Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

mit dem Rhön-Zügle

Unsere Sammlung

Regionale Geschichte in Dingen

Das Fränkische Freilandmuseum Fladungen besitzt mit über 40.000 Objekten eine sehr umfangreiche historische Sachgutsammlung der Region. Sie spiegelt im Wesentlichen die Zeit der letzten 200 Jahre wider. In den Depots finden sich Möbel, Hausrat, Haushaltsgegenstände, landwirtschaftliche Geräte, Maschinen, Werkzeuge und vieles mehr. Die Sammlung ist der zentrale Ausgangspunkt unserer Museumsarbeit: Sie ist Wissensspeicher für kommende Generationen und dient der Forschung sowie der musealen Vermittlung. Grundlage bilden die von ICOM und dem Deutschen Museumsbund definierten Standards.


Objekt des Monats - Museumsschätze entdecken

Monat für Monat stellen wir hier ein außergewöhnliches Objekt aus unserer Sammlung vor.

Im Depot des Freilandmuseums befinden sich viele Objekte, die nicht oder nur selten in Dauer- oder Sonderausstellungen gezeigt werden können. Online können Sie nun eine Auswahl an verborgenen Museumsschätzen und ihre Geschichten entdecken.


Objekt des Monats Februar 2024: Schellackplatte "Wenn du meine Tante siehst" aus Bad Kissingen-Garitz

  • Inventarnummer: 35237,1
  • Schallplatte, 1924
  • Herkunft: Privatbesitz, Garitz, Stadt Bad Kissingen
  • Material: Schellack, gepresst, beklebt; Papier, bedruckt
  • Maße: 24,9 cm Durchmesser, 1 mm dick

Boogie-Woogie, Rock 'n' Roll oder Jive waren beliebte Modetänze der 1950er Jahre. Doch wer kennt heute noch den Shimmy aus den Goldenen Zwanzigern? 

Passend zu den Faschingstagen, an denen traditionell über die Stränge geschlagen und getanzt wird, präsentiert das Fränkische Freilandmuseum Fladungen eine historische Schallplatte als Objekt des Monats Februar.

1888 erfand der deutsche Auswanderer Emil Berliner (1851-1929) in den Vereinigten Staaten ein neues Tonträgersystem: Die Schallplatte und das Grammophon. Zunächst wurden die runden Scheiben aus Hartgummi hergestellt, doch schon 1896 setzte sich eine Mischung aus Schellack durch, die bis heute bekannte "Schellackplatte" war geboren.

Eine boomende Schallplattenindustrie etablierte sich seit 1900 weltweit. Dazu zählte auch die 1905 in Berlin gegründete "Beka-Record GmbH" – die Abkürzung der Firma Bumb & Koenig – die in den 1920er Jahren zu den renommierten Plattenlabels in Deutschland gehörte. 

1924 kam die vorliegende Pressung mit dem Bohème-Orchester auf den Markt. Das gelbgrundige Papieretikett mit Signet und Nummern nennt auf jeder Seite die jeweiligen Titel "Der Harem vom Kurfürstendamm" und "Wenn du meine Tante siehst". 

Rudolf Nelson (1878-1960) komponierte sie für seine Revue "Der Harem auf Reisen". Der Berliner Nelson, eigentlich Rudolf Lewysohn, war ein sehr erfolgreicher Komponist von gut 30 Revuen, die er in seinem eigenen Theater auf dem Kurfürstendamm zur Aufführung brachte. Der Text stammte aus der Feder von Rudolf Schanzer (1875-1944) und Ernst Welisch (1875-1941). 

Beide Musikstücke waren Shimmys. Ein Tanz, der sich 1918 in den USA aus dem Foxtrott entwickelte und zu Beginn der 1920er Jahre auch in Europa beliebt wurde. Charakteristisch sind schüttelnde Bewegungen aller Glieder des Körpers, auch des Hinterns. Deshalb wurde er hierzulande als obszön empfunden und die Tanzfiguren entsprechend abgemildert und angepasst.

Schlager und Tanz bildeten in den 1920er Jahren eine untrennbare Einheit. Der vom Tenor Willy Weiss (1883-1954) gesungene Shimmy "Wenn du meine Tante siehst, sag ich lass sie grüßen" wurde rasch ein Gassenhauer, der überall gesummt und gepfiffen wurde. 

Die schlichte Schellackplatte ohne Hülle und das zugehörige Grammophon stammen von einem Handwerker aus dem Bad Kissinger Stadtteil Garitz, der sie in den 1920er Jahren erwarb. Die Schallplatte mit deutlichen Gebrauchsspuren veranschaulicht eindrücklich, wie sich populäre Musik und entsprechende Tänze zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch im nördlichen Unterfranken verbreiteten.

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