Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

mit dem Rhön-Zügle

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Kleine Stücke regionale Geschichte entdecken


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Objekt des Monats Dezember: Eisenbahn-Uniformmantel

Inventarnummer: 33537
Herkunft: Walter Rücker, Schweinfurt
Schwarzer Wollstoff, blau eingefärbter Kragen, 12 Messingknöpfe in 2 parallelen Reihen

Im Winter waren ein warmer Mantel oder eine warme Jacke schon immer etwas Tolles. Ganz besonders dann, wenn man viele Stunden an kalten und windigen Bahngleisen arbeiten musste, wie der ehemalige Besitzer dieses Eisenbahn-Uniformmantels, Walter Rücker (geb. 1911). In Folge des 2. Weltkrieges kam er aus dem heutigen Tschechien ins unterfränkische Lülsfeld und begann am Bahnhof im benachbarten Gerolzhofen für die Deutsche Reichsbahn (später Deutsche Bundesbahn) zu arbeiten. 1951 wurde er an den Bahnhof nach Schweinfurt versetzt und vermutlich um 1960 wurde er mit diesem Mantel ausgestattet. Fast 35 Jahre arbeitete Walter Rücker an unterfränkischen Bahnhöfen. Nach seinem Tod übergab seine Tochter den Mantel an das Freilandmuseum.

In seiner Ausführung ist der Mantel vor allem praktisch. Der schwere, schwarze Wollstoff schützte vor Wind, Kälte und leichtem Regen und wies den Träger eindeutig als Bahn-Beamten aus.  Stilistisch ist er an Militäruniformen des späten 19. Jahrhunderts angelehnt.

Die Abnutzungsspuren am Kragen und den Ärmeln lassen klar erkennen, dass der Mantel regelmäßig getragen wurde. Sein insgesamt guter Erhaltungszustand lässt sich aber nur durch eine gewissenhafte Pflege erklären.

Die Verwendung von Kunststoffen in der Herstellung von funktionaler Arbeitskleidung hat heute die Verwendung von Wolle und Baumwolle hierfür nahezu vollständig verdrängt. So lange wie dieser Mantel getragen wurde, wird heute kaum noch ein Kleidungsstück genutzt und gepflegt.


Objekt des Monats November: Kinder-Skistiefel

Inventarnummer: 26730
Herkunft: Schuhgeschäft Schäflein, Fladungen
Zweifarbiges Leder (rahmengenäht), Ösen und Schnallen aus Metall, Sohle im vorderen Bereich metallverstärkt

Dieses Objekt ist eng mit der jüngsten Geschichte Fladungens verbunden. Es stammt aus dem Bestand des Traditionshauses „Schuhhaus Schäflein“. 1905 gegründet vom Fladunger Sattlermeister Franz Leutbecher, bestand es für mehr als 100 Jahre, bis zur Auflösung im März 2018. In dieser Zeit lag die Geschäftsführung in der Hand von vier Generationen aus Fladungen.

Bei diesen Schuhen handelt es sich um „nagelneue“ und unbenutzte Kinder-Skistiefel der Größe 27 aus den 50er Jahren. Sie sind in ihrer Gestaltung relativ aufwändig und waren bei einem Preis von 54,90 D-Mark keineswegs günstig. Hochwertiges Leder in verschiedenen Brauntönen, gelb-schwarze Schnürsenkel und teilweise gelbe Nähte sind hübsch anzusehen und noch sehr gut erhalten. Die festen Sohlen sind am vorderen Ende mit einer Metallversteifung versehen, um einen festen Halt in der Skibindung zu gewährleisten. Zum selben Zweck findet sich auch in der Sohle an der Ferse eine Kerbe, die das Wegrutschen der hinteren Bindungsteile verhindern sollte.

Skifahren wurde nach dem zweiten Weltkrieg in der Rhön immer populärer. An der Wasserkuppe und am Kreuzberg wurden 1954 bzw. 1958 die ersten Lifte eröffnet und in den folgenden Jahrzehnten kamen noch eine Reihe weiterer Lifte in der Region dazu. Vielleicht erlaubt es die Schneesituation in diesem Winter in der Rhön auf Skiern über den Schnee zu gleiten, die Skisaison in den Alpen steht diesen Winter aufgrund der aktuellen Pandemie allerdings unter keinem guten Stern. Skischuhe sehen heute völlig anders aus als unser „Objekt des Monats“, doch die Freude über einen schönen Tag auf Skiern war vor 70 Jahren vermutlich genauso groß wie heute.


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