • 35 cm x 21 cm x 16,5 cm (mit eingeklappten Spulenarmen)

 Dieser Filmprojektor mit dem Namen "Movector Super 16" des Herstellers "Agfa Camerawerk München" wurde um 1935 produziert. Sein kompaktes, schwarz-lackiertes Gehäuse ist kastenförmig und wiegt ganze 13 Kilogramm. Der obere Spulenarm, der während des Betriebs die volle Filmspule bzw. die sogenannte Abwickelspule trägt, kann umgeklappt, arretiert und dann als Tragegriff verwendet werden. Der untere Spulenarm nimmt die sogenannte Aufwickelspule auf und ist zu Transportzwecken einklappbar. Verschiedene verchromte Knöpfe, Schalter und Schrauben sind, für eine Vielzahl an Funktionen, in die Seitenflächen des Gehäuses integriert. An drei verschiedenen Stellen lässt sich das Gehäuse öffnen, um Zugriff auf das optische System, den Filmkanal und die elektrische Ausstattung des Projektors zu ermöglichen.

Der Projektor kann mit Gleich- oder Wechselstrom zwischen 110 Volt und 250 Volt betrieben werden und ist für die Verwendung von 16 mm Schmalfilmen mit einer Länge von bis zu 120 Metern ausgelegt. Das Licht der 375-Watt-Lampe wird in einem geradlinigen Strahlengang von einem Hohlspiegel und Kondensor-Linsen gebündelt und fällt dann jeweils für Sekundenbruchteile auf die Bilder des Films. Die Flügelblende deckt dabei regelmäßig den Film ab, um somit eine Reihe von einzelnen Bildern zu erzeugen. Das Objektiv wirft die Bilder schließlich auf die Projektionsfläche. Die Bildgeschwindigkeit ist dabei regulierbar – im Regelfall wurden 16 oder 24 Bilder pro Sekunde abgespielt. Möglich ist allerdings auch die Darstellung von Standbildern und ein langsamer Rückwärtslauf. Bei einem Abstand des Projektors von 5 Metern zur Leinwand ist das dargestellte Bild genau einen Meter breit und etwa 75 Zentimeter hoch. Für die Wiedergabe des Tons, sofern es sich nicht um einen Stummfilm handelt, muss ein zusätzliches Gerät an den "Movector" angeschlossen werden. Gekühlt wird das Innenleben mithilfe eines elektrisch betriebenen Ventilators. Als passgenauer Transport- und Aufbewahrungscontainer für diesen Projektor diente ein speziell gefertigter, verschließbarer Koffer aus Holz und Kunstleder, der sich ebenfalls in der Sammlung des Fränkischen Freilandmuseums Fladungen befindet.

Der Filmprojektor wurde in der Volksschule Stetten (Sondheim v. d. Rhön, Lk. Rhön-Grabfeld) verwendet und ist beispielhaft für die lange Geschichte der Nutzung von Filmen als Unterrichtsmittel. Schon 1920 wurde der "Bayerische Verband zur Förderung des Lichtbildwesens in Unterricht und Erziehung" gegründet, dessen "Bayerische Lichtbildstelle" ab 1921 vom Kultusministerium unterstützt wurde. Eine flächendeckende Verwendung von Filmen als Unterrichtsmaterial wurde allerdings erst durch die Entwicklung und Verbreitung des 16-Millimeter-Schmalfilms um 1928/1929 möglich. In jedem Klassenzimmer konnte fortan ein mobiler Projektor zum Einsatz kommen, sofern die finanziellen Mittel und die benötigte Stromversorgung vorhanden waren. Ab 1934 wurden Schulen von den Landes-, Bezirks- und Kreisbildstellen mit Filmprojektoren und entsprechenden 16-Millimeter-Unterrichtsfilmen ausgestattet, um gezielt die Verwendung von bewegten Bildern als Lernmittel zu fördern. Kompakte und leistungsfähige Filmprojektoren, wie der "Agfa Movector", der "Siemens 2000" oder der "Bauer P6", kamen in den folgenden Jahrzehnten in zahlreichen Schulen zum Einsatz und bereicherten den Unterricht.

Bis Ende der 1980er Jahre stellten 16-Millimeter-Filme einen hohen Prozentsatz des in Schulen verwendeten Medienmaterials dar, bevor sie endgültig von Videokassetten und DVDs verdrängt wurden. Heute ist die Nutzung von bewegten Bildern, dank digitaler Formate und Abspielgeräte, im Lehrbetrieb einfacher als je zuvor. Doch in Zeiten der Pandemie, im Kontext von "home-schooling" und Videokonferenzen, hat möglicherweise die Wertschätzung von analogem und persönlichem Unterricht wieder zugenommen.


Objekt des Monats Juni: Daubenkrug

  • Inventarnummer: 10620
  • Herkunft: Privatbesitz, Bad Neustadt
  • Kirmes-Bierkrug aus Holz
  • Holz, gesägt, geschnitzt, bemalt; Kupfer, gebogen, genietet
  • 30 cm x 18 cm x 15,5 cm

Krüge mit Klappdeckel erfreuten sich bereits in der frühen Neuzeit großer Beliebtheit. In unterschiedlichen Größen und Materialien ausgeführt, wurde aus ihnen in der Regel Bier oder Wein getrunken. Dieser Daubenkrug aus Holz, der etwa eine Maß Bier aufnehmen konnte, war allerdings nicht nur ein Trinkgefäß, sondern vorrangig ein Erinnerungsstück - an eine unterfränkische Kirmes des Jahres 1926.

Die konische Wandung des Kruges besteht, wie bei einem Fass, aus schmalen Dauben, die von vier Kupferreifen zusammengehalten werden. Die unteren beiden Reifen bilden eine Fußzone und rahmen, ebenso wie die oberen Reifen, eine umlaufende Schrift auf grünem Grund. Die Kupferreifen sind teilweise verrutscht und an einer Stelle hat sich die Vernietung gelöst. Dadurch sind kleine Spalten zwischen den Dauben entstanden und die Funktionalität als Trinkgefäß ist somit nicht mehr gegeben. Den runden Deckel ziert ebenfalls ein grüner Rand, mit einem kleinen orangefarbenen Dreieck auf der Vorderseite. Auf der Deckelfläche ist ein unleserlicher, runder Stempel zu erkennen. Der ohrenförmige, gesägte Griff aus Holz bildet zugleich das Scharnier für den Klappdeckel.

Auf dem oberen Schriftband findet sich die Aufschrift „Körmeß [sic!] im Jahre 1926.“ Im Fußbereich steht: „Wo volle Becher und Rosenlippen / Da musst du trinken und nicht bloß nippen“. Die Wandung ist im mittleren Bereich rot-braun grundiert und mit einer farbigen, detaillierten Bemalung versehen: Ein Kirmespaar ist beim dynamischen Tanz mit flatternden Haarbändern und wehendem Rock zu erkennen. An einer Hand halten sie sich fest, der Mann hebt mit der anderen Hand seinen Hut, die Frau hält ihre Schürze. Zu beiden Seiten des Paares sitzt jeweils ein Musiker auf einem Fass. Einer der Musiker spielt eine Ziehharmonika, der andere ein Holzblasinstrument (Klarinette/Schalmei). Alle abgebildeten Personen sind in stilisierte Trachten gekleidet und verweisen auf eine idealisierte, historische Volksfesttradition.

Die Kirmes (auch Kirchweih, Kermes oder Kerwa) war in Unterfranken fast überall eines der wichtigsten Volksfeste und ist es in vielen Dörfern, Märkten und Städten bis heute geblieben. Ursprünglich aus der kirchlichen Feier des Jahrestages der Kirchenweihe hervorgegangen, standen bald vor allem Tanz, Musik, Essen und Trinken im Vordergrund. Große Krüge wurden beispielsweise auch bei den traditionellen Umzügen der Kirmesburschen durch das Dorf getragen. Auf dem "Plan" (dem geputzten und hergerichteten Tanzplatz) tanzte die Kirmesgesellschaft, dazu spielte die Musik. Trachten und alte Musikinstrumente, wie sie auf unserem Daubenkrug abgebildet sind, fand man 1926 in Unterfranken kaum. Schwarze Sonntagsanzüge und Orientierung an städtischer Mode sowie Blechblasinstrumente bestimmten zu dieser Zeit die Kirchweih-Feste in der ländlichen Rhön. Die Darstellung auf dem Krug zeigt eher ein romantisches Idealbild als historische Realität. Bis heute finden sich vergleichbare stereotype Darstellungen ländlicher Festszenen auf Erinnerungsstücken und Andenken.


Objekt des Monats Mai: Amboss

  • Inventarnummer: 34000
  • Herkunft: Eugen Hofmann, Waldberg (Landkreis Rhön-Grabfeld)
  • Schmiedeamboss, süddeutsche Form, Hersteller: Söding & Halbach (Hagen, Nordrhein-Westfalen), Modell Nr. 7
  • Eisen, geschmiedet, gehärtet, geprägt; Stahl
  • 33 cm x 74 cm x 34 cm

Einer der wichtigsten Dorfhandwerker war bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts der Schmied. Er reparierte und stellte Werkzeuge her, beschlug Pferde und Rinder und erledigte zahlreiche weitere Metallarbeiten. Eines seiner wichtigsten Hilfsmittel war der Amboss. Dieser Amboss stand viele Jahre in der Schmiede aus Waldberg (Landkreis Rhön-Grabfeld). 2019 wurde das Gebäude samt Inventar in das Fränkische Freilandmuseum transloziert.

Typologisch handelt es sich um einen (ursprünglich) zweihornigen Amboss in der sogenannten "süddeutschen Form". Der Ambosskörper ruht auf einem massiven Fuß, der durch einen sogenannten "Stauch" erweitert ist. Die abgeflachte Bahn ist aus gehärtetem Stahl gefertigt und mit zwei Löchern versehen. Ein Voramboss schließt an die dem Schmied zugewandte Seite der Bahn an. Nur noch das spitz zulaufende Rundhorn ist erhalten, das rechteckige Horn auf der gegenüberliegenden Seite ist abgebrochen.

Die meisten Schmiedearbeiten wurden auf der Bahn verrichtet, sie weist deshalb zahlreiche Spuren einer langjährigen Nutzung auf. An den Hörnern und auf dem Voramboss konnte der Schmied seine Werkstücke in die gewünschte Form biegen. Für kleinere Rundungen, besondere Formen oder das Abschlagen von Material konnte er Gesenke in das Vierkantloch einsetzen, beispielsweise sogenannte "Hörnchen" und "Abschrote". Das Rundloch in der Bahn kam beim Aufdornen oder Lochen zum Einsatz.

Auf dem Stauch findet sich die Prägung "150 Kg". Diese Gewichtsangabe ist aufgrund des fehlenden Rechteckhorns nicht mehr zutreffend, trotzdem musste der Sockel, auf dem der Amboss in der Schmiede stand, diesem hohen Gewicht standhalten können. Der massive Stammabschnitt, der als Ambossstock diente, ist auf dem Foto, das einen Ausschnitt aus der Werkstatt in situ zeigt, gut zu erkennen.

Auf einer Seite des Ambosskörpers ist an markanter Stelle eine weitere Prägung zu finden, die Aufschluss über Hersteller und Alter gibt: Die Buchstaben S und H, die Jahreszahl 1912 sowie ein Stempel mit dem umlaufenden Text "Vergiss mein nicht". In Kombination mit der Abbildung der entsprechenden Blume sind dies die Markenzeichen der Hagener Firma "Söding & Halbach". Deren hochwertige Ambosse waren seit etwa 1860 entsprechend gekennzeichnet.

Vermutlich kam unser Amboss in den 1930er Jahren in die Schmiede nach Waldberg und fand dort bis in die 1970er Jahre hinein Verwendung. Das rechteckige Horn war möglicherweise bereits vorher abgebrochen. Doch seine Geschichte ist damit nicht zu Ende – am neuen Standort der Schmiede im Museum soll er auch zukünftig zum Einsatz kommen und von so manchem Hammerschlag zum Klingen gebracht werden


Objekt des Monats April: Stations- oder Wartungstagebuch

  • Inventarnummer: 33889
  • Herkunft: Überlandwerk Rhön GmbH, Mellrichstadt
  • Heft mit Einband aus Pappe, linierten Seiten, Bindfaden zum Aufhängen, fadengeheftet, bedruckt und beschrieben
  • 20,5 cm x 17 cm x 0,5 cm

Die Elektrifizierung des ländlichen Raumes in Deutschland begann in den 1920er Jahren. Regionale Energieversorgungsunternehmen wie das Überlandwerk Rhön gründeten sich und bauten ihre Infrastruktur auf. Um Gebiete wie die Rhön mit elektrischer Energie versorgen zu können, war neben den Überlandleitungen ein weit verzweigtes Netz an Umspannstationen erforderlich. Transformatorenhäuschen fanden sich in fast jeder Gemeinde. Sie setzten die zur Fernübertragung notwendige Hoch- bzw. Mittelspannung auf die in Haus, Hof und Gewerbe gebräuchliche Niederspannung herab.

Im Fränkischen Freilandmuseum Fladungen steht seit 2003 ein Transformatorenhaus aus Brunnhartshausen, Landkreis Wartburgkreis, Thüringen. Der gut 10 Meter hohe Turm mit steilem Satteldach wurde 1927 am Ortsrand errichtet und in der Bautradition der Thüringischen Rhön mit Holzschindeln verkleidet. Die Einrichtung mit Transformator, Isolatoren, Schalttafel und Spezialwerkzeugen wurde nachträglich aus Bauteilen verschiedener Stationen rekonstruiert.

Die wichtigen technischen Anlagen wurden von den Betreibern regelmäßig gewartet. Zur Dokumentation benutzte man sogenannte "Stationsbücher" oder "Wartungstagebücher" wie das vorliegende Exemplar. Es stammt aus einer Umspannstation zwischen den Ortschaften Braidbach und Rödles in der Gemeinde Bastheim, Landkreis Rhön-Grabfeld. Auf 24 Seiten sind in dem Heft über einen Zeitraum von knapp 27 Jahren (1933 bis 1960) die ausgeführten Arbeiten handschriftlich von verschiedenen Personen vermerkt worden. Zur Routine gehörte das Ablesen des Zählers, die Reinigung der Station, Erdungsmessungen oder Streckenkontrollen der Freilandleitungen. Aber auch besondere Vorkommnisse fanden Eingang. Für den 26. Juni 1934 heißt es: "Gewitterstörung beseitigt, Sicherung eingesetzt." Gänseflug sorgte am 15. Oktober 1949 ebenfalls für einen Stromausfall. Aber auch größere Maßnahmen, wie der Ortsnetzumbau durch eine Baukolonne im Oktober 1950 oder der Austausch des Transformators am 27. November 1958, der in nur 40 Minuten vollzogen war, sind so überliefert.

Das Heft zeigt sehr starke Gebrauchsspuren und Verschmutzungen, die auf die widrigen Bedingungen mit Staub und Öl in den Trafohäuschen zurück zu führen sind. Die vier ersten Blätter fehlen, die restlichen Seiten sind an den Rändern teilweise stark eingerissen. Nichtsdestotrotz ist das Stationsbuch ein sammelwürdiges und zugleich hoch interessantes Dokument zur Geschichte der Elektrifizierung in der Region.

Übrigens: Eine Sonderausstellung zur 100-jährigen Geschichte des Überlandwerks Rhön ist in der gesamten Saison 2021 im Freilandmuseum Fladungen zu sehen. Mehr erfahren Sie auf der Seite STROM FÜR DIE RHÖN.


Objekt des Monats März: Kastenratsche

  • Inventarnummer: 23148
  • Herkunft: aus Privatbesitz in Wüstensachsen (Gemeinde Ehrenberg, Landkreis Fulda)
  • Klangkörper/"Lärminstrument" aus Fichten- und Buchenholz geschnitzt, gedrechselt und genagelt
  • 29 cm x 15 cm x 30cm

"Die Glocken sind nach Rom geflogen", so lautete eine der populärsten Begründungen für den Brauch des "Klapperns" oder "Ratschens" zwischen Gründonnerstag und der Osternacht, der sich in manchen Teilen der Rhön bis heute erhalten hat. Anstelle der Kirchenglocken riefen Kinder – lange Zeit vor allem Buben/Ministranten im Alter von 7 bis 14 Jahren – mithilfe einer Vielzahl von "Instrumenten" zum Gottesdienst. Die Bezeichnungen für die Ratschen unterschieden sich oft von Ort zu Ort. Am weitesten verbreitet waren "Klapper" und "Ratsche", aber auch "Rumpel", "Klapperkasten" und "Kärre" ließen in der Rhön ihren charakteristischen Lärm erklingen.

In unserem Fall handelt es sich um eine sogenannte Kastenratsche, die aus Wüstensachsen (Lk. Fulda) stammt. Auf einem Resonanzkörper sind vier Zungen mit einem querliegenden Brettchen am unteren Ende fixiert. An ihrem losen Ende sind die Zungen mit kleinen Hammerköpfen ausgestattet. Von den Zapfen, die auf der zylindrischen Achse angebracht sind, werden die Hämmer in gewissen Abständen angehoben und schlagen dann auf dem Resonanzkörper auf. Die Achse wird durch eine seitliche Kurbel bewegt, womit sich Tempo und Rhythmus des "Klapperns" variieren lassen. Zum Spielen der Ratsche wurde diese entweder auf den Boden gelegt, mit einem Arm vor die Brust geklemmt oder mit einem Schulterriemen vor der Hüfte getragen. Diese Ratsche wurde eine Zeit lang auf letztere Weise verwendet, wie sich an Textilresten am Kastenboden erkennen lässt. Aufgrund der seltenen Nutzung kam es häufig zu Schäden bei der Lagerung. Auf diese Weise könnte auch einer der Zapfen verloren gegangen sein.

Beim "Klappern" liefen die "Klapperbuben" oft von Haus zu Haus und bekamen für das Klappern und das Aufsagen oder Singen von kurzen Reimen und Liedern eine "Entlohnung" in Form von Süßigkeiten, Trockenobst und Eiern. Der Wunsch, die lärmenden Kinder nur möglichst kurz vor der eigenen Haustür zu haben, bot sicher ausreichend Motivation, mit Eiern und Süßigkeiten nicht zu sparsam zu sein. In Corona-Zeiten ist dieser Brauch nur schwer auf traditionelle Weise umzusetzen, im letzten Jahr wurden aber bereits neue Wege gefunden, wie beispielsweise das Distanz-Klappern auf dem eigenen Grundstück oder am Fenster.


Objekt des Monats Februar: Kleegeige

  • Inventarnummer: 30993
  • Herkunft: Privatbesitz, Ostheim v. d. Rhön, Landkreis Rhön-Grabfeld
  • Gerät zum Ausstreuen von Saatgut
  • Buchen- und Kiefernholz, Metallguss, Blech (verzinkt), Garn, Leinen
  • 48 cm x 17 cm x 2,5 cm (Kasten und Streuteller)
  • 80 cm x 3 cm (Bogen), 50 cm (Länge Schulterriemen)

Die Schnur zum Drehen des Streutellers ist intakt, der Stoffriemen zum Tragen über der Schulter ist an einer Seite abgerissen. Der sechszackige Streuteller aus Gussmetall ist an manchen Stellen leicht verbogen.

Vor der flächendeckenden Verbreitung von landwirtschaftlichen Maschinen zur Aussaat wurde Saatgut über Jahrtausende hinweg vor allem mit der Hand auf dem Feld verteilt. Um die Aussaat im Ergebnis gleichmäßiger und effizienter zu gestalten, wurden ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den USA verschiedene Aussathilfen entwickelt. Die sogenannte "Kleegeige" (engl. "seed fiddle") war eines der populärsten Geräte dieser Art.

Auf einer Abbildung aus einem Katalog von 1891 (USA) lässt sich die Funktionsweise einer "Kleegeige" nachvollziehen (hier mit einem Saatbehälter aus Stoff). Das Gerät wurde mit einem Riemen über der Schulter getragen und beim langsamen Voranschreiten wurde der Stock gleichmäßig hin und her bewegt, wodurch das Saatgut in großem Bogen vom Streuteller geschleudert wurde. Das Äußere und die durchgeführte Bewegung ähnelten somit einer Geige, womit sich der Name "Kleegeige" erklären lässt. 

Vor allem zur Aussaat von Kleinsamen wie Klee, Rüben, Gras und Raps wurden "Kleegeigen" verwendet, allerdings konnte auch mineralischer Dünger damit verstreut werden.

Diese "Kleegeige" ist noch relativ gut erhalten. An einer Seite des Saatgutbehälters ist ein Blech-Schild angebracht, auf dem der Name "Mörwald's 'Kleegeige'" zu finden ist. Außerdem sind Angaben zur Aussaatmenge pro Tagwerk (ca. 0,34 Hektar) und ein Verweis auf den Hersteller "Hans Mooshammer - Maschinenbau" aus Trostberg (Lk. Traunstein, Oberbayern) ablesbar. Laut der entsprechenden Angabe wurden bei einer Ausstreubreite von 6 Metern bis zu 11 Pfund Klee pro Tagwerk ausgesät.

Für unebene und schwer zu bestellende Ackerflächen in der Rhön eignete sich diese handliche "Kleegeige" als kostengünstiges Hilfsmittel zur effizienteren Aussaat. Größere Sämaschinen wurden bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Landwirtschaft eingesetzt, waren für viele Kleinbauern allerdings unerschwinglich. Von Hobbygärtner:innen werden auch heute noch Kleinsämaschinen verwendet.


Objekt des Monats Januar: Griffelkästchen

  • Inventarnummern: 33487, 33488
  • Herkunft: Erika Jung, Stetten (Landkreis Rhön-Grabfeld)
  • Behältnisse zum Aufbewahren von Schreibutensilien, Hartholz, mit verschiebbaren Deckeln verschließbar, Schnitzverzierungen, Inhalt: Schreibfedern (Stahl, Messing) und Federhalter

Diese zwei Kästchen sind 23 cm bis 24 cm lang, etwa 6 cm breit und 2,5 cm bzw. 6 cm hoch und aus Hartholz gefertigt. Den beiden Kästchen ist eine umfangreiche Benutzung anzusehen. Auf einem Deckel ist der Name „Erika Jung“ eingeschnitzt und mit geschnitzten Eichenblättern verziert, deren Blattstiele den Namen einrahmen. An einer Seite des Deckels ist eine kleine Stelle abgeflacht, um das Aufschieben zu erleichtern. Der Deckel des anderen Kästchens ist deutlich einfacher gestaltet. Nur zwei schmale Zierrillen und eine runde Griffmulde sind in das Holz geschnitzt. Unter den aufschiebbaren Deckelplatten befinden sich jeweils unterschiedlich große Fächer.

Die Griffelkästchen waren im Besitz von zwei Familiengenerationen. Der Mutter gehörte das schlichtere Kästchen (um 1910), die Tochter bekam ihr mit Namen und Blattmotiv verziertes Kästchen zur Einschulung 1943 in Suhl, wo einigen ihrer Mitschüler:innen ähnliche Kästchen geschenkt wurden. Noch vor dem Bau der Berliner Mauer verließ die Tochter Thüringen und wohnte lange Zeit in Niedersachsen, bis sie schließlich in die Rhön zog. Diese zwei Kästchen hatten somit eine vielgestaltige Geschichte mit drei politischen Systemwechseln hinter sich, bevor sie ihren Weg ins Museum fanden.

Schreiben lernen ist ein zentraler Bestandteil der Schulbildung, die dafür verwendeten Hilfsmittel unterlagen aber vor allem im 20. Jahrhundert einem ständigen Wandel. In diesen zwei Kästchen wurden ursprünglich höchstwahrscheinlich Schiefergriffel aufbewahrt, im Laufe der Schulzeit wurden die Kästchen dann umfunktioniert und dienten nun zur Aufbewahrung von Metallfedern und Federhaltern, wie auch an den zahlreichen Tintenflecken erkennbar wird. In den ersten Schuljahren nutzten die Schüler:innen bis in die 1960er Jahre hinein Schiefergriffel, mit denen auf Schiefertafeln geschrieben wurde. Die Griffel waren billig und das Geschriebene konnte einfach mit einem Schwamm weggewischt werden. Die älteren Schüler:innen verwendeten zum Schreiben auf Papier lange Zeit Stahlfedern mit Federhaltern und Tintenfässchen, bevor sich Füllfederhalter ab den 1950ern langsam durchsetzten. Moderne Füllfederhalter und Kugelschreiber, wie sie heute von vielen verwendet werden, sind praktisch und einfach in der Handhabung. Was die nachhaltige Nutzung von Rohstoffen angeht, waren Griffel und einfache Stahlfedern dem Kugelschreiber und dem Füllfederhalter aber um einiges voraus.


Objekt des Monats Dezember: Eisenbahn-Uniformmantel

  • Inventarnummer: 33537
  • Herkunft: Walter Rücker, Schweinfurt
  • Schwarzer Wollstoff, blau eingefärbter Kragen, 12 Messingknöpfe in 2 parallelen Reihen

Im Winter waren ein warmer Mantel oder eine warme Jacke schon immer etwas Tolles. Ganz besonders dann, wenn man viele Stunden an kalten und windigen Bahngleisen arbeiten musste, wie der ehemalige Besitzer dieses Eisenbahn-Uniformmantels, Walter Rücker (geb. 1911). In Folge des 2. Weltkrieges kam er aus dem heutigen Tschechien ins unterfränkische Lülsfeld und begann am Bahnhof im benachbarten Gerolzhofen für die Deutsche Reichsbahn (später Deutsche Bundesbahn) zu arbeiten. 1951 wurde er an den Bahnhof nach Schweinfurt versetzt und vermutlich um 1960 wurde er mit diesem Mantel ausgestattet. Fast 35 Jahre arbeitete Walter Rücker an unterfränkischen Bahnhöfen. Nach seinem Tod übergab seine Tochter den Mantel an das Freilandmuseum.

In seiner Ausführung ist der Mantel vor allem praktisch. Der schwere, schwarze Wollstoff schützte vor Wind, Kälte und leichtem Regen und wies den Träger eindeutig als Bahn-Beamten aus.  Stilistisch ist er an Militäruniformen des späten 19. Jahrhunderts angelehnt.

Die Abnutzungsspuren am Kragen und den Ärmeln lassen klar erkennen, dass der Mantel regelmäßig getragen wurde. Sein insgesamt guter Erhaltungszustand lässt sich aber nur durch eine gewissenhafte Pflege erklären.

Die Verwendung von Kunststoffen in der Herstellung von funktionaler Arbeitskleidung hat heute die Verwendung von Wolle und Baumwolle hierfür nahezu vollständig verdrängt. So lange wie dieser Mantel getragen wurde, wird heute kaum noch ein Kleidungsstück genutzt und gepflegt.


Objekt des Monats November: Kinder-Skistiefel

  • Inventarnummer: 26730
  • Herkunft: Schuhgeschäft Schäflein, Fladungen
  • Zweifarbiges Leder (rahmengenäht), Ösen und Schnallen aus Metall, Sohle im vorderen Bereich metallverstärkt

Dieses Objekt ist eng mit der jüngsten Geschichte Fladungens verbunden. Es stammt aus dem Bestand des Traditionshauses „Schuhhaus Schäflein“. 1905 gegründet vom Fladunger Sattlermeister Franz Leutbecher, bestand es für mehr als 100 Jahre, bis zur Auflösung im März 2018. In dieser Zeit lag die Geschäftsführung in der Hand von vier Generationen aus Fladungen.

Bei diesen Schuhen handelt es sich um „nagelneue“ und unbenutzte Kinder-Skistiefel der Größe 27 aus den 50er Jahren. Sie sind in ihrer Gestaltung relativ aufwändig und waren bei einem Preis von 54,90 D-Mark keineswegs günstig. Hochwertiges Leder in verschiedenen Brauntönen, gelb-schwarze Schnürsenkel und teilweise gelbe Nähte sind hübsch anzusehen und noch sehr gut erhalten. Die festen Sohlen sind am vorderen Ende mit einer Metallversteifung versehen, um einen festen Halt in der Skibindung zu gewährleisten. Zum selben Zweck findet sich auch in der Sohle an der Ferse eine Kerbe, die das Wegrutschen der hinteren Bindungsteile verhindern sollte.

Skifahren wurde nach dem zweiten Weltkrieg in der Rhön immer populärer. An der Wasserkuppe und am Kreuzberg wurden 1954 bzw. 1958 die ersten Lifte eröffnet und in den folgenden Jahrzehnten kamen noch eine Reihe weiterer Lifte in der Region dazu. Vielleicht erlaubt es die Schneesituation in diesem Winter in der Rhön auf Skiern über den Schnee zu gleiten, die Skisaison in den Alpen steht diesen Winter aufgrund der aktuellen Pandemie allerdings unter keinem guten Stern. Skischuhe sehen heute völlig anders aus als unser „Objekt des Monats“, doch die Freude über einen schönen Tag auf Skiern war vor 70 Jahren vermutlich genauso groß wie heute.